Missgeschick hier, „Ping-Pong-Tor" dort

Die beiden Kapitäne blicken in unterschiedliche Richtungen. Werders "Merte" verlässt das Rheinland mit null Punkten.
Profis
Sonntag, 14.08.2011 // 22:13 Uhr

Dass die Partie auf Messers Schneide stand, wird Stürmer Lennart Thy wohl noch unruhiger schlafen lassen. Die Szene in der 35. Minute wird ihn sicher noch einige Male in den kommenden Tagen verfolgen. „Da gibt es keine Ausreden. Das Ding hätte ich reinmachen müssen. Das wäre die Führung gewesen und die hätte uns in dieser Partie sehr gut getan", so der 19-Jährige, der zugab, dass ihn die Szene beschäftigt.

„Im Spiel ging es noch, da war ich weiter sehr konzentriert, aber schon kurz nach der Auswechslung kommen natürlich die Gedanken. Jetzt gilt es das schnell zu verarbeiten. Ich werde mir die Szene sicher heute Nacht noch mal anschauen und dann war es das", so das Offensivtalent, der von den Teamkollegen Unterstützung bekam. „Lenny weiß das richtig einzuschätzen. Er ist gefestigt genug, dass er sich davon nicht runterziehen lässt. Solche Dinger sind auch Weltklassefußballern schon unterlaufen", sagte Routinier Clemens Fritz. Auch der ehemalige Angreifer Klaus Allofs stimmte zu: „Jeder Stürmer hat genau so eine Szene schon erlebt. Das ist eine Erfahrung, die er machen muss. Er war damit aber nicht der Schuldige an der Niederlage."

Vielmehr hatte Werders Geschäftsführer den hastigen Spielaufbau, das fehlerhafte Passspiel ausgemacht, das Werders Durchschlagskraft entscheidend beeinträchtigte. „Unser Fazit muss lauten, dass wir uns da verbessern müssen. Wir haben in Ballbesitz nicht klar genug nach vorn gespielt. Wir haben nicht abwartend agiert, sondern unsere Bälle viel zu schnell verloren, unsere Angriffe nicht gut vorgetragen. Das kann jeder Einzelne auf dem Platz besser." Cheftrainer Thomas Schaaf sah es genau so: „Wir hätten uns die Partie sehr viel leichter machen können, wenn wir am Ball ruhiger und klarer agiert hätten. Daran haben wir unter der Woche eigentlich gearbeitet. Wir haben irgendwie nicht so richtig daran geglaubt, dass hier mehr möglich gewesen wäre", so Schaaf, der nach der Partie seine Gefühlswelt so umschrieb. „Wir müssen uns ärgern, ärgern, ärgern."

Nachvollziehen konnte man das als Fan und Beobachter sehr gut, denn gegen die Champions-League-Teilnehmer aus Leverkusen wäre mindestens ein Punkt verdient gewesen. „Ein Unentschieden hätten wir hier mitnehmen müssen", unterstrich Schaaf. Auch Vize-Kapitän Clemens Fritz ärgerte sich. „Wir wollen schon da ins obere Tabellendrittel rein und da tut dieser Punktverlust weh. Vor allem weil wir es gar nicht so schlecht gemacht haben, dafür, dass wir auch noch nicht bei 100 Prozent angekommen sind. Das Spiel war absolut offen, es ging hoch und runter. Wir haben hinten ganz gut gestanden. Am Ende hatte Leverkusen das Quäntchen Glück, das uns heute gefehlt hat." Torhüter Tim Wiese, der eine bärenstarke Leistung gezeigt hatte, gab zu bedenken: „Wenn du vorn die Chancen nicht nutzt, dann geht hinten auch mal so ein Ping-Pong-Tor rein. Das ist ja auch keine Pille-Palle-Mannschaft hier, sondern Bayer spielt Champions League."

Gute Ansätze trotz verlorener Punkte sah auch Mannschaftsführer Per Mertesacker: „Im Gegensatz zu letzter Saison haben wir deutliche Fortschritte gemacht. Wir haben unsere Möglichkeiten herausgearbeitet, aber müssen uns vielleicht vorwerfen lassen, die letzte Konsequenz nicht gezeigt zu haben. Aber wir dürfen in dieser Phase nicht immer gleich auf die Tabelle schielen, sondern müssen einfach daran arbeiten, dass wir uns immer weiter verbessern und uns auf hohem Niveau konstant zeigen." Innenverteidiger Sebastian Prödl, der ein gutes Comeback zeigte, ging ins Detail: „Wir wollten kompakt stehen, um den Leverkusenern nicht den Platz für ihre schnellen Räume zu bieten, das haben wir ganz ordentlich hinbekommen, aber andererseits ist es uns nicht gelungen selbst den Raum zu nutzen, der sich uns geboten hat. Am Ende haben wir dann 1:0 verloren und wissen gar nicht richtig wieso. Das war eine Glückstor für Bayer."

Die beste Phase aus Sicht von Gastgeber-Trainer Robin Dutt hatten die Grün-Weißen nach einer Stunde. „Nach der Einwechslung von Claudio Pizarro brauchten wir auch Glück, die Druckphase gut zu überstehen. Zum Glück haben unsere Wechsel dann auch gestochen." Beeindruckt war Dutt auch vom Bremer Keeper. „ Außerdem muss man Tim Wiese heute ein sehr großes Kompliment machen", so der Bayer-Coach.

Aus Leverkusen berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas