Nächste außergewöhnliche Pokalgeschichte - beim FCB?

Profis
Dienstag, 26.10.2010 // 18:29 Uhr

Unverhofft kommt oft, noch dazu schneller als man denkt. Erst gut fünf Monate ist es her, dass sich Werder Bremen und Bayern München im DFB-Pokalfinale gegenüberstanden. Bereits am Dienstag, 26.10.2010, da gerade die 2. Runde im gleichen Wettbewerb der neuen Saison ausgespielt wird, treffen sich beide um 20.30 Uhr in der bayerischen Landeshauptstadt wieder. „Tod oder Gladiolen!“ Schon allein diese vielsagende und zu mittlerer Berühmtheit gelangte Bedeutungsumschreibung verdeutlicht, was bereits zu diesem frühen terminlichen Zeitpunkt alles auf dem Spiel steht.

Nächste außergewöhnliche Pokalgeschichte - beim FCB?

Viel steht auf dem Spiel: „Tod oder Gladiolen!“

Und FCB-Trainer Louis van Gaal hat jene niederländische Metapher im Vorfeld nicht umsonst nach langer Zeit einmal wieder bemüht. Damals, im Frühjahr, betörten phänomenal aufspielende Bayern Millionen Fußball-Fans. Auch die Grün-Weißen hielten diesem wahrhaften Spielrausch in Berlin nicht stand und verloren das Finale verdient mit 0:4. Werders Cheftrainer Thomas Schaaf verhehlte im Pressegespräch vor dem neuerlichen Pokal-Duell nicht die erdrückende Dominanz, der sich sein Team im Mai ausgesetzt sah: „Im Prinzip waren wir chancenlos. Wir waren sehr enttäuscht, nicht die Leistung abgerufen zu haben, für die man eigentlich steht.“ Gleichsam blickt Amtskollege van Gaal vollkommen berechtigt noch in der Gegenwart auf „eines der besten Spiele von Bayern München“ zurück.

Aber das sollte es dann auch schon gewesen sein mit den Erinnerungen. Zu sehr wirken sogar bis in den tiefen Herbst hinein unter anderem die Geschehnisse der Weltmeisterschaft nach, zu unterschiedlich sind - im Vergleich zum Endspiel - die aktuellen Vorzeichen auf beiden Seiten. „Einige Dinge, die vor einer Saison angesprochen werden, können zum Teil auch eintreten. Es ist befürchtet worden, dass die WM gewisse Nachwehen hervorruft. Und eben jene Startschwierigkeiten haben beide Mannschaften erlebt“, erläuterte Schaaf. Die ungeteilte Zustimmung aus München für diese Analyse kann dem 49-Jährigen gewiss sein. Dem Double-Gewinner fehlen nicht erst seit gestern die Ausnahmekönner Arjen Robben und Franck Ribéry und - angeführt vom am Knie verletzten Kapitän Mark van Bommel - ein ganzes weiteres Bündel an Leistungsträgern.

Zuletzt gute Leistungen des arg dezimierten FCB-Kaders

Dennoch, allein diese Tatsache genügt bei weitem nicht, um den FC Bayern einfach so in die Knie zu zwingen. „Ich würde die Leistung der Bayern nicht heruntersetzen. Ihre Situation in der Champions League zeigt, dass man so schlecht nicht sein kann“, sagt Thomas Schaaf und verdeutlicht daraufhin: „Es ist immer schwierig, sich gegen sie zu behaupten. Das merkt jede Mannschaft.“ Selbst ein äußerst dezimierter Kader der Roten bezwang zuletzt Hannover und Cluj. Zudem sicherten sie sich am vergangenen Freitag einen Punkt beim Hamburger SV. All dies stimmte Trainer van Gaal „sehr froh“, denn „das Programm war nicht einfach und wir haben mit dieser Mannschaft sieben Punkte aus den letzten drei Spielen geholt. Es ist super, was sie geleistet hat.“

Mitverantwortlich dafür: Der wiedererstarkte Angreifer Mario Gomez in der Offensive, gleichzeitig verdiente sich der monatelang in zweiter und dritter Reihe verharrende Anatoliy Tymoshchuk als improvisierter Innenverteidiger Bestnoten von Fachpresse und Klub-Verantwortlichen. Für das zweite Bremer Gastspiel der laufenden Saison meldete derweil Daniel van Buyten seine Einsatzfähigkeit. Ein Eingreifen von Miroslav Klose jedoch ist sehr fraglich. „Er wäre muskulär fit, hat aber nun eine Erkältung bekommen“, informierte sein Trainer. Im günstigsten Falle bleibt dem Ex-Werderaner die Joker-Option.

Schaaf: „Qualitäten gewinnbringend einsetzen“

„Es geht um einen Titel. Und es ist eine schwierige Aufgabe. Aber auch diese Mannschaft ist stark genug, um Bremen auszuschalten“, sagte Philipp Lahm gegenüber fcb.de. Identische Ziele zu ihren Gunsten visieren gleichwohl die Grün-Weißen an. „Wir hoffen natürlich, diesmal unser Potenzial noch mehr aufzuzeigen. Wir wollen versuchen, unsere Qualitäten gewinnbringend einzusetzen“, strebt Thomas Schaaf an und unterstreicht außerdem: „Wir haben schon außergewöhnliche Geschichte im Pokal geschrieben - die muss ja in München nicht aufhören.“ Allemal sicher ist, dass sich ein 0:0, mit dem beide Kontrahenten am 3. Bundesliga-Spieltag auseinander gegangen waren, nicht wiederholen wird.