Ernst im Interview: "Wir haben immer Hamburger gegessen"

Holte unter anderem mit Ivan Klasnic und Nelson Valdez 2004 die Meisterschaft und den DFB-Pokal nach Bremen: Fabian Ernst (Foto: Getty).
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Donnerstag, 27.02.2014 // 11:59 Uhr

Vor gut sieben Monaten setzte Fabian Ernst den Schlussstrich unter einer 15 Jahre andauernden Karriere. Endlich mehr Zeit haben für Frau Julia und den Zwillingen, so die verständliche Erklärung des heute ...

Vor gut sieben Monaten setzte Fabian Ernst den Schlussstrich unter eine  15 Jahre andauernden Karriere. Endlich mehr Zeit haben für Frau Julia und den Zwillingen, so die verständliche Erklärung des heute 34-Jährigen. Als seine Karriere in den Anfangsjahren beim Hamburger SV nicht so richtig anlaufen will , wechselte er zum SV Werder. Und dort feierte er mit dem Doublegewinn seinen größten Erfolg in Deutschland. Im ersten Teil des Interviews spricht Ernst über eine spezielle Nordderby-Vorbereitung von damals und verrät, wie wichtig Torsten Frings für seine Entwicklung war. 

WERDER.DE: Fabian, als du am Morgen aufgewacht bist: Welches Gefühl hattest du? Wer gewinnt am Samstag das Nordderby?

Fabian Ernst: „Ich bin ehrlich: Ich habe nicht als Erstes an das Nordderby gedacht, als ich heute aufgewacht bin. Aber natürlich weiß ich noch, wie man als Fußballspieler vor solch einem Duell denkt. Ich habe beide Seiten erlebt. Sowohl die Bremer als auch die Hamburger. Das ist schon ein besonderes Spiel. Jede Mannschaft will ihren Fans etwas bieten. Das wird ein richtig enges Ding."

WERDER.DE: Noch zwei Tage, dann geht es endlich los, das 100. Nordderby. Was würdest du aufgrund deiner eigenen Erfahrung sagen: Wie nervös ist man vor solch einem Spiel?

Fabian Ernst: „Nervös war ich eigentlich nie. Für mich war es immer was Schönes, worauf man sich freuen kann. Das ganze Drumherum ist etwas besonderes. Die Leute sind alle speziell angefixt und emotionaler, je näher sie dem Stadion kommen."

WERDER.DE: Hast du für Fritz, Prödl und Co. einen speziellen Derby-Vorbereitungstipp? Du selbst hast immerhin zwei Derby-Tore vorzuweisen ...

Fabian Ernst: „Wir haben damals mit der Mannschaft immer Hamburger gegessen. Vielleicht hilft es, wenn man sich einmal nicht gesund ernährt? (lacht) Ob das heute noch so geht, weiß ich nicht. Uns hat es in jedem Fall immer geholfen."

WERDER.DE: Du hast insgesamt sieben Jahre deiner Karriere in den beiden Hansestädten verbracht. Zwei in Hamburg, fünf in Bremen. Wo hast du dich heimischer gefühlt?

Fabian Ernst: „In Bremen, das steht außer Frage. In Hamburg erlebte ich meine ersten Gehversuche in der Bundesliga. Ich war mit damals 18 Jahren noch sehr jung. In Bremen bin ich dann zu dem Spieler gereift, der ich immer werden wollte. Ich hatte in Bremen Erfolg, dort wurden die Grundlagen gelegt. Auch von der Stadt her liegt mir Bremen wesentlich besser als Hamburg. Die Lebensqualität in Bremen war schon überragend. Ich hatte eine tolle Zeit."

WERDER.DE: Wo hast du dich in Bremen besonders gern aufgehalten?

Fabian Ernst: „An der Weser. Ich habe in meiner Anfangszeit direkt am Osterdeich gelebt und bin dann zweimal umgezogen. Eigentlich waren auch die weiteren Wohnungen gut. Erst ‚Auf den Höfen‘, was als Profifußballer wohl eher suboptimal war, weil es teilweise sehr, sehr laut war. In den restlichen zwei Jahren habe ich in Oberneuland gelebt. Da war ich zuletzt auch wieder, um Tim Borowski zu besuchen."

