Eggestein: "Eine tolle Erfahrung!"

Total fokussiert: Werders Talent Johannes Eggestein spielt eine starke Saison mit den Grün-Weißen.
Junioren
Freitag, 11.12.2015 // 15:57 Uhr

Bei Werders Talent Johannes Eggestein, dem jüngeren Bruder von Jung-Profi Maximilian Eggestein, ist zurzeit viel los. Mit der U 19 hat er sich die Herbstmeisterschaft in der Junioren-Bundesliga gesichert und steht im Viertelfinale des DFB-Pokals. Mit der deutschen U 17-Auswahl spielte „Jojo" erst vor wenigen Wochen die Weltmeisterschaft in Chile und in der Schule steht das Abitur an. Wie er all das unter einen Hut bringt, verrät der 17-Jährige im Interview mit WERDER.DE.

Hallo Johannes! In der Junioren-Bundesliga habt ihr euch die Herbstmeisterschaft geholt! Warum läuft es gerade so gut bei euch? Gibt es dafür ein Geheimnis?
Das Geheimnis ist ganz einfach der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Wir alle verstehen uns sehr gut. Das zeigen wir auch auf dem Platz. Dadurch kommen diese Leistungen zustande. Auch enge Spiele wie gegen Erfurt und Cottbus, oder auch im DFB-Pokal in Wiesbaden, drehen wir dadurch zu unseren Gunsten. Insbesondere das zeigt unseren Teamgeist und unseren Zusammenhalt.

Was hat sich im Vergleich zum letzten Jahr verändert?
Letztes Jahr war ich ja noch nicht in der U19 dabei (lacht). Ich habe zwar ab und zu mit trainiert und ein paar Spiele habe ich auch gemacht, aber ich kann das nicht beurteilen. Ich denke aber, dass die Trainer gesehen haben, was letztes Jahr vielleicht nicht so gut gelaufen ist, haben einige Kleinigkeiten verändert und wir setzen es jetzt besser um.

Kann die Mannschaft in dieser Saison die Meisterschaft holen?
Unser Ziel ist es erst einmal vorne mitzuspielen und unter den ersten Dreien dabei zu bleiben. Und wenn es weiter so läuft, wir als Team geschlossen auftreten und entscheidende Spiele gewinnen können, ist es möglich auch um die Meisterschaft mitzuspielen.

Du hast selbst diese Saison viel zu diesem Erfolg beigetragen: 17 Tore in elf Spielen. Was zeichnet dich als Stürmer aus?
Ach, es ist immer schwer sich selbst zu beschreiben. Das sollten lieber die Trainer tun. Ich denke aber, dass ich recht flexibel einsetzbar bin, mein Kopfballspiel ganz ordentlich ist und ich auch für das eine oder andere Tor gut bin (lacht). Aber die schieße ich ja auch nicht alleine. Ich habe klasse Mitspieler, die mir die Bälle hervorragend auflegen.

Woran musst du noch arbeiten?
Ich kann mich in vielen Bereichen noch verbessern. Schnelligkeit, Antritt, Ballbehauptung und auch noch bei der Übersicht im Spiel. Da liegt in meiner Entwicklung noch einiges vor mir.

Du hast jetzt schon einige Male am Training der Bundesliga-Mannschaft teilgenommen. Was bedeutet das für dich und was hast du eventuell schon mitgenommen?
Ich habe natürlich schon von meinem Bruder einiges gehört, der ist ja schon etwas länger dabei. Es ist aber auch etwas ganz anderes, selber mit den Jungs zu trainieren. Es macht sehr viel Spaß und ist eine große Erfahrung. Der Trainer gibt dir dabei etwas andere Inhalte, es wird ein bisschen anders trainiert. Alleine die Tatsache, bei den Profis in der Kabine dabei zu sein, ist eine tolle Erfahrung. Und die nimmt man natürlich mit für seine weitere Karriere.

Fragen dich dann die Mitspieler darüber aus? Was erzählst du ihnen?
Natürlich (lacht)! Wenn ich wieder zum Training komme, dann fragen manche wie es war, wie der Trainer drauf ist und ähnliches.

