"Wir haben alle denkbaren Emotionen erlebt"

Yannik Engelhardt & Maik Nawrocki im Interview
Die U19 der Grün-Weißen siegte auch in Wolfsburg (Foto: WERDER.DE).
Junioren
Montag, 29.06.2020 / 17:02 Uhr

Das Interview führte Marcel Kuhnt

Tabellenführer, DFB-Pokal-Halbfinale: Die U19 des SV Werder spielte bis zur plötzlichen Unterbrechung eine hervorragende Saison. Während es im Pokal nicht weiterging, wurden die Grün-Weißen zumindest als Staffelmeister der A-Junioren-Bundesliga gekürt. Und dennoch bleibt das Gefühl, dass die ‚großen Spiele‘ nicht mehr gekommen sind, wie die Kapitäne Yannik Engelhardt und Maik Nawrocki finden.

WERDER.DE: Wie habt ihr die Wochen zu Beginn der Corona-Pandemie erlebt?

Yannik Engelhardt: "Nachdem klar war, dass wir nicht mehr spielen oder trainieren werden, bin ich zu meiner Familie gefahren. Dort bin ich sieben Wochen geblieben. So lange am Stück habe ich meine Eltern in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr gesehen. Das war sehr schön. In dieser Zeit habe ich zudem meine individuellen Läufe und Kraftübungen gemacht, was ehrlicherweise ab einem bestimmten Zeitpunkt eintönig wurde. Zum Glück haben wir zu Hause einen Garten. Somit konnte ich dort ein wenig kicken. Dennoch ersetzt das kein Training mit dem Team. Das hat schon gefehlt."

Staffelmeister und Pokalhalbfinalist

Maik Nawrocki nahm stellvertretend den Meisterwimepl in Empfang (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass ihr mit eurer Mannschaft die Staffel Nord/Nordost der U19-Junioren-Bundesliga anführt. Zudem steht ihr im Halbfinale des DFB-Pokals der Junioren. Beide Wettbewerbe werden aller Voraussicht nach abgebrochen. Wie bitter ist das für euch?

Yannik Engelhardt: "Aus sportlicher Sicht ist ein Abbruch der Spielzeit nach dem bisherigen Saisonverlauf natürlich bitter. Wir haben eine tolle Saison gespielt und hätten noch große Spiele wie das Pokal-Halbfinale vor uns gehabt. Am Ende ist es aber für alle Vereine gleich, unabhängig davon, ob man noch im Pokal dabei ist oder auf welchem Tabellenplatz man steht: Es fehlt einfach der Wettkampf."

Maik Nawrocki: "Klar, wir haben wir uns im Laufe der Saison viel aufgebaut, was uns die Corona-Pandemie nun nimmt. Doch alle – nicht nur wir – leiden unter dieser Situation und müssen das akzeptieren. Zudem sind die vergangenen Monate nicht umsonst gewesen. Wir haben viele tolle Momente als Mannschaft erlebt, die im Gedächtnis bleiben. Außerdem ist jeder Einzelne in seiner persönlichen Entwicklung vorangekommen."

WERDER.DE: Was war euer Highlight der Saison?

Maik Nawrocki: "Für mich war es der Sieg im Pokalspiel bei Borussia Mönchengladbach. Dort haben wir alle denkbaren Emotionen erlebt. Wir waren in Führung, haben den Ausgleich kassiert, waren mit Beginn der Verlängerung in Unterzahl und haben uns dennoch ins Elfmeterschießen gekämpft, wo wir gefühlt auch schon ausgeschieden waren. Am Ende sind wir trotzdem als Sieger vom Platz gegangen. Ein wahnsinniges Erlebnis."

Yannik Engelhardt: "Zwar konnte ich aufgrund meiner Verletzung das Spiel in Mönchengladbach nicht miterleben, aber für unsere gesamte Mannschaft war diese Partie aufgrund der beschriebenen Chronologie einfach genial. In der Liga ist es schwer, ein Spiel herauszuheben. Fußballerisch waren die Auswärtssiege in Wolfsburg (4:1, Anm. d. Red.) und in Hamburg (4:0, Anm. d. Red.) sehr gute Spiele von uns. Emotional war der 4:3-Erfolg zu Hause gegen RB Leipzig ganz speziell, weil wir zweimal mit zwei Treffern in Führung lagen, Leipzig dennoch den Ausgleich erzielen konnte und wir kurz vor Schluss noch den Siegtreffer geschafft haben."

Engelhardt: "zumindest ein wenig Wettkampf-Feeling"

Yannik Engelhardt und Co. rücken in die U23 auf (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: In den vergangenen Wochen war der direkte Kontakt mit den Teamkollegen kaum möglich. Wie habt ihr euch ausgetauscht? Wie war die Stimmung?

Yannik Engelhardt: "Ein wichtiger Schritt für uns war, dass wir Mitte Mai zumindest unter strengen Auflagen zurück auf den Platz durften. Das tat sehr gut. Während der Pause zuvor haben wir mit unserem Athletiktrainer Noah Thoma und dem übrigen Staff über das Handy kommuniziert. Zudem haben wir Challenges erhalten, die uns im technischen Bereich gefordert haben. Die Videos haben wir in unsere WhatsApp-Gruppe geschickt und somit Kontakt untereinander gehalten. So hatten wir zumindest ein bisschen Wettkampf-Feeling (lacht)."

Maik Nawrocki: "Wie Yannik schon sagt: Die Kommunikation lief über das Handy und die sozialen Medien. Aber natürlich ist das mit dem Gefühl, in der Kabine zu sitzen und zu quatschen, nicht zu vergleichen. Ich habe mich sowieso ganz besonders darüber gefreut, im Mai wieder auf dem Platz zu stehen, da ich nach dreimonatiger Verletzungspause endlich wieder dabei sein konnte."

WERDER.DE: Für euch steht der Sprung in die U23 bevor. Erschwert die fehlende Wettkampfpraxis den Übergang in den Herrenbereich?

Yannik Engelhardt: "Grundsätzlich freue ich mich auf den nächsten Schritt in meiner Karriere. Ich bin auch ein bisschen aufgeregt, aber das ist wie immer im Leben, wenn etwas Neues auf einen zukommt. Natürlich ist es ungewöhnlich, wenn man in den Herrenbereich kommt und möglicherweise auf unbestimmte Zeit keine Pflichtspiele hat. Das ist sicher kein Vorteil, aber ich freue mich trotzdem darauf, die Zeit im Jugendfußball abzuschließen und ab sofort im Herrenbereich Gas zu geben.

Maik Nawrocki: "Es ist eine große Herausforderung, auf die ich mich wie Yannik sehr freue. In den vergangenen Jahren haben wir uns auf diesen Schritt vorbereitet, daher ist es umso schöner, dann endlich im Herrenbereich anzukommen. Wir haben die Chance, unsere Entwicklung auf einem ganz anderen Niveau fortzusetzen. Das wird extrem spannend."

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