WERDER.DE: An welche Momente denkst du besonders gerne zurück?

Fabian Ernst: „Die Frage ist einfach zu beantworten. Ich habe in Deutschland nur einmal die Meisterschaft und den Pokal gewinnen können. Das war mit Werder Bremen 2004. Das waren schon besondere Momente. Ich habe noch die Bilder vor Augen, als wir mit dem Flugzeug aus München wiedergekommen sind und ganz Bremen auf den Beinen war, um uns zu empfangen. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen."

WERDER.DE: Du hast Hamburg zur Jahrtausendwende mit dem Etikett „Ewiges Talent" verlassen. In Bremen bist du immer mehr zur Führungsfigur gereift, konntest deine Stärken auf dem Platz auch zeigen. Gab es da ein Schlüsselerlebnis?

Fabian Ernst: „Es hängt immer davon ab, inwieweit der Trainer auf dich zählt, deine Qualitäten erkennt und dich dann auch entsprechend fördert. Da hatte ich mit Thomas Schaaf optimale Bedingungen. In Hamburg hatte ich ein super erstes Jahr. Danach wurde ich mehr oder weniger aus dem Kader gestrichen. Und nicht aus Leistungsgründen, sondern weil der Trainer andere Vorstellungen hatte. Da brauchst du als Spieler einen Trainer, der dich an die Hand nimmt und führt. In Bremen entstand zu der Zeit was. Da ist eine Mannschaft mit vielen jungen Spielern zusammengewachsen."

WERDER.DE: Inwiefern kam dir auch der Wechsel von Torsten Frings 2002 zu Borussia Dortmund entgegen! Immerhin bist du danach im Bremer Mittelfeld neben ‚Baumi‘ richtig aufgeblüht...

Fabian Ernst: „Torsten war für mich immer ein wichtiger Ansprechpartner. Er war immer für mich da. Er war sehr gefestigt in seinen Leistungen, wodurch ich mich in meiner Anfangszeit sehr an ihm orientieren konnte. Das war in den ersten Jahren für mich sehr wichtig."

WERDER.DE: Zuletzt hast du im September vergangenen Jahres im Weser-Stadion gespielt, da du von Torsten Frings persönlich zu seinem Abschiedsspiel eingeladen wurdest. Seid ihr sehr eng befreundet?

Fabian Ernst: „Wir verstehen uns super. Wir hatten in Bremen eine tolle gemeinsame Zeit, auch außerhalb des Platzes. Wir haben viel privat unternommen. Danach hatten wir nicht mehr so viel miteinander zu tun. Ich war gerade in der Türkei, als er mich angerufen hatte, um mich zu seinem Spiel eizuladen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Die erste Begegnung dann in Bremen war so, als hätten wir uns nur eine Woche lang nicht gesehen. Die Chemie stimmt bei uns."

WERDER.DE: Welche Kontakte bestehen bis dato noch?

Fabian Ernst: „Ich sehe viele ehemalige Werder-Spieler immer mal wieder. Regelmäßiger Kontakt besteht bis heute zu Tim Borowski und Ivan Klasnic. Umso schöner war es für mich, all die alten Weggefährten beim Abschiedsspiel im September wiederzutreffen."

WERDER.DE: Micoud, Baumann, Lisztes und Ernst: War das die beste Mittelfeldreihe, in der du jemals gespielt hast?

Fabian Ernst: „Von den Zahlen und Erfolgen her müsste ich ja sagen. Ich habe in meiner Karriere mit vielen guten Spielern zusammengespielt, aber mit Micoud, Lisztes und Baumann hat es am meisten Spaß gemacht. Es war so herrlich einfach."

Das Interview führte Timo Volkmann


Erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews, das am Freitag auf WERDER.DE erscheint, wie das Verhältnis zwischen Ernst, den Fans und den Medien in der Türkei war und welche 'Unart' er seinen Zwillingen derzeit mehr denn je austreiben will.