Mit dem Wir-Gefühl zur Europameisterschaft

Marcel Hilßner, Lukas Fröde und leon Lingerski möchten Mitte März mit der deutschen U 17 um die Teilnahme an der Europameisterschaft kämpfen.
Junioren
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

In wenigen Tagen geht es los. Wie blickt ihr dem Turnier entgegen?
LUKAS FRÖDE: Es ist immer was Besonderes für Deutschland auf dem Platz zu stehen und sich mit den anderen Nationen zu messen. Dass es jetzt sogar um die Qualifikation für die EM geht, macht es natürlich noch alles etwas spannender.

Bei Marcel Hilßner, Leon Lingerski und Lukas Fröde steigt die Vorfreude. Die drei Werder-Talente bereiten sich derzeit mit der deutschen U 17-Nationalmannschaft auf die UEFA Eliterunde vor, der letzten Hürde vor der Europameisterschaft in Slowenien. Die Spiele gegen Bulgarien, die Türkei und Portugal versprechen Junioren-Fußball der Extraklasse.

MARCEL HILßNER: Ich bin richtig heiß auf die Spiele und kann es kaum erwarten, dass es losgeht. Ein wenig Aufregung ist aber auch dabei, schließlich werden meine Familie, viele Freunde und Bekannte am Seitenrand stehen und mitfiebern.

LEON LINGERSKI: Ich sehe es wie Lukas. Es ist einfach etwas Besonderes für Deutschland zu spielen und vor allem ein so wichtiges EM-Qualifikationsturnier. Daher ist die Vorfreude einfach nur groß.

Ist es etwas Besonders für euch, dass die Runde ausgerechnet in Bremen ausgetragen wird?
FRÖDE: Ja, natürlich. Ich lebe seit zweieinhalb Jahren in Bremen und verbinde viel mit der Stadt und Werder. Daher habe ich mich auch sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass die Eliterunde in Bremen ausgetragen wird.

HILßNER: Man bekommt ja auch nicht jeden Tag die Chance zu Hause vor Freunden aus der Schule und dem Verein mit der Nationalmannschaft ein Turnier zu spielen. Das ist schon klasse.

LINGERSKI: Definitiv ja! Dadurch können wir auf die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten zählen, die sicherlich zahlreich erscheinen und uns anfeuern werden. Und außerdem ist es vielleicht ein kleiner Vorteil für uns, dass wir dieses Umfeld hier sehr gut kennen und uns heimisch fühlen.

Wie schätzt ihr die Gegner ein? Gegen die Türkei habt ihr ja schon im August erfolgreich gespielt.
FRÖDE: Damals haben wir sehr souverän gewonnen, doch noch einmal wird es uns die Türkei nicht so leicht machen. Generell ist es schwierig, die Gegner einzuschätzen. Man darf sich im Juniorenbereich nicht an den A-Nationalmannschaften orientieren. Alle werden sich gut auf das Turnier vorbereiten. Das müssen wir wissen und uns neben dem Spielerischen auch in den Punkten Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Willensstärke gut einstellen. Wenn wir das verinnerlichen und umsetzten können, sind wir Favorit. Dann wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen.

HILßNER: Ich sehe das ähnlich. Gerade die Türken werden aufgrund ihrer Mentalität uns alles abverlangen und versuchen, sich für die 0:4-Niederlage aus dem August zu revanchieren. Es muss allen klar sein, dass es sich nicht um Freundschaftsspiele handelt, sondern um die Qualifikation für die Europameisterschaft. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir es mit starken Gegnern zu tun haben werden.

LINGERSKI: Wir dürfen einfach keinen Gegner unterschätzen. Egal, ob Bulgarien, Portugal oder die sicherlich hochmotivierten Türken. Namen spielen keine Rolle, jedes Land hat sich die Eliterunde erarbeitet.