Bist du mit deiner Entwicklung bei Werder zufrieden? Was ist dir bei Werder Bremen wichtig?
Ich bin jetzt zweieinhalb Jahre bei Werder Bremen und bin sehr zufrieden mit meiner persönlichen Entwicklung. Vor allem dieses Familiengefühl ist mir bei Werder sehr wichtig. Das wird hier wirklich gelebt. Ich mag es, wenn ich ein gutes Umfeld um mich herum habe, in dem ich mich wohlfühle. Dieser Faktor ist von Bedeutung - nicht nur für meine sportliche Karriere, sondern auch für meine schulische Ausbildung, die ja noch sehr aktuell ist. Dafür bin ich genau am richtigen Ort.

Du bist vor kurzem aus Chile wieder gekommen. Bei der U17-Weltmeisterschaft seid ihr gegen Kroatien im Achtelfinale ausgeschieden. Was war dein persönlicher Eindruck von der WM?
Ich habe versucht, allen mit denen ich über die WM gesprochen habe, zu vermitteln, dass für mich die Tatsache in Chile gewesen zu sein, eine Riesenerfahrung war. Man ist nicht alle Tage in Südamerika und allein das war es schon wert. Auch der anstrengende Flug an sich war eine gute Erfahrung. Ich freue mich, dass ich das alles erleben durfte. Natürlich ist es schade, dass wir schon im Achtelfinale ausgeschieden sind. Das war ein kleiner Dämpfer, den man am Ende mitbekommen hat. Aber trotz allem war das ein Riesenerlebnis. Wer weiß, ob ich noch einmal eine WM spielen darf.

Warum hat es gegen Kroatien nicht gereicht?
Wir haben uns natürlich selbst Gedanken darüber gemacht, woran es lag. Wir haben schon die richtigen Mittel gegen die Abwehr von Kroatien gefunden, sind oft auch vor die Viererkette gekommen. Aber schlussendlich haben wir dann verpasst, die Spielzüge erfolgreich zu Ende zu spielen und sind dadurch nur zu wenigen Torchancen gekommen. Wir hatten zwar drei bis vier gute Gelegenheiten, konnten aber den Killerinstinkt, der uns in den anderen Spielen ausgezeichnet hat, nicht zeigen.

Mit Werders U19 bist du gegen Wiesbaden in das Viertelfinale im DFB-Pokal eingezogen. Hat alles in diesem Spiel geklappt, wie ihr es euch als Team vorgenommen habt?
Ja, größtenteils. Wir sind 2:0 in Führung gegangen. Nach der Führung hatten wir dann die eine oder andere Chance auf 3:0 zu erhöhen und wir wären durch gewesen. Wir sind aber durch das Gegentor ins Schwanken geraten. Das hätten wir vielleicht anders lösen können. Das können wir uns sicherlich vorwerfen lassen, aber im Allgemeinen sind wir natürlich zufrieden. Uns war klar, dass es kein Durchmarsch sein wird. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir weitergekommen sind.

Der nächste Gegner ist Bayer 04 Leverkusen. Wie werdet ihr euch darauf vorbereiten?
Na ja, ich habe ja zwei Leverkusener Kollegen aus der Nationalmannschaft, ich hole mir dann von denen ein paar Tipps ab (lacht). Nein, Scherz. Jetzt konzentrieren wir uns natürlich erst einmal auf die Liga, die steht an erster Stelle. Wenn das Pokalspiel dann ansteht, werden wir die Leverkusener analysieren und uns dementsprechend auf sie einstellen. Wir sind momentan gut drauf und wenn wir es schaffen, diese Leistung weiter abzurufen wird es uns auch gelingen, gegen Leverkusen zu bestehen.

Lass uns ein wenig über dein Leben außerhalb Fußballs reden. Wie gefällt dir das Leben im Internat?
Sehr gut! Vor zwei Jahren habe ich erst mit meinem Bruder in einem Zimmer gewohnt und jetzt habe ich ein Einzelzimmer. Ich fühle mich wirklich sehr wohl dort.

