Votava: "Kein Problemfall in zehn Jahren"

Seit 2004 Werders U 19-Coach: Mirko Votava.
Junioren
Donnerstag, 02.10.2014 // 18:13 Uhr

Miroslav "Mirko" Votava, Trainer der U 19 des SV Werder Bremen in der Staffel Nord/Nordost der A-Junioren-Bundesliga, hat in seiner Karriere so ziemlich alles erlebt, was ein Fußballer erleben kann...

Miroslav "Mirko" Votava, Trainer der U 19 des SV Werder Bremen in der Staffel Nord/Nordost der A-Junioren-Bundesliga, hat in seiner Karriere so ziemlich alles erlebt, was ein Fußballer erleben kann. Zwischen 1976 und 1996 war der heute 58-Jährige nicht weniger als 546 Mal für Borussia Dortmund und Werder Bremen am Ball. In der Rangliste der Bundesliga-Rekordspieler liegt der Europameister (mit Deutschland 1980), zweimalige Deutsche Meister und DFB-Pokalsieger (jeweils mit Bremen) sowie spanische Pokalsieger (1985 mit Atletico Madrid) damit auf Rang fünf.

Mit der Bremer U 19, die der in Prag geborene Votava bereits im zehnten Jahr betreut, läuft es derzeit allerdings nicht wie am Schnürchen. Platz zehn mit sechs Punkten aus fünf Begegnungen ist nicht die Ausbeute, die sich die Grün-Weißen erhofft hatten. Hinzu kommt ein schmerzvolles 0:7 gegen den Aufsteiger RB Leipzig und das Ausscheiden im DFB-Junioren-Vereinspokal (2:3 gegen den 1. FC Köln). Im aktuellen DFB.de-Interview spricht Mirko Votava mit dem Journalisten Thomas Ziehn über die Situation, den Weg aus dem Tief und die kommenden zehn Jahre.

DFB.de: Sechs Zähler aus fünf Partien, Tabellenplatz zehn, Aus im DFB-Pokal: Was ist los mit der U 19 von Werder Bremen, Herr Votava?
Mirko Votava: Die Situation ist nicht erfreulich, dennoch geht unser Blick aktuell nicht auf die Tabelle. Wir haben im Sommer 13 neue Spieler eingebaut, und die Mannschaft ist gerade im Bereich der Kompaktheit noch nicht da, wo wir sie gerne sehen würden. Daran arbeiten wir.

DFB.de: Woran arbeiten Sie derzeit im Training besonders?
Votava: Wir haben verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Unter anderem wollen wir zu langes Laufen mit dem Ball abstellen. Das geht nur über ständige Wiederholungen. Die Trainingsleistungen sind insgesamt sehr positiv. Wir verstehen es aber derzeit noch nicht, das auch in den Spielen umzusetzen. Dafür fehlt den Jungs vielleicht auch ein Stück weit das Selbstvertrauen. Wenn wir im Training weiter so gut arbeiten, werden sich aber auch die Erfolge einstellen.

DFB.de: Eigentlich sollte und wollte Ihre Mannschaft beim Pokalspiel gegen den 1. FC Köln (2:3) die Reset-Taste drücken. Warum hat es trotz 88 Minuten in Überzahl und einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung nicht geklappt?
Votava: Die frühe Rote Karte für den Kölner Michael Schüler habe ich nicht so positiv für uns gesehen. Im Gegenteil: Der Platzverweis hat den Gegner aufgebaut und in eine "Jetzt erst recht-Position" gebracht. Unserer Mannschaft war dagegen in einigen Situationen anzumerken, dass sie der Meinung war, es ginge auch mit einem Schritt weniger. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen.

DFB.de: Unmittelbar nach dem bitteren 0:7 gegen RB Leipzig war das Köln-Spiel ein weiterer Rückschlag. Wie sehr sind Sie aktuell als Psychologe gefragt?
Votava: Die Leipzig-Partie war lehrreich. Unsere Spieler haben gemerkt, dass sie kaum Zeit haben, Entscheidungen zu treffen, wenn sie im Ballbesitz sind. Das lag am schnellen Anlaufen der Leipziger. Außerdem müssen wir dahin kommen, mit weniger Ballkontakten zu agieren. Je mehr Kontakte wir haben, desto einfacher ist es für den Gegner.

DFB.de: Können sich solche Täler für Nachwuchsfußballer im Nachhinein sogar als förderlich entpuppen, wenn sie erst einmal durchschritten sind?
Votava: Definitiv! Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft viel bewegen kann, wenn sie aus dem Tal heraus ist. Die Erfahrungen können sehr wertvoll sein. Nur müssen wir erst einmal da herauskommen.

DFB.de: Wie sind Sie selbst während Ihrer Karriere mit Negativserien umgegangen?
Votava: Ich erinnere mich noch recht genau an eine Serie von drei Niederlagen. Wir konnten sie durch ein knappes 1:0 beenden. Unsere Leistung war dabei nicht berauschend. Aber das war auch gar nicht so wichtig. Entscheidend war, dass sich die Mannschaft gegen die Serie gestemmt und sich im Vergleich zu den Partien zuvor ganz anders gewehrt hat.

DFB.de: Nach der Vorbereitung auf die neue Saison waren Sie eigentlich zuversichtlich, oder?
Votava: Die Vorbereitung verlief in der Tat sehr gut. Aber das war nun einmal auch nur die Vorbereitung. Wenn es dann mit den Punktspielen losgeht, ist das schon etwas ganz anderes. Dazu müssen sich einige Spieler noch an die Umstellung von der U 17 auf die U 19 gewöhnen. Das geht bei dem einen schneller, andere benötigen ein wenig mehr Zeit. Das ist aber ganz normal.

DFB.de: Im November feiern Sie Ihr zehnjähriges Dienstjubiläum. Wie stolz sind Sie, über eine so lange Zeit U 19-Trainer beim SV Werder zu sein?
Votava: So lange schon? Da sieht man mal, wie die Zeit vergeht (lacht). In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Talentförderung in Deutschland enorm entwickelt. Ich bin glücklich, dass ich an dieser Entwicklung in Bremen mitarbeiten durfte. Das Leistungszentrum von Werder stand schon immer für neue Ideen und Wege. Frei nach dem Motto: Wer rastet, der rostet. Wir möchten uns ständig weiterentwickeln und verbessern. Es ist schön, dass ich diesen Weg im Übergangsbereich weiter begleiten darf.

DFB.de: Gibt es ein Ereignis, an das Sie sich besonders erinnern?
Votava: Es sind vor allem Spiele, die wir in letzter Minute umbiegen konnten. Die sind im Fußball besonders prägend. Aber ich möchte noch eine andere Sache hervorheben: In zehn Jahren gab es in meinen Mannschaften keinen einzigen Problemfall, der große Schwierigkeiten verursacht hätte. Das finde ich bemerkenswert.

DFB.de: Kommen noch zehn weitere Jahre obendrauf?
Votava: (lacht) Das lasse ich auf mich zukommen. Fakt ist, dass mir die Arbeit nach wie vor großen Spaß macht.

DFB.de: Bereits am Freitag geht es mit dem Gastspiel beim aktuellen Staffelmeister und Titelaspiranten VfL Wolfsburg weiter. Genau die richtige Partie, um den Bock umzustoßen?
Votava: Genau so sehe ich das. Bei diesem Gegner weiß jeder, wo er dran ist. Am liebsten wäre mir eine Trotzreaktion meiner Mannschaft.

Quelle: DFB.de