In Überzahl nichts dazu gelernt

Elf gegen zehn - und trotzdem jubeln nur die Borussen. Werder kann in dieser Spielzeit die Überzahl nicht richtig nutzen.
Profis
Samstag, 15.10.2011 // 00:28 Uhr

Immer und immer wieder machte Cheftrainer Thomas Schaaf die gleichen Bewegungen. Er gestikulierte in der zweiten Hälfte, schimpfte und drehte sich immer wieder hilflos zur Bank um, doch seine Spieler wollten ihn einfach nicht erhören oder konnten die Anweisungen einfach nicht umsetzen.

"Ich bin wirklich sehr enttäuscht. Wir haben eine Partie geliefert, die gezeigt hat, dass wir nichts dazugelernt haben. Wir haben schon gegen Hertha schlecht in Überzahl agiert und sind heute wieder ins gleiche Muster verfallen", machte Schaaf nach der Partie seinem Unmut Luft.

Seine Spieler wussten genau, was der Bremer Coach meinte. Kapitän Clemens Fritz räumte ein: "Mit einem Mann mehr haben wir alles zu kompliziert gemacht, haben die Räume nicht genutzt, es immer wieder durch die Mitte versucht, anstatt über Außen. Es ist bitter vor heimischem Publikum zu verlieren, vor allem, wenn man fast 45 Minuten lang in Überzahl spielt. Im letzten Heimspiel gegen Hertha haben wir das schon schlecht gemacht, heute haben wir die gleichen Fehler gemacht."

Teamkollege Naldo wusste auch, dass Thomas Schaaf besonders verärgert sein musste: "In Überzahl waren wir einfach nicht clever. Das ist besonders ärgerlich, weil wir das gut trainiert haben. Der Trainer hat uns diese Situation immer wieder verdeutlicht, aber wir haben es einfach schlecht umgesetzt."

Klartext sprach auch Aaron Hunt: "Wir haben das schon gegen Hertha schlecht gemacht und diesmal auch. Eigentlich hast du in Überzahl auf den Außen immer einen Mann mehr, aber wir nutzen das einfach nicht. Darüber wird zu reden sein." Genau wie über die Chancenverwertung beim Spiel auf ein Tor: "Wir wollten den Ball zu oft ins Tor tragen. Bis zum Sechzehner war alles okay, aber dann fehlte der überraschende Moment. Wir waren heute nicht schlechter, aber auch nicht so schlau wie Dortmund."

Da stimmte Werders Vorsitzender der Geschäftsführung zu. "Für ein Auswärtsspiel hat Dortmund das sehr gut gemacht. Sie haben auf unsere Ballverluste gelauert und sind dann mit aller Konsequenz nach vorn gegangen, da konnten wir uns etwas abschauen." In Überzahl will Klaus Allofs die Grün-Weißen nicht so schnell mehr sehen: "Man kann nicht behaupten, dass es für uns ein Vorteil ist, in Überzahl zu spielen. Wir sind dafür nicht diszipliniert genug, zu statisch. Wir schaffen es dann nicht, hinter die gegnerische Abwehr zu kommen."

So lautete dann auch das Fazit des Trainers zum Überzahl-Spiel: "Wir agierten zwar nach vorn, aber wir hatten einfach nichts Zwingendes zu bieten, Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ein paar 100-prozentige Chancen in Folge herausspielen konnten. Es war alles zu langsam, alles zu schläfrig. Wir haben nicht besser gespielt als gegen Hertha. In den Trainingswochen haben wir das thematisiert, aber wir waren durch die Länderspiele auseinandergerissen. Vielleicht ist da nicht alles hängen geblieben."

Des einen Trainer Leid ist des anderen Trainer Freud. Jürgen Klopp freute sich natürlich, die Grün-Weißen Defizite in Überzahl so ausgenutzt zu haben. "Das war ein ganz besonderer Sieg für uns. Mit elf Mann Werder zu schlagen ist schon schwer genug, aber in Unterzahl hier drei Punkte mit nach Hause zu nehmen, ist fast unmöglich. Aber wir haben das geschafft."

Kurios: Mann des Abends aus Dortmunder Sicht war ausgerechnet, der Mann, der für die Bremer Überzahl sorgte: Ivan Perisic. "Er hatte ganz entscheidenden Anteil an unserem Sieg. Sein Super-Tor, das unmöglich zu halten war und der Platzverweis haben heute den Weg für diesen Sieg geebnet." Besser konnte man das nicht zusammenfassen.

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Volkmann