Kruse: "Das 8:1 gegen Bielefeld bleibt immer in Erinnerung"

WERDER.DE sprach mit dem ehemaligen Bremer, der sich seit dieser Saison in Diensten des SCF befindet.
Profis
Dienstag, 25.09.2012 // 18:13 Uhr

Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass Max Kruse in seinem ersten Bundesligaspiel für Werder Bremen auflief. In der 62. Minute eingewechselt, lieferte der „Reinbeker Jung" 240 Sekunden später prompt den Assist zum zwischenzeitlichen 6:1 durch Markus Rosenberg. Am Ende wurde es ein historisches Spiel: Werder fegte Arminia Bielefeld mit 8:1 aus dem Weser-Stadion. Für Max Kruse bleibt dieses Match „für immer in Erinnerung". Doch es blieb auch sein bis dato einziger Einsatz für Werder im Fußballoberhaus. Über den FC St. Pauli fand der 24-Jährige den Weg zurück in die erste Bundesliga und wechselte zu Saisonbeginn zum SC Freiburg. Dabei mausert sich Kruse immer mehr zu einem torgefährlichen Spieler. An sechs der acht Breisgauer-Pflichtspieltreffer war der Mittelfeldmann direkt beteiligt. Im Interview mit WERDER.DE spricht der 24-Jährige über seine sportliche Entwicklung, die alten Zeiten an der Weser und schließt auch eine Rückkehr zum SV Werder nicht völlig aus.

Du warst bereits in der letzten Saison einer der torgefährlichsten Spieler der 2. Liga. Jetzt schickst du dich schon wieder an, ein ganz wichtiger Akteur bei deinem neuen Verein zu werden. Wie kommt das?

Max Kruse: „Ich habe eigentlich nicht viel an meiner Spielweise verändert. Ich versuche tagtäglich an mir zu arbeiten und dabei immer alles zu geben. Es gibt jederzeit Dinge zu lernen, zu verbessern. Ich denke, ich bin dafür auch zum richtigen Zeitpunkt in Freiburg. Natürlich freue ich mich darüber, dass es momentan so gut bei mir läuft."

Wie groß ist denn der Unterschied zwischen deinem Ex-Verein St. Pauli und deinem jetzigen Klub?

Max Kruse: „Der Unterschied liegt darin, dass ich mit St. Pauli in der zweiten Liga immer in der Favoritenrolle war. Entsprechend sind wir auch das Spiel angegangen und hatten viel Ballbesitz. Mit Freiburg spielen wir gegen Gegner wie Bayern oder Dortmund nicht mit 60 Prozent Ballbesitz. Daher ist es umso wichtiger, dass wir gut gegen den Ball stehen. Das wird auch morgen gegen Bremen ein wichtiger Faktor sein. Werder hat dieses Jahr wieder eine sehr, sehr starke Mannschaft zusammen. Da müssen wir primär in der Defensive gut stehen um selbst gefährliche Aktionen nach vorne entwickeln zu können."

Dein allererstes Bundesligaspiel hast du im Trikot des SV Werder bestritten. Kannst du dich noch an das Spiel erinnern?

Max Kruse: „Dieses Spiel vergesse ich nicht so schnell. Es war ein historischer Erfolg. Wir haben im Weser-Stadion Arminia Bielefeld mit 8:1 geschlagen. Für mich ist da ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich konnte 28 Minuten lang Bundesligaluft schnuppern. Ich habe dann zusätzlich noch das 6:1 durch Rosenberg vorbereitet. Das war schön und bleibt immer in Erinnerung."

Warum hat es danach nicht zu mehr BL-Einsätzen im grün-weißen Dress gereicht?

Max Kruse: „Ich denke, da kommen mehrere Faktoren zusammen. Zu diesem Zeitpunkt waren viele Spieler verletzt, wodurch ich erst in die erste Mannschaft gespült wurde und häufiger im Kader stand. In der Rückrunde wurde ich dann nicht mehr so häufig berücksichtigt. Dann kam auch noch eine Verletzung hinzu, sodass ich nicht mehr so im Fokus stand. Ich spürte nicht mehr so recht das Vertrauen und habe mich dann zu einem Wechsel entschieden."

