"Dass du das immer wieder erzählen musst!"

Sebastian Prödl und Zlatko Junuzovic erinnern sich an alte österreichische Zeiten als Konkurrenten (Foto: Rospek).
Profis
Mittwoch, 07.05.2014 // 09:10 Uhr

Im zweiten Interviewteil blicken Sebastian Prödl und Zlatko Junuzovic auf die neue Saison, verraten ihre WM-Favoriten und erinnern sich an schmerzhafte Duelle als Konkurrenten in Österreich ...

Noch vor der Partie bei Bayer 04 Leverkusen am kommenden Samstag hat die erwartet schwierige Saison für die Grün-Weißen ein gutes Ende genommen. Im letzten Heimspiel gegen Hertha BSC siegte die Mannschaft von Cheftrainer Robin Dutt mit 2:0 und feierte einen versöhnlichen Ausklang mit ihren Fans im heimischen Weser-Stadion. Werders Österreich-Duo spielte dabei in der gesamten Spielzeit eine entscheidende Rolle. Im zweiten Interviewteil blicken Sebastian Prödl und Zlatko Junuzovic auf die neue Saison, verraten ihre WM-Favoriten und erinnern sich an schmerzhafte Duelle als Konkurrenten in Österreich.  

Ein wesentlicher Eckpunkt dieser Saison war der Wechsel im Tor - von Sebastian Mielitz zu Raphael Wolf. Wie ist die Mannschaft damit umgegangen?

Junuzovic: "Bei der Bekanntgabe durch das Trainerteam war es sicher für alle überraschend. Denn ein Torwartwechsel während der Saison ist nicht alltäglich. Trotzdem gehört es zum Fußball dazu. Die Torhüter wussten immer, dass es einen Konkurrenzkampf gibt - und sie haben die Entscheidung professionell angenommen. Das gilt auch für die Mannschaft. Für uns bedeutet es, Rapha als Nummer eins genauso zu unterstützen wie Miele als Nummer zwei. Umgekehrt haben wir es vorher auch gemacht."

Im Tor wird mit Richard Strebinger zudem ein Landsmann von euch einen Sprung machen. Zu Recht?

Prödl: "Richie ist im Training ganz vorne mit dabei. Er gibt immer Gas, lässt sich überhaupt nicht davon beeindrucken, dass er aktuell ‚nur‘ die Nummer drei ist. Von seinen Trainingsleistungen her hat er es sich auf jeden Fall verdient, nächstes Jahr zur Nummer zwei aufzurücken. Er hat eine gute Ausstrahlung - und das in jungen Jahren mit noch relativ wenig Erfahrung. Ich sage das nicht nur, weil er Österreicher ist (lacht), sondern weil er einfach eine tolle Einstellung und ein wirklich starkes Auftreten hat."

"Da müssen wir uns deutlich steigern"

In der ersten Saison mit einem neuen Trainer muss sich vieles erst einspielen. Welche Schritte könnt ihr in der nächsten Spielzeit machen?

Junuzovic: "Wir hatten vom Beginn der Vorbereitung an eine gute Struktur, ein klares System, das sich dann aber - erst durch die späten Transfers, dann auch durch Verletzungen - immer wieder leicht verändert hat. Wir waren nie richtig im Rhythmus. Dennoch hat man die Handschrift des Trainers gesehen, gerade was die Kompaktheit im Auftreten der gesamten Mannschaft betrifft. Wir müssen nach der Saison analysieren, wo wir stehen. Viele Experten hatten uns einen Abstiegsplatz prophezeit. Dort haben wir nie gestanden und deshalb aus meiner Sicht in einigen Phasen durchaus ein recht gutes Bild abgegeben. Das wird allerdings von den Spielen getrübt, in denen wir so gut wie gar keinen Zugriff bekommen haben. Da müssen wir uns deutlich steigern."

Wie groß ist noch die Wehmut, dass ihr im Sommer die WM in Brasilien vor dem Fernseher verfolgen müsst und nicht mit Österreich dabei seid?

Junuzovic: "Die knappe Niederlage in Schweden am Ende der Qualifikation war schmerzhaft für uns. Es wäre schön gewesen, als Gruppenzweiter in den Play Offs noch einmal die Chance zur Qualifikation zu bekommen. Nun müssen wir nach vorne schauen und die EM 2016 in Angriff nehmen. Denn wir haben insgesamt eine gute Qualifikation gespielt, mit unserer Spielweise positiv überrascht und viel Zustimmung bekommen. Wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Wer ist euer WM-Favorit?

