"Ausnahmespieltag" im Preußenstadion

Geht es nach den Werder-Profis, haben sie auch im Erstrundenspiel des DFB-Pokals gegen Preußen Münster Grund zum Jubeln. Hier freuen sich Lukas Schmitz, Niclas Füllkrug, Zlatko Junuzovic und Sebastian Prödl (v.l.)
Preußen Münster
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Für Werder Bremens Erstrundengegner im DFB-Pokal, den SC Preußen 06 e.V. Münster, ist es das Spiel des Jahres schlechthin.

Für Werder Bremens Erstrundengegner im DFB-Pokal, den SC Preußen 06 e.V. Münster, ist es das Spiel des Jahres schlechthin. Auf der Vereinshomepage ist von „Ausnahmespieltag" die Rede, wenn am Sonntag, den 19.08.2012 um 16.00 Uhr im ausverkauften Preußenstadion der Anpfiff ertönt. Dann trifft Drittligist Preußen Münster auf Bundesligist Werder Bremen, dann geht es für den Drittligisten um ein nettes Zubrot und für Werder vor allem darum, eine Blamage zu verhindern.

Während die Elf von Thomas Schaaf noch auf das erste Bundesligaspiel der neuen Saison wartet, stehen die Gastgeber aus dem Münsterland schon seit Wochen fest im Ligabetrieb. Und das gar nicht mal so schlecht: Mit drei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage kam die Mannschaft von Trainer Pawel Dotschew ausgesprochen gut aus den Startlöchern und belegt derzeit den vierten Tabellenplatz. Gegen Werder soll die gute Form bestätigt und im Idealfall zur großen DFB-Pokal-Überraschung 2012 ausgebaut werden. In den eigenen Reihen wird zwar tief gestapelt, doch insgeheim hofft man doch auf das Wunder.

Bittere Niederlagen anstatt Pokalsensation

Vor einem Jahr traf Preußen Münster in der 3. Liga auf Werders U23. Jetzt geht es im DFB-Pokal gegen Werders Profis.

Die Chancen für ein solches Fußballwunder stehen dabei nicht schlecht. Speziell bei den jüngsten Pokal-Auftritten näherte man sich der Sensation mehr und mehr an. Seit 2008 konnten sich die Münsteraner mit Ausnahme von 2011 stets für den Pokalwettbewerb qualifizieren und schnupperten ein ums andere Mal am ganz großen Coup gegen einen Bundesligisten. 2009 scheiterte man am VfL Bochum denkbar knapp im Elfmeterschießen, im Jahr darauf siegte Hertha BSC Berlin glücklich in der Verlängerung. Und auch beim bisher letzten Auftritt vor zwei Jahren gegen den VfL Wolfsburg lag eine Sensation in der Luft, doch Preußen unterlag letztendlich mit 1:2 gegen die Wölfe.

Gegen Bremen soll es nun endlich klappen. Dafür hat sich Preußen Münster ordentlich verstärkt zur neuen Spielzeit. Die zwei namhaftesten Neuzugänge haben dabei eine grün-weiße Vergangenheit: Amaury Bischoff (kam von DC Aves/Frankreich) spielte von 2005 bis 2008 für Werder Bremen und auch Dominik Schmidt kennt sich an der Weser bestens aus. Der Verteidiger schnürte von 2006 bis 2011 die Fußballschuhe für Werder, ehe er zu Eintracht Frankfurt wechselte. Nach dieser Zwischenstation ist er nun für Preußen Münster am Ball.

Treffsicherstes Team in der 3. Liga

Neben den ehemaligen Werderspielern müssen sich Clemens Fritz und Co. aber auch vor weiteren Spielern in Acht nehmen. Nicht nur Bischoff und Schmidt haben in der noch jungen Saison bereits zwei Tore erzielt, auch Kapitän Stefan Kühne (2 Treffer) und vor allem Stürmer Matthew Taylor (3) haben dazu beigetragen, dass Trainer Dotschew das derzeit treffsicherste Team in der Liga stellt.

Für Werder Bremen indes beginnt die Saison erst so richtig. Eine Saison, die möglichst mit einem Sieg gegen die Preußen eingeläutet werden soll. Nach dem DFB-Pokalsieg 2009 und der Finalteilnahme 2010 war für die Grün-Weißen in den letzten beiden Jahren früh Schluss im nationalen Pokalwettbewerb. Dem knappen Zweitrundenaus 2011 (1:2 gegen Bayern München) folgte in der vergangenen Saison das unrühmliche Ausscheiden in der ersten Runde gegen den 1. FC Heidenheim (1:2). Jetzt soll es für die Elf von Trainer Thomas Schaaf wieder besser laufen, ein Anknüpfen an die erfolgreichen Pokalzeiten ist das ausgeschriebene Ziel.

Obwohl ein deutlicher Klassenunterschied besteht, weiß Schaaf um die Gefährlichkeit des Gegners: „Preußen Münster ist ein selbstbewusstes Team. Das haben sie in den bisherigen Spielen auch schon gezeigt. Sie geraten auch dann nicht in Panik, wenn sie mal hinten liegen. In dieser Saison konnten sie bereits zweimal einen Rückstand aufholen. Ich erwarte sie so, dass sie ihre Chancen suchen werden." In den letzten 22 Jahren konnte Preußen Münster keinen Sieg im DFB-Pokal einfahren. Aus Werder-Sicht wäre es deshalb gut, wenn diese Serie am sogenannten „Ausnahmespieltag" bestehen bleibt und diesbezüglich keine Ausnahme gemacht wird.

Von Cord Sauer