TL-Tagebuch 3: Schlechtes Wetter - schöner Tag!

Plötzlich zogen dichte Gewitterwolken auf und das Training musste abgebrochen werden. (Bild: NPH)
Profis
Donnerstag, 06.01.2011 // 20:43 Uhr

Donnerstag, 6. Januar 2010, 18.15 Uhr (Ortszeit), Belek

Egal, was heute noch passieren würde, gegen 11 Uhr 20 wusste ich, es ist ein guter Tag. Da hatte ich unseren Doc am Telefon. Aus dem Krankenhaus in Antalya berichtete er, dass es Benni Kugel, unserem Fitnesstrainer, wieder besser gehe. Sein Schicksal, das an anderer Stelle auf werder.de beschrieben wurde, hatte uns alle sehr mitgenommen. Nichts Schöneres konnte es heute geben, als zu hören, dass er außer Gefahr ist.

Die kam auf ganz andere Weise am späten Nachmittag über unsere Spieler und Betreuer. Der Himmel grollte, Blitze zuckten, Wasser marsch! Auf dem Trainingsplatz standen um kurz vor 18 Uhr nur noch die „Plastikkameraden". Unsere Spieler suchten Schutz am Materialhäuschen und traten dann den geordneten Rückzug ins Hotel an. Abbruch der Übungen nach 40 Minuten wegen eines gewaltigen Gewitters. Nicht jeder Spieler wird das bedauert haben. Einer hatte mir noch ein paar Stunden vorher verraten, dass er sich nach der bisher geleisteten, intensiven Arbeit momentan wie 75 fühle. Ein anderer, Daniel Jensen, war gar nicht dabei. Umgeknickt bei der Vormittagseinheit. Morgen, so hofft er, wird es wieder gehen.

Auch bei unseren Fans lief es heute im wahrsten Sinne nicht rund. Sie wollten gegen den Ball treten, ein Fußballspiel gegen die Anhänger des 1. FC Nürnberg war über mehrere Tage geplant worden. Unsere Zeugwarte hatten bereits einen Satz mit Profitrikots zusammengestellt und dabei bedauernd festgestellt, dass wir gar nicht so viele XL - Shirts haben, wie bei den Fans benötigt werden. Aber zur Anprobe kam es dann doch nicht, denn urplötzlich weigerte sich das Management des Arcadia-Hotels trotz ursprünglicher Vereinbarung ihre Platzanlage für den Fankick frei zu geben. Begründung: Das sei nur ihren Hotelgästen vorbehalten. Jetzt suchen wir für die nächsten Tage nach einer Alternative.

Aber zumindest bei einem Spiel zuschauen, das konnten unsere Fans ja schon. Und das Drumherum gestern im Mardan Palace Stadium gegen Trabzonspor war schon außergewöhnlich. Mitten „auf dem Acker", nur auf verschlungenen Wegen zu erreichen, wurde 20 km von Antalya entfernt von den Besitzern des gleichnamigen Hotels ein modernes Stadion mit dreistöckigen Tribünen errichtet. Es waren zwar nur ca. 1.000 Besucher da, aber die brachten dennoch richtig Stimmung rein.

Lange Gesichter unter den Grün-Weißen gab es nur zweimal. Als es schon in der vierten Minute in unserem Kasten klingelte und als in der Pause der Kasten weggeräumt wurde. Diesmal war es allerdings nicht das Tor, sondern der Bierkasten. Türkische Ordnungshüter rückten im Inneren des Stadions an und verfügten die Einstellung des Gerstensaftverkaufs an den Ständen. Die Erklärung: Dies sei kein Privatspiel, sondern ein offizielles Match unter Verbandsaufsicht und in diesem Fall dürfe kein Alkohol ausgeschenkt werden. Flaschen und Dosen mussten -eskortiert durch Beamte- weggebracht werden. Aber da es schon spät war, drohte zumindest niemand zu verdursten.