Junuzovic: Privates Glück, sportliche Glücksgefühle

Will bald auch wieder auf dem Platz lächeln können: Zlakto Junuzovic (Foto: nph).
Profis
Montag, 13.01.2014 // 15:22 Uhr

Beim Auswärtsspiel ,Auf Schalke‘ stand Zlatko Junuzovic das letzte Mal auf dem Platz. Seit der Partie von Anfang November setzt „Juno" ein Haarriss im Sprunggelenk außer Gefecht - für den ...

Beim Auswärtsspiel ,Auf Schalke‘ stand Zlatko Junuzovic das letzte Mal auf dem Platz. Seit der Partie von Anfang November setzt „Juno" ein Haarriss im Sprunggelenk außer Gefecht - für den österreichischen Nationalspieler der negative Höhepunkt eines schwierigen Jahres. Nach Wochen auf Krücken, dem Rad und im Kraftraum arbeitet der Österreicher im Trainingslager im spanischen Jerez de la Frontera weiter intensiv an seinem Comeback. Mit WERDER.DE traf sich ,Zladdi‘ zum Interview, um über privates Glück und sportliche Glücksgefühle zu sprechen.

WERDER.DE: Hallo Juno, die wichtigste Frage vorab: Wie geht es dir?

Zlatko Junuzovic: „Es ist schön, teilweise schon wieder auf dem Platz zu stehen, dicht beim Training dabei sein können, zu sehen, was die Teamkollegen machen und selbst auch wieder was machen zu können."

WERDER.DE: Das klingt schon wieder sehr zuversichtlich ...

Zlatko Junuzovic: „Momentan läuft es wirklich gut, aber vom Kopf her ist noch die eine oder andere Unsicherheit da. Das wird sich hoffentlich in den nächsten Tagen legen. Ich muss vor allem in der Anfangsphase sehr vorsichtig sein und ständig abwarten, wie die Reaktion ist, ob ich Schmerzen habe oder ob was ich fühle. Das ist in den ersten Tagen sehr wichtig."

WERDER.DE: Kannst du die von dir angesprochene Unsicherheit näher beschreiben?

Zlatko Junuzovic: „Man denkt immer an die Stelle, an der man bei der Verletzung Schmerzen hatte. Ich hatte die Probleme ja nicht nur beim Fußball, sondern auch im Privatleben. Man denkt ununterbrochen daran und horcht ständig in sich rein, ob man was spürt oder nicht. Das zieht sich wie ein roter Faden durch."

WERDER.DE: Wenn du in Prozenten sagen solltest, wo du stehst, wie würdest du antworten?

Zlatko Junuzovic: „Das ist sehr schwierig zu sagen. Ich habe die letzten acht, neun Wochen nur damit verbracht, auf dem Fahrrad zu sitzen oder im Kraftraum zu sein. Deshalb kann ich nicht sagen, wie ich die Intensität vom Fußball, von der Ausdauer und Kraft her aushalten würde. Momentan genieße ich das Glücksgefühl, wieder auf dem Platz und daher nah dran zu sein. Ich hoffe, dass schnell alles gut geht."

WERDER.DE: Musst du dich hin und wieder bremsen, wenn du auf dem Platz bist, aber noch nicht alles machen kannst?

Zlatko Junuzovic: „Von Bremsen würde ich nicht sprechen. Ich versuche, die Sachen bestmöglich zu machen und alles auszuprobieren, was momentan geht. Ich vertraue einfach darauf, dass alles gut geht. Aber ich schaue nach jedem Pass, nach jedem Schritt, ob alles passt. Es braucht einfach Zeit, bis das Vertrauen wieder kommt."

WERDER.DE: Lass uns einen Blick zurückwerfen. Verletzungen, WM verspielt und mit Werder eine schwierige Saison gehabt: Liege ich richtig in der Annahme, dass 2013 nicht dein Lieblingsjahr war?

Zlatko Junuzovic: "Ich bin wirklich sehr froh, dass dieses Jahr vorbei ist. Ich hab 2013 so oft Wehwehchen gehabt, wie nie zuvor in meinem Leben. Es waren Narben dabei, es waren Cuts dabei, es waren Ausfälle mit zwei, drei Wochen dabei, in denen ich immer wieder Schmerzen hatte. Ich habe oft mit Schmerzen trainiert und gespielt. Insgesamt habe ich mich nicht rund gefühlt in dem vergangenen Jahr. Ich wünsche mir, dass alles in dem Bereich besser wird."