Ihr seid in dieser Saison mit der deutschen U 17 noch ungeschlagen. Habt ihr Angst, dass diese Serie jetzt reißen könnte?
HILßNER: Angst habe ich nicht. Wir wissen, was wir leisten können. Unsere Mannschaft ist auf allen Positionen gut besetzt und man spürt, dass ein echtes Team auf dem Platz steht. Das Wir-Gefühl ist sehr hoch, auch außerhalb der Länderspiele und Lehrgänge haben wir Spieler viel Kontakt untereinander. Gerade dieser Zusammenhalt macht uns stark.

FRÖDE: Wir wissen aber auch, dass so eine Serie kein Selbstläufer ist. Der Respekt vor den Gegnern ist hoch. Im Endeffekt geht es darum, Erster in unserer Gruppe zu werden. Wenn wir das schaffen und dabei noch guten Fußball spielen und die Serie halten, ist es umso schöner.

LINGERSKI: Klar weiß das jeder Spieler, aber damit beschäftigen wir uns gar nicht. Wir konzentrieren uns auf die Aufgabe uns für die EM zu qualifizieren. Da wäre Angst fehl am Platz.

Die Eliterunde ist zugleich auch eine Bühne, auf der ihr euch zahlreichen Scouts und auch den eigenen Trainern im Verein präsentieren könnt. Macht ihr euch darüber Gedanken?
HILßNER: Ich versuche mir darüber eigentlich keine Gedanken zu machen. Ich möchte meine Leistung bringen, damit ich dem Team helfen kann. Natürlich weiß ich, dass viele Augen von Scouts auf uns gerichtet sind. Ich bin aber in Bremen sehr zufrieden und sehe auch hier meine Zukunft. Es wäre natürlich schön, wenn Viktor Skripnik, Mirko Votava, Thomas Wolter oder auch Thomas Schaaf sich unsere Spiele anschauen würden. Das gibt mir noch mehr Motivation.

LINGERSKI: Ich denke auch, dass es eher motivierend ist, zu wissen, dass sie zuschauen. Wir spielen doch alle mit Herz und Spaß und wollen den anderen zeiegn, was für ein Potenzial in uns steckt.

FRÖDE: Ich finde, man darf sich nicht verrückt machen lassen und sollte nicht versuchen, irgendwelche besonderen Dinge zu machen, nur um die Trainer oder Scouts zu überzeugen. Es muss immer das Ziel sein, gute Leistungen zu bringen und als Team erfolgreich zu sein. Alles andere kommt dann von alleine.

Die Erwartungen an die DFB-Teams sind nach dem EM-Sieg 2009, der Vize-Europameisterschaft 2011 und dem 3. Platz bei der WM im Jahr 2011 hoch. Verspürt ihr einen Druck?
FRÖDE: Natürlich ist der Druck hoch, schließlich spielen wir für eine deutsche Nationalmannschaft. Wir werden auf solche Turniere sehr gut vorbereitet und es liegt an uns, die gute Arbeit mit einer guten Leistung auf dem Platz zurückzuzahlen. So eine Drucksituation kann doch auch gut für die persönliche Entwicklung sein. Es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren und uns auf das Fußballspielen zu konzentrieren.

LINGERSKI: Wir sind von den Trainern gut eingestellt und wir wissen, was wir können. Wir wollen die guten Leistungen aus den vorherigen Spielen auch in der Eliterunde bestätigen. Wenn wir die abrufen, wird es ganz schwer für unsere Gegner.

Ihr seid für das Turnier wieder einmal lange aus der Schule raus. Wie organisiert ihr, den verpassten Stoff nachzuholen?
HILßNER: Das ist in der Tat nicht immer einfach. Aber auch hier werden wir vom DFB so gut es geht unterstützt. Immer wenn mir mit dem Team unterwegs sind, haben wir auch zwei Lehrer dabei, die uns helfen, den verpassten Stoff nachzuholen. Das ist natürlich kein Vergleich zu den Stunden, die wir in der Schule verpassen. Den Rest müssen wir dann zu Hause nachholen. Bislang hat das immer ganz gut geklappt. Und ich nehme diesen Aufwand gerne auf mich, um bei solchen Turnieren dabei sein zu können.

Interview: Norman Ibenthal