Lob an beide Fanlager für ein tolles "kleines Nordderby"

Gespannte, friedliche Fußballatmosphäre wenige Minuten vor dem Anpfiff des "kleinen Nordderbys" gegen Hannover 96.
Fankurve
Donnerstag, 15.03.2012 // 12:15 Uhr

Der 3:0-Sieg am vergangenen Sonntag war ein großer sportlicher Werder-Erfolg im "kleinen Nordderby". Aber die Partie war auch ein Erfolg für den Fußball. Denn trotz der großen Rivalität zwischen den Fans beider Vereine verlief die Begegnung sehr friedlich.

Der 3:0-Sieg am vergangenen Sonntag war ein großer sportlicher Werder-Erfolg im "kleinen Nordderby". Aber die Partie war auch ein Erfolg für den Fußball. Denn trotz der großen Rivalität zwischen den Fans beider Vereine verlief die Begegnung sehr friedlich.

In dieser Bewertung waren sich die Verantwortlichen der Klubs und Sicherheitsbehörden einig. "Das war das ruhigste Derby gegen Hannover 96, das ich in meiner Funktion bisher erlebt habe. Und ich stehe jetzt schon in der achten Saison in der Verantwortung. Es gab zwar hier und da kleinere Straftaten, die bei einer Großveranstaltung dieser Art nicht zu verhindern sind, aber wenn Schwerpunkte wie Disziplin der Fanlager, Aggressivität und Pyrotechnik rückblickend bewertet werden, kommt man zu diesem positiven Ergebnis", unterstrich Heinz Pusch, Einsatzleiter der Polizei Bremen.

Auch Hinrich von Hallen, Werders Veranstaltungsleiter bei Bundesliga-Spielen, ist voll des Lobes für beide Fanlager und das Sicherheitskonzept. "Das ist voll aufgegangen. Aber so etwas funktioniert nur, wenn alle Beteiligten mitmachen. Deswegen möchte ich auch die friedliche und faire Reaktion des 96er-Publikums hervorheben, die nach der Partie mit einem gewissen Frustpotenzial umgehen mussten. In den vergangenen Wochen sind vermeintliche Fußballfans immer wieder in die Schlagzeilen geraten, aber am Sonntag hat man gesehen, dass es auch wichtige Fußballspiele ohne Feuerwerk, Handgreiflichkeiten und Gewalt geben kann."

Als Grund für den positiven Ausgang der Partie, die im Vorfeld als Risikospiel bewertet wurde, sehen die Verantwortlichen einige neue Ansätze des Umgangs mit den Fans. So wurde beispielsweise bei dieser Partie das Weser-Stadion 30 Minuten früher geöffnet als üblich, um den Andrang vor den Tribünen zu entzerren. Für die Gästefans wurde im Aufenthaltsbereich der Westtribüne ein Rahmenprogramm mit TV- Übertragungen geboten. Der Busshuttle für Fans verlief reibungslos.

Auch die Maßnahmen der Polizei griffen. "Wir haben erstmals in dieser Saison unsere polizeilichen Fanbegleiter auch bei Risikospielen im Einsatz. Das sind Kollegen in ziviler Polizei-Uniform, erkennbar an blauen Westen, die die Auswärtsfans begleiten und eher als Ratgeber und Ansprechpartner auftreten. Das scheint ein Ansatz zu sein, der sehr gut fruchtet", sagt Pusch.

Hinrich von Hallen sieht die Transparenz gegenüber den Fans als Erfolgsrezept. "Durch enge Kontakte, die wir immer wieder vor solchen Spielen zwischen beiden Vereinen und Sicherheitskräften geknüpft haben, durch die akribische Arbeit der Abteilungen 'Fanbetreuung' in beiden Klubs konnten wir eine Transparenz zu den Fans aufbauen, die es ermöglicht, alle Maßnahmen am Spieltag umgehend und begründet an die Fans zu kommunizieren, um dort Überraschungen zu vermeiden."

von Michael Rudolph