Prödl: "Unser Favorit hat sich ja leider nicht qualifiziert ..." (lacht)

Junuzovic: "Der bleibt in Österreich ..." (lacht)

Prödl: "Im Ernst: Es sind die üblichen wie Deutschland, Brasilien, Spanien."

Junuzovic: "Für mich gehört auch Belgien dazu. Ihnen traue ich das Viertelfinale oder sogar das Halbfinale zu. Und wenn man dort einmal ist, dann kann alles passieren."

Beim letzten Saison-Heimspiel gegen Hertha BSC wurden ja viele Spieler der Mannschaft, die für Werder im Jahr 2004 das Double gewonnen hat, im Weser-Stadion verabschiedet. Begonnen hatte die Saison damals mit dem legendären Aus im UI-Cup gegen das österreichische Team des FC Pasching ...

Prödl: "Eine Riesen-Überraschung. Ich kann mich daran erinnern, dass ich es damals gar nicht glauben konnte."

Junuzovic: "4:0 ging das Spiel in Pasching aus, oder?"

Prödl: "Ich dachte, dass Werder das Hinspiel sicher mit 6:0 oder 7:0 gewonnen hatte. Erst dann habe ich erfahren, dass das 4:0 für Pasching erst das erste Spiel war. Unglaublich ..."

Damals war Werder für euch noch weit weg ...

Prödl: "Aber mit seinem großen Namen natürlich sehr präsent in Österreich. Vor allem auch dadurch, dass mit Andi Herzog ein österreichisches Idol lange Zeit hier gewesen war. Außerdem hat Werder früher schon attraktiven Fußball gespielt, war als zweite Macht in Deutschland nach dem FC Bayern auch in unserer Heimat bekannt."

Des einen Freud, des anderen Leid: per Tunnel zum 4:1-Sieg

Es war eine Zeit, in der auch ihr euch schon kanntet ...

Junuzovic: "Wir haben bereits in der Jugend gegeneinander gespielt. Und das hat mir damals einen der schönsten Momente meiner Karriere beschert (lacht)."

Prödl: "Dass du das immer wieder erzählen musst ..."

Junuzovic: "In der U 19 haben wir damals mit dem Grazer AK 3:1 oder 4:1 gegen Sturm Graz gewonnen. Und da hat Basti doch glatt einen ‚Tunnel‘ von mir bekommen."

Dennoch ist eine enge Freundschaft entstanden?

Prödl: "Das kann man so sagen. Als Konkurrenten kennen wir uns schon ewig, dann später natürlich aus der Nationalmannschaft auch als Teamkollegen. Bei der U-20-Weltmeisterschaft in Kanada haben wir uns zum
Beispiel ein Zimmer geteilt. Wir sind beide in der Gegend um Graz aufgewachsen und hätten früher nie gedacht, dass es uns mal 1.200 Kilometer von der Heimat entfernt zusammenführen würde."

Was sind eure Urlaubspläne für den Sommer?

Prödl: "Ich werde auf jeden Fall in Europa bleiben. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Denn es kommt darauf an, wie lange wir bei Werder Urlaub haben. Schließlich sind wir nach der Bundesliga-Saison noch mit der Nationalmannschaft unterwegs."

Junuzovic: "Ich bin bei zwei Hochzeiten in Österreich eingeladen - in Kärnten und in Salzburg - und habe dadurch sowieso keine Zeit für Urlaub (lacht)."

Sozusagen ‚Heimaturlaub‘ gibt es für euch auch wieder während des Trainingslagers, wenn es ins österreichische Zillertal geht...

Junuzovic: "Leider ist das ein ganzes Stück weg von unserer Heimat. Aber gut, Österreich ist Österreich... Und Kaiserschmarrn bekommt man überall (lacht)."

Für das Saisonziel '40 Punkte' würde euch ein Zähler in Leverkusen am Samstag reichen. Wie werdet ihr das Spiel angehen?

Prödl: "Wir haben gegen Hertha nicht unser bestes Spiel gezeigt, waren dafür aber sehr effektiv. Diese Effektivität müssen wir zwar beibehalten, dazu aber auch wieder besser spielen. Für uns steht fest: Wir wollen die Saison mit mindestens 40 Punkten beenden." 


Das Interview führte Martin Lange