1. Frauen: Glücklicher Sieg nach 45 Minuten Totalausfall

Jennifer Martens, hier im Pokalspiel gegen Duisburg, rettete Werder heute den Sieg.
Frauen
Sonntag, 08.03.2009 // 19:14 Uhr

Werders 1. Frauenmannschaft setzt sich an der Spitze der Regionalliga Nord ab. Bei der SG Jesteburg/Bendestorf gewann der Tabellenführer am Sonntagnachmittag glücklich mit 3:2 (0:1), zeitgleich verlor der Verfolger BV Cloppenburg durch ein Heim-Remis zwei Punkte auf Werder.

 

Werder kam eine Woche nach dem tollen 5:2 gegen Cloppenburg in der ersten Halbzeit überhaupt nicht ins Spiel. Nur ein rechtzeitig abgeblockter Schuss von Nahrin Uyar sorgte kurz für Gefahr (19.). Sonst wirkten die Gäste seltsam gelähmt, spielten viele Fehlpässe und mieden

die Zweikämpfe. So musste Keeperin Jennifer Martens in der 10. Minute in allerhöchster Not gegen einen Schuss aus Nahdistanz retten, auch zwei Nachschüsse verfehlten ihr Ziel. Bei einer weiteren Großchance nach einer halben Stunde versagten einer Angreiferin allein vor dem Tor die Nerven, sie schob den Ball vorbei.

 

Spät, aber logisch: das 0:1

 

Erst in der 40. Minute konnte der Tabellensiebente die Bremer Unpässlichkeit nutzen: Joy Weitzel schob nach einer weiten Freistoßflanke zum 1:0 ein. Trainerin Birte Brüggemann war in der Halbzeit gefordert: "Das war ja das denkbar schlechteste Szenario, wir lagen hinten und hatten auch noch richtig schlecht gespielt", sagte sie nach dem Abpfiff. Sie appellierte an die kämpferische Leidenschaft ihres Teams und ersetzte Rechtsverteidigerin Antje König durch Saskia Mauckisch.

 

Doch die Maßnahmen schienen zu verpuffen, auch in den ersten Minuten nach Wiederbeginn bekam Werder kein Fuß auf den Boden. Erst ein Fehler von SG-Torhüterin Julia Wrage brachte die Bremerinnen ins Spiel: Sie konnte einen Schuss von Horwege nicht festhalten, Uyar staubte zum schmeichelhaften 1:1 ab (52.). Brüggemann beschrieb diesen Treffer hinterher als "entscheidenden Moment" − Werder drehte jetzt plötzlich auf. Und ging schon vier Minuten später in Führung. Katharina Haar war nach guter Kombination im Sechzehner aufgetaucht und hieb die Kugel aus 12 Metern in den linken Torgiebel (56.).

 

Die Entscheidung! Oder?

 

Nach einer Stunde konnte Julia Wrage ihren Fehler vom 1:1 wieder gut machen, indem sie erst einen Horwege-Schlenzer von der Linie kratzte (61.) und kurz darauf einen sensationellen Uyar-Seitfallzieher mit

einer "Jahrhundertparade" (Birte Brüggemann) entschärfte (63.). Erst gegen einen raffinierten Freistoß von Uyar von der linken Strafraumseite hatte sie wieder das Nachsehen, allerdings wurde dem Treffer wegen Torwartbehinderung die Anerkennung verweigert (71). Jennifer Horweges 3:1 nach schöner Einzelleistung und einem Schuss aus 14 Metern schien das Spiel nach 75 Minuten entschieden zu haben.

 

Doch das zweite Tor von Joy Weitzel sorgte dann doch noch für eine aufregende Schlussphase: Sie konnte in der 80. Minute einen Abwehrfehler nutzen und ließ im Rücken der Viererkette aus halbrechter Position Martens keine Chance. Werders zuletzt kritisierte Torfrau avancierte in der 89. Minute aber zur Matchwinnerin, als sie in einer vergleichbaren Situation wieder gegen Weitzel überragend parierte. "Jennifer war in der 2. Halbzeit ein Garant für unser Comeback und hat in dieser Szene die drei Punkte festgehalten", lobte ihre Trainerin sie im Anschluss.

 

Dessen ungeachtet war Brüggemann im Zwiespalt der Trainer-Gefühle: "Das war heute unsere schlechteste Saisonleistung, doch selbst so ein Spiel haben wir, wenn auch unverdient, gewonnen." Partien wie diese seien in den verbleibenden Spielen immer wieder zu erwarten. "Unsere Gegner werden regelmäßig über sich hinaus wachsen und wir werden jeden Sonntag eine Topleistung bringen müssen."

 

von Enrico Bach

 

 

SG Jesteburg/Bendestorf:

Wrage − Putensen, S. Frommann, B. Frommann − Müller, Beyer, Blenck (74. Mucker), Diekhoff (64. Eickhoff), Jagusch, Matties − Weitzel

 

Werder Bremen:

Martens − König (46. Mauckisch), Chairsell, Holsten, Votava − Kersting, Hohagen, Freyhat, Horwege, Haar − Uyar

 

Tore: 1:0 Weitzel (40.), 1:1 Uyar (52.), 1:2 Haar (56.), 1:3 Horwege (75.), 2:3 Weitzel (80.)

 

gelbe Karte: Chairsell

 

Schiedsrichterin: Sabine Siegmund

 

Zuschauer: 70