Sacken lassen und Stellschrauben drehen

Ratlosigkeit unmittelbar nach Spielende: Die Werder-Profis mussten soeben eine 0:5-Pleite gegen den BVB hinnehmen.
Profis
Samstag, 19.01.2013 // 22:12 Uhr

Cheftrainer Thomas Schaaf warnte die Medienvertreter schon mal vor. „Ich bin heute sicher nicht zu genießen. Das ist kein schöner Abend und es wird auch schwer noch etwas Schönes daran zu ...

Cheftrainer Thomas Schaaf warnte die Medienvertreter schon mal vor. „Ich bin heute sicher nicht zu genießen. Das ist kein schöner Abend und es wird auch schwer noch etwas Schönes daran zu finden", seufzte der Werder-Coach, als sich die Jorunalisten um ihn herum versammelten.

Dann gab er Einblick in das Seelenleben des Teams, das gerade die höchste Niederlage seit 1987 kassiert hatte. „Die Mannschaft sitzt in der Kabine und ist genau so wütend wie ich. Wütend über die Situation, wütend über das Spiel, wütend über die eigene Leistung. Die Spieler dürfen auch wütend sein, aber sie müssen dann auch bereit sein, die richtige Reaktion zu zeigen. Sich müssen sich damit auseinandersetzen, sich stellen. Das wird die Aufgabe in den nächsten Tagen."

Was ihn genau am Spiel seines Teams gestört hatte, wusste Schaaf ziemlich konkret zu beschreiben. „Wir haben etwas ganz Elementares heute vermissen lassen. Wir haben uns zurückgezogen, den Gegner gewähren lassen. Es war keine Entschlossenheit da. Wir sind zwar viel gelaufen, haben uns aber nicht so intensiv um den Ball bemüht. Da war uns der BVB voraus. Ohne diese positive Aggressivität läuft unser Spiel nicht. Wir haben zu oft gedacht, wenn ich meine Position besetze, werde ich den Gegenspieler in Not bringen, aber das reichte nicht. Wir müssen gegen den Ball, gegen den Gegner arbeiten. Genau dort müssen wir ansetzen, da müssen wir nachstellen, dann haben wir auch schon gesehen, welche Leistungen wir zeigen können." Oberstes Gebot ist für Schaaf daher, die richtige Atmosphäre für sinnvolle Arbeit zu schaffen. „So ein Spiel stecket man nicht so leicht weg. Wir werden jetzt nicht durchdrehen. Wir werden sinnvoll weiter machen, unseren Plan weiter entwickeln." 

Den Aussagen der Spieler zu Folge wird Schaaf in der kommenden Woche auf ein Team treffen, das bereit ist, diese intensive Arbeit aufzunehmen. Hier die wichtigsten Aussagen aus der Mixed-Zone nach der Partie:

Zum Spielverlauf

Clemens Fritz: "Heute ist alles in die Hose gegangen. Wir hatten uns nach der guten Vorbereitung viel vorgenommen, aber wir haben überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Das zeigt, dass man sich von einer guten Vorbereitung nichts kaufen kann. Vielleicht haben wir gedacht, dass es so weiter geht, aber das ist nicht der Fall. Auf jeden Fall aber hatten wir zu viel Respekt vor den Dortmundern, haben mutlos gespielt und die Bälle viel zu leicht verloren."

Aaron Hunt: "Wir hatten uns viel vorgenommen für den Start, aber das Spiel heute ging richtig in die Hose. Es hat von der ersten bis zur letzten Minute einfach nichts gepasst, es war ein rabenschwarzer Tag für uns."

Zlatko Junuzovic: "Dass Dortmund eine sehr gute Mannschaft ist, haben wir im Vorfeld immer wieder gesagt. Aber wir hatten heute keine eigenen Torchancen, haben im Mittelfeld teilweise gut die Bälle erobert, aber dann fehlte vorne die Anspielstation. Uns hat der Mut und die Entschlossenheit gefehlt, auch mal Risiko zu gehen. Diese Niederlage ist ein großer Rückschlag für uns. Heut hat man sehr wenig davon gesehen, wie intensiv wir in den vergangenen Tagen gearbeitet haben."

Thomas Schaaf: "Eigentlich haben wir zu Spielbeginn noch ganz ordentlich in die Partie gefunden. Streckenweise war das in der ersten Halbzeit noch okay. Wir haben da ganz passabel durchgespielt. Aber dann bekommst du den ersten Treffer nach einem Freistoß, dann waren wir beim zweiten Treffer nicht nah genug am Schützen, sonst hätte der Ball geblockt werden können, und nach dem dritten Treffer hat es dann Klick gemacht und wir haben uns nicht mehr gewehrt, haben alles über uns ergehen lassen."

Jürgen Klopp: "Ich habe eine offene Startphase gesehen, in der uns die Bremer richtig unter Druck gesetzt haben. Daraus konnten wir uns dann aber mit zunehmender Spieldauer immer mehr entziehen. Das erste Tor hat uns sicher dabei geholfen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann unser Spiel klarer gestalten können. Die Bremer waren in der Zwickmühle, mussten mehr riskieren, konnten aber bis zum Schluss auch nicht so richtig aufmachen und wir haben die Situation fast perfekt ausgenutzt."

0:5 - die höchste Heimniederlage seit 1987

Clemens Fritz: "Ein 0:5 im eigenen Stadion ist schwierig zu erklären, ich kann mich nicht erinnern, dass ich das schon mal erlebt habe. Das ist sicher eines der frustrierendsten Erlebnisse für mich im Werder-Trikot. Diese Klatsche ist bitter."

Zlatko Junuzovic: "Die Enttäuschung ist riesig. Ich habe noch nie zuvor 0:5 im heimischen Stadion verloren, diese Deutlichkeit ist einfach frustrierend. Das müssen wir jetzt mal sacken lassen. Klar, die Dortmunder sind eine Riesentruppe, aber fünf Tore darfst du nicht bekommen, so darfst du nicht auftreten. Wir haben jetzt eine Woche Zeit, uns wieder zu finden, die vielen negativen Aspekte in positive umzuwandeln und müssen am Sonntag in Hamburg ganz anders auftreten und die Punkte holen - alles andere ist unwichtig."

Aaron Hunt: "Natürlich sind wir jetzt verunsichert, aber so eine Niederlage kann man eher verkraften, als ein knappes 1:2. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so hoch verloren habe im Weser-Stadion. Wir sind alle sehr geknickt."

Der Blick nach vorne - beim HSV geht's weiter

Clemens Fritz: "Ich hoffe, wir haben nicht lange daran zu knabbern. Wir müssen dieses Spiel schnell aus den Köpfen bekommen und uns auf nächste Woche konzentrieren."

Aaron Hunt: "Dieses Spiel wird die Mannschaft einige Tage beschäftigen, aber ab Mitte der Woche müssen wir die Köpfe frei haben für das Spiel in Hamburg, das wird auch wieder eine ganz schwierige Partie."


Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Volkmann

 

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