Schaaf überraschte mit Sechser Naldo

Jubel mit den Kollegen: Naldo freut sich über seinen Ausgleichstreffer.
Profis
Dienstag, 10.04.2012 // 23:51 Uhr

Getroffen wurde die Entscheidung erst kurz vor dem Spiel. Naldo verriet: "Es hat sich erst heute Nachmittag entschieden, dass ich von Beginn an spiele. Der Trainer hat mich gefragt, ob ich das kann und ich habe Ja gesagt. Die Sechser-Position war etwas anstrengender. Ich musste mehr laufen, aber die Mannschaft hat mich toll unterstützt. Marko Marin und Clemens Fritz sind immer wieder mit eingesprungen."

Wer vor dem Spiel die Startelf gesagt bekam, rätselte in welcher Formation die Grün-Weißen auftreten würden. Mit Naldo, Affolter und Sokratis standen drei Innenverteidiger auf dem Platz. Alle Experten kritzelten gedanklich an der innere Taktiktafel. Selten wurde der Auflösung bei Anpfiff so neugierig entgegengefiebert. Dann die Überraschung: Naldo spielte auf der Sechs. Thomas Schaaf hatte alle überrascht. "Das hätte ich nicht gedacht, als ich die Aufstellung sah, Naldo ist ja eigentlich eine Bank in der Innenverteidigung", war sogar Torschütze Markus Rosenberg überrascht.

Wie Thomas Schaaf auf diesen Schachzug gekommen war, wollte er nicht im Detail verraten. "Sehen sie es so, ich hatte plötzlich drei Innenverteidiger, das ist einer zuviel, also musste ich ihn irgendwo unterbringen. Ich wollte einfach mal alle überraschen", so der Trainer, der am Ende zufrieden mit der Bilanz im defensiven Mittelfeld war. "Es war mir doch völlig klar, dass gerade auf dieser Position die Abstimmung da sein muss und dass da auch nicht alles funktionieren kann, doch die Jungs haben das gut angenommen. Wir wollten das Passspiel der Gladbacher unterbinden und kompakt stehen. Das ist weitestgehend gelungen."

Für Geschäftsführer Klaus Allofs war der Schachzug mit Naldo nicht nur wegen der Torgefährlichkeit keine Überraschung. "Wir haben keinen Kader, bei dem du aus dem Vollen schöpfen kannst, deswegen liegt der Gedanke nahe, dass du einen fitten Naldo auch in die Startelf einbauen musst. Da musst du dann überlegen, dass du einem jungen Spieler wie Affolter nicht noch einmal eine neue Rolle übertragen kannst. Sokratis war in der Innenverteidigung in den letzten Wochen so stark, dass da auch kein Wechsel sinnvoll war. Also bot sich diese Lösung an. Es ist klar, dass das nicht seine perfekte Rolle ist, aber wir müssen in unserer Situation improvisieren."

Stürmer Markus Rosenberg fand diese Improvisation gar nicht so schlecht: "Das hat sich schon gelohnt. Naldo hat das clever gemacht. Gladbach wollte immer druch die Mitte spielen und wir wollten dort alles dicht machen. Er hat viele Zweikämpfe gewonnen und hatte die nötige Ruhe am Ball. Und mit seiner Torgefährlichkeit ist er natürlich ein echter Gewinn", schwärmte der Schwede, der zum 2:2-Ausgleichstreffer sagte: "Als wir alle schon nicht mehr konnten und müde waren, haben wir genau diesen Naldo und diesen Kopfball gebraucht. Da ist er einfach super!"

Auch Kapitän Clemens Fritz weiß um die Bedeutung des Verteidigers in der Offensivarbeit: "Dafür haben wir Naldo, wir wissen um seine Gefährlichkeit bei Standards. In der Luft ist er ganz schwer zu verteidigen. Wir sind froh ihn in unseren Reihen zu haben und dass er heute das wichtige Kopfballtor gemacht hat."

Mit dem Treffer wollte der Brasilianer sich für das Vertrauen des Trainers bedanken. Naldo sagte nach der Partie im Volkswagen-Talk: „Ich danke dem Trainer für sein Vertrauen. Ich war lange verletzt und heute konnte ich gleich über 90 Minuten spielen. Meinem Knie geht es gut. Ich habe keine Schmerzen mehr. Mit dem Tor konnte ich schon etwas zurückzahlen."

Ob es am Freitag gegen Stuttgart zu einer Neuauflage dieser taktischen Variante kommt, steht jedoch noch nicht fest. "Wir müssen schauen, wie diese Belastung verkraftet. Alles andere entscheiden wir danach", so Thomas Schaaf.

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Ronja Bomhoff