Lenken und diktieren, um das Überraschungsteam zu schlagen

Eines seiner zehn Saisontore erzielte Didier Ya Konan bei Hannovers 4:1-Hinspielsieg über Werder.
Freitag, 11.02.2011 // 16:30 Uhr

„Es sah schlimm aus", gab Trainer Mirko Slomka zu. In dieser Tonlage klang Besorgnis. Sein wichtigster Akteur in offensiven Belangen erzielte am Dienstagabend erst das einzige Tor des Abends für die Elfenbeinküste gegen Mali, um wenig später...

„Es sah schlimm aus", gab Trainer Mirko Slomka zu. In dieser Tonlage klang Besorgnis. Sein wichtigster Akteur in offensiven Belangen erzielte am Dienstagabend erst das einzige Tor des Abends für die Elfenbeinküste gegen Mali, um wenig später schroff aus der Partie getreten zu werden. Freitagmittag jedoch übermittelte der Klub Entwarnung. Didier Ya Konan wird am Sonntag, 13.02.2011, wenn Werder Bremen um 17.30 Uhr im Weserstadion Hannover 96 empfängt, für die Niedersachsen auflaufen können.

Kurzer Schreck um das Knie - aber Hannovers „unersetzlicher“ Ya Konan ist fit

Die beiden Trainer: Thomas Schaaf und Mirko Slomka

Die Bänder des erst im vergangenen Dezember operierten rechten Knies waren unversehrt geblieben, dafür musste in Eilzeit ein Bluterguss am Schienbeinkopf rund um die Uhr therapiert werden. Der „Fitmach-Marathon" (Bild-Zeitung) verlief erfolgreich, die Roten durften aufatmen. Zehn Tore, vier Assists - für fast 50 Prozent aller Hannoveraner Treffer zeichnet sich Didier Ya Konan in der aktuellen Spielzeit direkt mitverantwortlich. „Unersetzlich" für die Mannschaft nannte ihn Mirko Slomka jüngst im Dezember. Eine wohl etwas mehr als bloß mentale Fußnote belegt, dass der im Sommer 2009 aus Trondheim geholte Angreifer seitdem elf Punktspiele verpasste - 96 gewann davon keines. Es ist demnach wenig verwunderlich, wie sehr der 26-Jährige auch beim Gastspiel in Bremen vermisst worden wäre. Gerade, da Offensivpartner Mohamed Abdellaoue (5 Tore) aufgrund eines Virusinfektes ausfällt.

Trotz wackliger Sommervorbereitung, trotz jähem Pokalausscheiden in Elversberg, in der Gegenwart verschaffen 37 Punkte aus gerade 21 Spielen einen aktuellen vierten Tabellenplatz und vor allem auch gehörige Wertschätzung bei den Kontrahenten. Wer hätte so etwas erwarten können? Am wenigsten die direkt Beteiligten aus der niedersächsischen Landeshauptstadt selbst. Nicht nur Werders Cheftrainer Thomas Schaaf weiß diese unvorhergesehene Leistungsexplosion und Punkteanhäufung nach vielen Monaten psychologischer Grenzsituationen und sportlicher Existenzängste dementsprechend zu würdigen: „Das, was Hannover 96 in der Vergangenheit erlebt hat, war sehr einschneidend. Aber die Mannschaft hat sich befreit, einige Dinge sind abgefallen und man kann sich heute an Vielem erfreuen. Das stellt sich alles als sehr einheitlich dar. Sie scheinen sehr stark zusammengewachsen zu sein, sie ergänzen sich sehr gut und der Erfolg trägt natürlich seinen Teil dazu bei."

Werder verlor nur eines von 22 Heimspielen gegen Hannover

Clemens Fritz und Co. wollen Hannoveraner Jubel diesmal bestmöglich verhindern.

Primär gestatteten sie es sich einfach nicht, in ein wirkliches Leistungstal zu entgleiten, sondern vertrieben bislang selbst in den herausforderndsten Momenten jeglichen Hauch von länger währendem Durchhänger. Den zwei derben 0:4-Niederlagen gegen Hoffenheim und Dortmund im Spätherbst 2010 folgte mit fünf Siegen in Serie direkt die beste Marke der Vereinsgeschichte. Und zuletzt gelangen trotz ansprechender Auftritte weder Tore noch Punkte gegen Schalke und Leverkusen - dafür rang 96 dann im Niedersachsen-Derby eben den VfL Wolfsburg nieder. Wer so etwas konstant leistet, „der spielt einfach eine klasse Saison und steht zurecht da oben", bewertet Thomas Schaaf und weiß: „Es ist schwierig, sie zu schlagen."

Wobei der Faktor Heimvorteil in der Historie dieses Duells keine unerheblichen Beobachtungen aufweist. Wenigstens auf der Ebene zusätzlicher Motivation. Von 22 Aufeinandertreffen mit den Roten verloren die Grün-Weißen auf dem heimischen Rasen erst eines. Für den Ausbau dieser Serie muss in diesem Jahr allerdings eines der Überraschungsteams schlechthin in die Knie gezwungen werden. Eigene Stärken und Dominanz entwickeln, das erhofft sich Geschäftsführer Klaus Allofs. Darüber hinaus das Spiel „zu lenken und zu diktieren" versuchen - so lauten Thomas Schaafs grundlegende Ansätze. Dies wird gelingen, indem „wir die Dinge sehr ernst verfolgen, die uns besser machen", indem „wir in den einzelnen Spielsituationen drin sind" und dazu „den Erfolg paaren."

von Maximilian Hendel