Mit Bremer Erfolgsgaranten in die Zukunft

Aufbruchstimmung nach vier Siegen aus fünf Spielen: Unter Lorenz-Günther Köstner (l.) läuft es für Diego und Co. beim VfL.
VfL Wolfsburg
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Wenn der VfL Wolfsburg am kommenden Sonnabend, den 24.11.2012, in der heimischen Volkswagen-Arena Werder Bremen empfängt, ist es nicht bloß das schlichte Aufeinandertreffen zweier Bundesligisten.

Wenn der VfL Wolfsburg am kommenden Sonnabend, den 24.11.2012, in der heimischen Volkswagen-Arena Werder Bremen empfängt, ist es nicht bloß das schlichte Aufeinandertreffen zweier Bundesligisten. Nein, vielmehr ist es ein Duell zweier Klubs, die auf der einen Seite unterschiedlicher kaum sein könnten und doch gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen. Neben dem „W auf dem Trikot" und den grün-weißen Vereinsfarben sind es vor allem herausragende Persönlichkeiten, die seit jüngster Vergangenheit Verbindungspunkte zwischen Bremen und Wolfsburg herstellen. Diego und Naldo sind an dieser Stelle zu nennen. Und Klaus Allofs.

Es war ein regelrechtes Beben, das Fußball-Deutschland vor einer Woche erschütterte. Klaus Allofs, Führungs- und Identifikationsfigur, Manager und Macher an der Weser, verließ Werder Bremen nach über 13 Jahren inmitten der laufenden Spielzeit, um sich dem Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg anzuschließen. Ein Bremer bei den Wölfen? Das gab es schon 2010 und auch in diesem Jahr bereits, als zunächst Spielmacher Diego (über Juventus Turin) und im vergangenen Sommer Verteidiger Naldo ihren Weg zum VfL fanden.

Mit Klaus Allofs in "ruhiges Fahrwasser“

Verbissener Kampf im April 2012: Zlatko Junuzovic (l.) gegen Josue. Am Ende siegte Wolfsburg mit 3:1.

Nun haben die Wölfe mit Allofs den nächsten Werderaner verpflichtet und es entsteht allmählich der Eindruck, dass in der Autostadt ein mit Bremer Erfolgsgaranten gespicktes Team wächst. Doch die Klubverantwortlichen, zu denen nun auch Allofs gehört, haben einen anderen Plan: in erster Linie wollen sie eine neue Ära einläuten. Eine Ära fern von turbulenten Tagen, Negativschlagzeilen und Misserfolgen. Der ehemalige VfL-Trainer- und Manager in Personalunion, Felix Magath, machte Wolfsburg zwar zum Meister 2009, sorgte jedoch stets auch für Wirbel und führte den Verein zuletzt zurück in den Tabellenkeller.

Dort, auf dem 16. Platz, begann die neue Zeitrechnung beim VW-Klub. Unter Lorenz-Günther Köstner fand das Team zurück in die Spur und steht nach dem 3:1-Sieg in Hoffenheim am vergangenen Wochenende auf Platz 13. Mit Allofs soll es weiter aufwärts gehen. "Ich traue Klaus Allofs zu, den VfL wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen", ließ sich bezüglich des Transfer-Hammers auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zu einer bewertenden Aussage hinreißen. Wenn Werder Bremen zu Gast ist in Wolfsburg, wird seine Prognose vermutlich noch nicht eintreten. Beim bislang letzten Aufeinandertreffen beider Klubs gewann der VfL zwar daheim mit 3:1 (April 2012), doch die Gesamtbilanz spricht leicht für die Bremer: In insgesamt 30 Spielen holte Werder 13 Siege und sechs Unentschieden, verlor elf Mal.

Ziele des VfL: Siege und Sympathie

Ein Sieg der Wölfe gegen Werder würde diese Statistik nur bedingt aufbessern. Vielmehr könnten drei Punkte helfen, eine bislang verkorkste Saison zu retten. "Das", so Allofs bereits bei seiner Vorstellung in der VW-Stadt, "muss jetzt unser erstes Ziel sein." Langfristig hingegen wolle man sich in der Spitzengruppe etablieren und sich auch international einen Namen machen. Aufsichtsratsvorsitzender Francisco Javier Garcia-Sanz hat neben diesen Vorstellungen noch eine bemerkenswerte weitere: „Wir wollen ein sympathischer Verein werden." Auf Nachfrage eines Journalisten, ob es sympathisch sei, einem Ligakonkurrenten mitten in der Saison den Manager abzuluchsen, antwortete Garcia-Sanz trocken: "In der Wirtschaft passiert so etwas tagtäglich."

Ob die Wölfe mit dem Allofs-Transfer an Sympathiepunkten hinzugewonnen haben, lässt sich nicht sicher evaluieren. Fest steht: die Gunst der Fans lässt sich nicht von heute auf morgen mit Geld erkaufen. Fest steht aber auch: Mit Klaus Allofs, und das weiß man in Bremen mit großer Sicherheit, hat Wolfsburg einen erstklassigen Mann gewonnen. Ein Mann, der nach neun Tagen bei seinem neuen Klub auf seine alte Liebe, seinen alten Verein, trifft.

VfL empfängt SVW - Allofs: "Das ist gemein“

Weiterhin das "W auf dem Trikot", nun aber Wolfsburg anstatt Werder: Klaus Allofs.

„Ist es nicht eine unfassbare Gemeinheit, dass es in ihrem ersten Heimspiel gegen Werder Bremen geht?", wollte ein Reporter vom neuen VfL-Manager wissen. Allofs zögerte kurz, sagte dann: „Ja, das ist gemein. Eine verrückte Konstellation, es ist schwierig. Aber bei aller Liebe zur alten Aufgabe, jetzt zählt der VfL. Ich wünsche Werder alles Gute, aber nicht gegen uns."

Auch für Werder-Trainer Thomas Schaaf ist es "eine besondere Situation", doch auf Platz Eins in der Rangliste der besonderen Spiele sieht er die anstehende Partie nicht. "Wir sind total auf unsere Aufgaben ausgerichtet, die Mannschaft ist konzentriert. In erster Linie trifft da Wolfsburg auf Werder Bremen", so der Bremer Coach, der kein allzu giftiges Spiel erwartet. Im Gegenteil: "Dass man sich freut, wenn man sich wiedersieht, ist doch selbstverständlich."

Von Cord Sauer