Von Bremen ging es zurück in deine Heimat nach Hamburg. Genauer: Zum FC St. Pauli. War dies der klassische Fall von ‚einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne machen zu können'?

Max Kruse: „In diesem Sprichwort steckt schon viel Wahrheit. Ich habe meine Wechsel aber nicht als Schritt zurück gesehen, weil ich erst ein Bundesligaspiel hinter mir hatte, also noch kein gestandener Bundesligaspieler war. Ich habe überwiegend in der U 23 gespielt. Natürlich habe ich mir immer gewünscht, bei Werder Bundesligaspieler zu werden. Ich habe mich dann aber für einen anderen Weg entschieden. Dieser war auch genau richtig, weil ich mit St. Pauli direkt in die erste Liga aufgestiegen bin. Das war der richtige Schritt."

Wie sehr verfolgst du noch den Werdegang deines Ex-Vereins an der Weser?

Max Kruse: „Werder Bremen war meine erste Profi-Station. Ich habe diesem Verein viel zu verdanken. Da ist es völlig klar, dass ich noch die Spiele verfolge und freue mich auch, wenn Werder gewinnt. Das muss morgen allerdings nicht der Fall sein." (lacht)

Was hat dich in deiner Zeit in Bremen am meisten geprägt?

Max Kruse: „Die DFB-Pokalsaison mit der U 23. Wir sind in der dritten Runde am VfB Stuttgart gescheitert. Das war ein Highlight. Aber über allem steht mein erstes Bundesligaspiel."

Welche Verbindung hast du denn heute noch nach Bremen, zu welchem Spieler hast du eventuell noch Kontakt?

Max Kruse: „Aus der Jugendnationalmannschaft kenne ich zum Beispiel noch Philipp Bargfrede. Wir telefonieren ab und zu mal miteinander. Zu Aaron Hunt habe ich ebenfalls noch regelmäßig Kontakt. Ich freue mich, dass Werder seine Philosophie wieder etwas geändert hat und vielen jungen Spielern die Chance gibt. Für Sebastian Mielitz freut es mich, dass er den Sprung zur Nummer eins geschafft hat. Das zeigt, dass Werder wieder vermehrt auf die Jugend setzt."

Ärgert es dich gerade deswegen ein bisschen, dass du jetzt nicht an der Weser spielst?

Max Kruse: „Werder ist noch mal etwas Anderes als Freiburg, die Ansprüche sind größer. Die Möglichkeit, jetzt bei Werder zu spielen, wäre wahrscheinlich besser als damals. Ich trauere dieser Chance aber nicht nach. Ich habe mich über andere Vereine im deutschen Profifußball etabliert. Ich habe sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga meine Spiele gemacht. Ich bin zurzeit einfach froh, dass ich in Freiburg die Möglichkeit habe, in der Bundesliga spielen zu können."

Spekulierst du eventuell auf eine Rückkehr nach Bremen?

Max Kruse: „Im Fußball sollte man niemals nie sagen. Momentan bin ich aber einfach nur froh, dass ich bei Freiburg spielen darf. Für mich ist das zurzeit das Beste. Ich kann mich hier super entwickeln. Das Medienaufkommen ist hier nicht so groß, sodass sich der Verein und die Spieler weiter in Ruhe entwickeln können. Was irgendwann einmal der Fall sein wird, das wird man sehen."

Welches Spiel dürfen die Fans am Mittwoch erwarten?

Max Kruse: „Ich glaube, das wird morgen ein hochinteressantes Spiel. Werder ist sehr, sehr offensiv aufgestellt. Aber auch wir haben schon gezeigt, dass wir zuhause stark sind und auch mal fünf Tore gegen Hoffenheim erzielen können. Ich hoffe auf einen positiven Ausgang für uns."

Das Interview führte Timo Volkmann