60plus zum Blick hinter die Kulissen im Bremer Landgericht

Werders 60plus-Mitglieder blickten hinter die Kulissen des Bremer Landgerichts.
WERDER BEWEGT
Dienstag, 25.01.2011 // 15:40 Uhr

Vor Ort wurden die jung gebliebenen Werderaner von Norbert Larisch in Empfang genommen. Zu Beginn erläuterte der ehemalige Geschäftsleiter der Staatsanwaltschaft und heute verantwortlich für Besuchergruppen im Bremer Landgericht, dass der Besuch in einem Gerichtshaus für viele Bürgerinnen und Bürger einem Zahnarztbesuch gleich kommt: Nur hingehen, wenn es unbedingt sein muss. Das ist im Hinblick auf die Nutzung des Gebäudes als Gerichtsstätte verständlich, gibt es doch in der Regel immer eine Partei, die unterliegt, abgeurteilt wird oder zwangsläufig einen Vergleich als Kompromiss schließen muss.

Am vergangenen Montag versammelten sich rund 30 Mitglieder des Projekts 60plus an der Domsheide. Auf dem Programm stand ein Blick hinter die Kulissen des Bremer Landgerichts.

Neben diesen eigentlichen Ereignissen in einem Gerichtshaus lohnte es sich für unsere jung gebliebenen Werderaner jedoch, das Gebäude mit seiner Bau- und Handwerkskunst, seinen Allegorien und Ausschmückungen sowie seinen rechtsgeschichtlichen Hinweisen zu erleben. Im Eingangsbereich des unter Denkmalschutz stehenden "Alten Gerichtshauses" berichtete Norbert Larisch über die Entstehungszeit des architektonisch und allegorisch auffälligen Gerichtsgebäude in Bremen. Nachdem im Oktober 1891 feierlich der Grundstein gelegt worden war, wurde das Alte Gerichtshaus nach den Entwürfen der Oldenburger Architekten Weber und Klingenberg im Stile des Historismus errichtet. Am 30. September 1895 wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Der Experte erklärte, dass in dem Gebäude ursprünglich die gesamten bremischen Gerichte, das Amtsgericht und Landgericht sowie das Handelsgericht, die Staatsanwaltschaft und ein Untersuchungsgefängnis untergebracht waren.

Im Treppenhaus zu den Gerichtssälen machte Norbert Larisch die 60plusler auf ein großes Glasbild der Justicia aufmerksam. Diese hält eine Waagschale in ihrer Hand, womit das Gute und Böse symbolisiert werden soll. Zusätzlich erklärte Norbert Larisch die Symbolik des breiten Treppenaufgangs zum Schwurgerichtsaal, der den öffentlichen Zugang zum Gericht für jedermann darstellt.

Gespannt und letztlich sehr beeindruckt betraten die Grün-Weißen den Schwurgerichtssaal. Zuerst erläuterte der Experte den Werderanern den Ablauf einer Verhandlung im Gerichtssaal und berichtete über die Sitzplatzverteilung. Dabei erfuhren die 60plusler, dass es nicht selten der Fall ist, dass Zuschauer über die Brüstung springen. Für solche Fälle sitzen mittlerweile sogar Polizeibeamte in den Sälen. Darüber hinaus erklärte Herr Larisch die Bedeutung der Robe eines Richters. Diese gilt als Zeichen für das Privileg, Recht aussprechen zu dürfen und nicht selbstgefällig zu richten.

Die Einrichtung und Fassade des Schwurgerichtssaals ist entsprechend der Entstehung im Historismus reich mit dekorativem Schmuck und Allegorien versehen, die z.B. die sieben Tugenden sowie Laster des Menschen abbilden. Hierbei wurde vor allem auf christliche Überlieferungen zurückgegriffen. Der Schmuck ist bewusst in aufwendiger Handwerksarbeit ausgeführt worden, da den bremischen Handwerkern die Gelegenheit gegeben werden sollte, ihr Können darzustellen. Trotz schwerer Bombenschäden in der bremischen Innenstadt konnte das "Alte Gerichtshaus" den zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstehen. Somit
durften sich Werders 60plus-Mitglieder auch heute noch an dem historischen Bau in der Bremer Innenstadt erfreuen, der mit seinen Dimensionen und seiner Ausstrahlung das historische Zentrum prägt.

Beeindruckt und begeistert erlebten Werders 60plusler einen spannenden Rundgang durch das Bremer Landgericht.


Michael Arends