108 km/h: (K)Naldo weckt Erinnerungen an Uralt-DVD

Stuttgarts Keeper Sven Ulreich kann nach Naldos Freistoßknaller nur noch verdutzt gucken.
Profis
Sonntag, 27.11.2011 // 19:58 Uhr

Als Naldo eine knappe Stunde nach dem Abpfiff seinen Interview-Marathon in der Mixed-Zone beendet hatte und zum Auslaufen aus den Katakomben kam, waren immer noch einige Fans im Stadion, die den Brasilianer mit Sprechchören feierten. Sie bejubelten ihn wegen seiner starken Leistung in der Innenverteidigung, aber vor allem feierten die Anhänger den 29-Jährigen wegen seines Traumtores zum 2:0, als er den Ball mit 108 km/h in die Maschen jagte.

„Naldo hat heute stark gespielt", erntete er nicht nur Lob von den Rängen, sondern auch von Cheftrainer Thomas Schaaf. „Umso schöner, dass er heute auch seine Schussqualität wieder gezeigt hat. Da hat er ein ordentliches Pfund erwischt", freute sich der Bremer Coach, der in der letzten Woche auf den Abwehrcrack (Bronchitis) verzichten musste. „Das war sehr ärgerlich", gibt Schaaf zu. Überrascht von der guten Leistung war der 50-Jährige aber nicht. „Wir wissen, dass er einer ist, der schnell wieder zu seiner Leistung findet."

Dass dies keineswegs der Normalfall ist, machte Klaus Allofs deutlich: „Man sagt eigentlich, dass man genauso lange braucht, wieder seine Bestform zu finden, wie man verletzt war. Bei Naldo ging das aber sehr schnell", freute sich der Geschäftsführer und lieferte die Begründung für das „Phänomen" Naldo: „Ich bin überzeugt, dass es eine große Rolle gespielt hat, dass wir ihn nicht gleich rein geschmissen haben, als er wieder gesund war. Der Trainer hat ihn immer wieder gebremst und die Testspiele genutzt, um ihn aufzubauen."

Geduldig aufgebaut hat Naldo auch seine Schussstärke wieder. „Er musste nach der langen Verletzung erst wieder sein Visier einstellen", verriet Clemens Fritz. „Es war deshalb umso schöner, dass er heute seine Zielgenauigkeit wiedergefunden hat", scherzte der Kapitän, der entscheidenden Anteil am Einsatz Naldos hatte, wie der Brasilianer verriet. „Ich habe am vergangenen Donnerstag und Freitag mit dem Trainer gesprochen und ihm gesagt, dass ich noch nicht wieder im Vollbesitz meiner Kräfte bin. Aber Clemens hat dann gesagt, dass sich das bis Sonntag noch ändern wird", so Werders Brasilianer. Der Werder-Kapitän behielt recht, wenngleich Naldo „noch leicht geschwächt in die Partie gegangen ist." Der von den anwesenden Journalisten zum TARGOBANK Man of the Match gewählte Innenverteidiger strahlte über das ganze Gesicht: „Das Tor war ein ganz, ganz tolles Gefühl und ein besonderer Moment. Ich freue mich, dass wir gewonnen haben und ich der Mannschaft dabei helfen konnte." Für einen großen Beitrag zum 2:0-Erfolg hat Naldo mit seinem Knaller-Freistoß gesorgt. „Naldo war eine halbe Ewigkeit verletzt. Dass er heute getroffen hat, freut mich ganz besonders für ihn. Das Tor wird ihm weitere Kraft geben", sagte Aaron Hunt.

Andreas Wolf, der mit Naldo die Innenverteidigung bildete, lobte seinen Kollegen ebenfalls: „Sein Tor war für alle hier im Stadion ein besonderer Moment, das hat man auch an der Reaktion der Fans gemerkt - jeder freut sich für Naldo." Für Klaus Allofs weckte der Treffer Erinnerungen. „Der Freistoß hat mich an Aufnahmen erinnert, die wir uns angeschaut haben, als wir uns damals für Naldo interessiert haben. Da gab es eine ganze DVD mit derartigen Treffern", schmunzelte der Geschäftsführer, der sich ebenso wie anderen Grün-Weißen wieder häufiger solche Tore des Brasilianers wünscht. „Solche Leistungen und solche Tore wollen wir jetzt wieder öfter von ihm sehen", so Thomas Schaaf. Dagegen würde sich Naldo nicht sträuben, und die Fans gewiss auch nicht.

aus dem Weser-Stadion berichten Dominik Kupilas, Michael Rudolph und Timo Volkmann