WERDER.DE: Was muss dafür passieren?

Zlatko Junuzovic: „Ich kann das nur selbst ins Positive umschwenken. Dafür muss ich zuversichtlich sein und hart arbeiten. Ich sollte nicht so sehr auf die negativen Sachen der Vergangenheit schauen, auch wenn das schwere Zeiten waren."

WERDER.DE: Das klingt vermutlich einfacher, als es ist!

Zlatko Junuzovic: "Ich habe viele Sachen gesehen, gute wie schlechte. Aber man lernt auch durch negative Erfahrungen dazu, man weiß bei einer ähnlichen Situation beim nächsten Mal, wie man damit umzugehen hat. Man muss das nur einordnen und seine Lehren daraus ziehen. Das ist das Wichtigste, das werde ich versuchen. Wenn dann in Zukunft nochmal ähnliche Situationen kommen, werde ich sie einfacher in den Griff bekommen."

WERDER.DE: Apropos in den Griff bekommen. Sportlich bist du momentan noch im Aufbautraining, Privat stehst du in der Startelf, oder?

Zlatko Junuzovic: "Privat wird 2014 ein gutes Jahr (lacht). Die Verlobung im Sommer war der Schritt, von dem ich immer gesagt habe: ,Da passt alles, das ist richtig so.‘ Ich bin auch eher einer, der es ruhiger mag. So hab ich mich auch in den schwierigen letzten Monaten kennengelernt. Ich habe genau im Kopf, wie es sein soll. Davon profitiert man dann auch sportlich."

WERDER.DE: Inwiefern?

Zlatko Junuzovic: "Es sollte immer muss das Sportliche und das Private zusammenbetrachtet werden. Vieles hängt da voneinander ab. Wenn jemand im Privatleben zufrieden ist, ist das auch beim Fußball förderlich. Man muss auch Privat gefestigt sein, eine gewisse Stabilität haben. Es muss alles passen, man muss ein gutes Gefühl haben. Wenn man das für sich sagen kann, dass alles gut ist. Ich werde schauen, dass ich alles in die richtige Bahn bekomme (lacht)."

WERDER.DE: Bei Theo Gebre Selassie, mit dem du dich auch privat sehr gut verstehst, fällt in diesem Jahr auch das Glück ins Haus. Gibt es einen Deal - er wird Trauzeuge und du dafür Pate des Kindes?

Zlatko Junuzovic: "Nein, so etwas gibt es nicht (lacht). Wir haben ja auch noch gar keinen Termin für unsere Hochzeit. Da haben wir noch Zeit und werden uns die Zeit auch noch lassen. Den Rest werden wir sehen."

WERDER.DE: Und wie sieht es mit eigenem Nachwuchs aus?

Zlatko Junuzovic: „Da ist zurzeit nichts angedacht, es wird also in den nächsten neun Monaten keine neue Meldung geben (lacht). Aber ich werde älter und muss planen - das gilt für das Private wie auch für das Sportliche. Ich sage mir aber immer, dass alles kommt, wenn die Zeit reif ist. Ich muss einfach geduldig sein - so ist es mit der Verletzung momentan auch. Da darf ich nichts überstürzen."

WERDER.DE: Noch eine abschließende Frage: Wenn du wieder ganz fit bist, wirst du dich dem Konkurrenzkampf im Mittelfeld stellen müssen. Bist du wegen der Verletzung im Nachteil?

Zlatko Junuzovic: „Konkurrenzkampf und Druck sind immer da. Das wird im Fußball nie anders. Auch ohne Verletzung hätte ich mich gegen zwei, drei, vier andere Spieler durchsetzen müssen. Darüber denke ich aber momentan nicht nach. Wenn ich wieder fit bin, wird es ein Glücksgefühl sein, wieder sprinten und gegen den Ball treten zu können. Ich denke nicht über Druck nach - nicht über medialen Druck, nicht über Zuschauerdruck und auch nicht über Leistungsdruck. Ich habe da andere Gedanken und freue mich dann wieder dabei sein zu können."


Von Dominik Kupilas