Werders U 23 will Offenbachs Heimstärke knacken

Machte wie seine Teamkollegen ein gutes Spiel in Offenbach, blieb jedoch ohne Punktgewinn: Stefan Ronneburg.
U23
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

SV Sandhausen, Erzgebirge Aue, VfB Stuttgart II, Bayern München II – fast jeder Mannschaft aus dem Süden Deutschlands stand Werders U 23 irgendwann in der Fußballgeschichte schon einmal gegenüber. Nicht so der kommende Gegner: Mit den Kickers aus Offenbach bekamen es die grün-weißen Talente noch nie zu tun, so dass die Partie am Samstag, 04.10.2008, um 14 Uhr im Stadion am Bieberer Berg zu einer Premiere wird.

 

Unbekannt sind die Offenbacher jedoch keineswegs. Trugen doch schon etliche Stars einst das Trikot der Kickers. Rudi Völler, Uwe Bein, Oliver Reck, Michael Kutzop, Winfried Schäfer und Österreichs ehemaliger Nationaltrainer Josef Hickersberger waren nur einige bekannte Fußball-Größen, die um Tore und Punkte für die Hessen kämpften.

 

Nach dem Abstieg begann bei Offenbach der Neuanfang

 

Mit drei Treffern ist Tufan Tosunoglu der beste Angreifer der Kickers.

Die "großen" Zeiten der Kickers liegen jedoch schon etliche Jahre zurück. Zwischen 1969 und 1984 waren die Offenbacher – von einigen Unterbrechungen abgesehen – fester Bestandteil der Bundesliga und feierten 1970 mit dem Gewinn des DFB-Pokals den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Anschließend pendelte der Traditionsclub bis heute zwischen der Oberliga und der 2. Bundesliga, aus der er in der vergangenen Saison in die 3. Liga abstieg.

 

Unter Trainer Hans-Jürgen Boysen und Sportmanager Andreas Möller folgte im Sommer der größte Umbruch in der bisherigen Vereinsgeschichte. Über 22 Spieler haben den Verein verlassen, dem stehen fast ebenso viele Neuzugänge gegenüber. Von den Stammkräften wurde lediglich Martin Hysky (fest)gehalten, um den eine junge Mannschaft aufgebaut wurde. Mesic (30), Zinnow (28) und Torwart Wulnikowski (31) zählen zu den erfahrenen Akteuren im Team. Mit Tufan Tosunoglu, an dem auch Werders U 23 interessiert war, verpflichtete der OFC zudem einen interessanten Spieler aus der Reserve vom MSV Duisburg. "Sie haben ein ähnliches Mannschaftsgebilde wie Kickers Emden, also eine gute Mischung im Team. Sie werden am Ende der Saison sicherlich im oberen Drittel der Tabelle stehen", schätzt Werder-Coach Thomas Wolter die Hausherren ein. Bislang spielte Offenbach jedoch eine mäßige Saison. Zwar blieb man am Bieberer Berg noch ungeschlagen, holte dafür aber auch auswärts noch keinen Sieg. Nach zwei Siegen, vier Unentschieden und zwei Niederlagen nimmt der OFC derzeit den 12. Tabellenplatz ein. "Sie haben sich zu diesem Zeitpunkt sicherlich einen anderen Punktestand vorgestellt. Aber das ist nun mal so, wenn man ein ganz neues Team mit jungen Spielern aufbaut", so Wolter.

 

Wolter: "In gewissen Momenten die richtige Entscheidung treffen

 

Nicolas Feldhahn wird nicht am Bieberer Berg auflaufen. Werders Nummer 6 sitzt eine Gelbsperre ab.

Der Bremer Coach, der gegen Offenbach seinen 45. Geburtstag feiert, weiß genau, wovon er spricht, erlebt er doch Woche für Woche bei seiner eigenen Mannschaft ein Wechselbad der Gefühle, das mit der 4:5-Niederlage am vergangenen Wochenende den vorläufigen Höhepunkt erreichte. "In der Nachbetrachtung war sicherlich nicht alles so schlecht, wie ich es vielleicht zuerst gesehen habe. Wir haben auch gegen Stuttgart gute Sachen gesehen. Wie zum Beispiel die von uns erzielten Tore. Gegen Stuttgart muss man erst einmal vier Tore machen, sie mussten schließlich in den drei Spielen zuvor nicht ein einziges hinnehmen", erklärt der Bremer Coach, der die fünf Gegentreffer jedoch nicht unter den Tisch fallen lassen möchte: "Wir standen in den entscheidenden Momenten zu weit vom Gegenspieler weg und die Jungs müssen lernen in gewissen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen. Aber deswegen sind sie ja auch bei uns. Wären sie alle schon perfekte Fußballer, würden sie woanders spielen", verweist Wolter auf den Ausbildungsgedanken der Grün-Weißen.

 

Trainer Thomas Wolter war mit Werders Profi-Mannschaft übrigens schon einmal auf dem Bieberer Berg zu Gast. In der 3. Runde des DFB-Pokals 1993/1994 gewannen die Grün-Weißen mit 5:4 nach Elfmeterschießen gegen die Kickers. In der Bundesliga spricht die Bilanz sogar für Offenbach. Von 14 Spielen gewann Offenbach sieben, sechs Mal siegte Werder und einmal trennte man sich mit einem Unentschieden.

 

In der 3. Liga hat man nun also die Chance, die Statistik fortzuführen. Auf die Einsätze einiger Akteure muss Thomas Wolter dabei jedoch verzichten. Nicolas Feldhahn sitzt seine Gelb-Sperre ab, Julian Grundt (Kreuzbandriss), Alexander Hessel (Achillessehnenprobleme), Max Kruse (Schienbeinbruch) und Pascal Testroet (Rückenprobleme) fallen verletzungsbedingt aus und Thorsten Oehrl schlägt sich noch mit einem grippalen Infekt herum. Sein Einsatz steht auf der Kippe.

 

Norman Ibenthal