Ist es eher positiv oder negativ, dass du nicht mehr mit deinem Bruder zusammenwohnst?
Von beidem etwas würde ich sagen (lacht). Mit meinem Bruder verstehe ich mich sehr gut, wir reden über viele Dinge. Die zwei Jahre mit ihm waren richtig gut, haben mir sehr dabei geholfen, mich hier einzufinden. Dafür ist ja der große Bruder auch da. Im letzten Jahr hatte er sein eigenes Auto und wir haben zusammen was unternommen. Nur morgens hatten wir unsere Schwierigkeiten, ein kleiner Nachteil. Maxi war kurz davor sein Abitur zu schreiben, und daher haben die Wecker unterschiedlich geklingelt. Am Ende war es dann nicht ganz so einfach, alles zu koordinieren. Es war schön mit meinem Bruder zusammen zu leben, aber ich bin auch ein Typ, der gerne mal seine Ruhe hat, einfach chillt und relaxed, auch gerne alleine ist. Und deshalb macht es mir nichts aus, dass er jetzt nicht mehr hier wohnt.

Ist sein Erfolg ein Ansporn für dich?
Natürlich orientiere ich mich an ihm. Ich sehe wie er seinen Weg beschreitet, wie seine Karriere abläuft und habe dann eine Art Vorbild vor mir, zumindest was die Entwicklung angeht. Er hat ja seinen Profivertrag unterschrieben. Und so einen ähnlichen Weg möchte ich natürlich auch gern gehen.

Wofür interessierst du dich abseits des Fußballs?
Natürlich Playstation, das ist ja fast bei jedem Fußballer so. Ich spiele aber auch gerne Tischtennis. Und meine kleine Schwester spielt Tennis und wenn ich zu Hause zu Besuch bin, gehen wir auf den Tennisplatz und spielen eine Runde.

Mit wem von deinen Internatskollegen verstehst du dich am besten?
Eigentlich mit allen, aber natürlich hat man mit den Teamkollegen, die auch im Internat wohnen, am häufigsten Kontakt. Yannick Filipovic, Mattis Daube, Jannes Vollert und Niklas Schmidt. Wir sind fast jeden Tag zusammen und deshalb würde ich schon behaupten, dass wir uns am meisten verstehen.

Hast du ein Vorbild?
Als Kind mochte ich Ailton bei Werder Bremen sehr gern, leider spielt er ja nicht mehr. In meinem Alter habe ich grundsätzlich kein Vorbild mehr, weil ich denke, dass ich ein eigener Spielertyp bin. Ich möchte mich nicht direkt mit jemandem vergleichen. Aber es gibt natürlich unterschiedliche Spieler, bei denen ich mir etwas abgucke, zum Beispiel bei Iniesta mit seinen Tempowechseln oder bei Lewandowski mit seiner Ballbehauptung und -verteilung. Da kann man schon einiges lernen.

Im nächsten Sommer schreibst du dein Abitur. Wie geht das Lernen voran?
Vielleicht ist der einzige positive Aspekt, dass wir so früh bei der Weltmeisterschaft in Chile ausgeschieden sind, dass ich jetzt in der Schule nicht so viel verpasse. Ich bin öfter unterwegs, aber ich denke, wenn ich mich jetzt ran halte, wird es zu keinem Problem werden. In Chile habe ich mich mit den Lehrern in Kontakt gesetzt und sie haben mir dann die Aufgaben geschickt, so dass ich sogar dort oft mitarbeiten konnte.

Ist es schwer für dich die Schule mit Fußball zu vereinbaren?
Nein, kann ich nicht so sagen. Früher Ingo Götze und in diesem Jahr Daniel Mentzel helfen mir dabei, sie koordinieren alles und sprechen mit meinen Lehrern. Deshalb ist es zwar stressig und anstrengend. Das habe ich aber auch so erwartet. Aber es ist auf keinem Fall extrem schwierig, das alles zu koordinieren.

Was sind dann deine persönlichen Ziele für das nächste Jahr?
Ich hoffe, dass ich die Schule abschließen kann, da für mich das Abitur ein wichtiger Schritt ist. Danach möchte ich mich voll auf den Fußball konzentrieren. Und dann werden wir sehen, was sich für die Zukunft bringt.

Das Interview führte Hanna Kavalevich