1:10 gegen Duisburg: "Die 1 ist doch ganz schön!"

Rekordkulisse für Werders Fußball-Frauen: 800 Fans wollten den DFB-Pokal-Kracher gegen den FCR Duisburg sehen und bereuten ihr Kommen nicht.
WERDER Fußballschule
Sonntag, 19.10.2008 // 16:20 Uhr

Eine weitere Sensation ist ausgeblieben: In der zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde hatte Werders 1. Frauen dem Bundesliga-Starensemble FCR Duisburg kaum etwas entgegen zu setzen und verlor 1:10.

Eine weitere Sensation ist ausgeblieben: In der zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde hatte Werders 1. Frauen dem Bundesliga-Starensemble FCR Duisburg kaum etwas entgegen zu setzen und verlor 1:10. Bereits nach siebzehn Minuten hatte der deutsche Vizemeister einen 4:0-Vorsprung heraus geschossen. Werder konnte im Verlauf des Spiels aber den Rhythmus etwas erträglicher gestalten und kam durch ein schönes Tor von Antje König sogar zum verdienten Ehrentreffer.

 

Die Bremer Anfangsformation wies drei Neuerungen auf: Stephanie Schröder, Eva-Marlen Votava und Chadia Freyhat rückten ins Team, Mira William, Saskia Mauckisch und Katharina Haar mussten ihren Platz räumen. Alle Personalien waren aber schon nach wenigen Sekunden uninteressant, hatte doch die Bundesliga-Torschützenkönigin der letzten Saison schon zum ersten Mal genetzt. Eine flache Hereingabe von rechts hatte den Weg zwischen allen Abwehrbeinen hindurch gefunden und Inka Grings ganz typisch am rechten Fleck gestanden (2.).

 

Drei Gegentore in fünf Minuten

 

Das war natürlich eine kalte Dusche für die motivierten, aber auch sichtlich nervösen Gastgeberinnen, die nun eine Angriffswelle nach der anderen auf sich zurollen sahen. Grings und Marina Hegering trafen aber zweimal in guten Positionen den Ball nicht richtig (3. und 7.). In der 12. Minute fiel schon das 0:2: WM-Finaltorschützin Simone Laudehr drückte eine Flanke aus wenigen Metern volley ins Netz, drei Ecken in Folge waren voraus gegangen. In der 14. Minute konnte sich Werders Torfrau Jennifer Martens gegen Grings auszeichnen, bevor sie kurz darauf zweimal hinter sich greifen musste. Sonja Fuss traf nach einem Freistoß von Laudehr (15.), wenig später profitierte Corina Schröder mit einer Flanke von einem Martens-Fehler – das 0:4 war ein halbes Eigentor (17.).

 

Das Tempo, die Technik, die Kombinationen – die Duisburgerinnen präsentierten sich mit beeindruckendem Fußball in Bremen, vor allem das offensive Dreigestirn Grings, Bresonik, Laudehr brillierte mit sehenswertem, flinken Direktspiel. Direkte Folgen: ein Lattenknaller von Elena Hauer (22.) und ein Abseitstor der ebenfalls auffälligen Charline Hartmann (24.), die nach weiterem tollen Zusammenspiel allein vor Martens kühl zum 0:5 vollendete (27.). Ihr war auch das schönste Tor des Mittags vorbehalten: Eine zentrale Kopfballabwehr von Möhlmann nahm sie bei 18 Metern volley und jagte die Kugel mit Wonne unters Tordach (35.). Werder konnte sich kaum befreien und blieb bis auf wenige individuelle Aktionen stets in der passiven Rolle.

 

Der ganz besondere Moment in Minute 63

 

Das blieb auch nach der Pause so, obwohl Gäste-Trainerin Martina Voss Inka Grings und Simone Laudehr vom Platz nahm. Bresonik (53.) und die eingewechselte Annemieke Kiesel (56.) erhöhten aber mit zwei ähnlichen Toren aus zehn Metern halbrechter Position schnell weiter, Fuss erzielte per Kopf das 0:9 (58.). Nach einer Stunde wagten sich die Grün-Weißen mal etwas weiter nach vorn. Ein erster Freistoß verpuffte zwar noch ohne Gefahr, der zweite sorgte allerdings für die kleine Sternstunde der Partie: "Kaddy" Hamann hatte ihn von rechts hinein gebracht, er trudelte durch bis zur freistehenden Antje König, die ihn humorlos hoch ins Tor drosch! "Ich wollte ihn erst mit dem Kopf nehmen, doch dann war er zu flach, also hab ich einfach dran gehauen", erklärte die glückliche Torschützin, die sich über ein "super besonderes" Tor und ein "geiles Gefühl" freute.

 

Der verdiente Ehrentreffer der tapfer kämpfenden Werderanerinnen war die Geschichte der zweiten Halbzeit, auch wenn die Duisburgerinnen nach wie vor anrannten und enorm ballsicher ihren Kontrahentinnen allen Laufeinsatz abforderten. Die zur Halbzeit eingewechselte Rückkehrerin Kathrin Intemann im Tor bekam viele Gelegenheiten, sich auszuzeichnen und nutzte sie auch. Unter anderem parierte sie stark gegen Kiesels Distanzschuss (72.) und vor dem 1:10, als zu ihrem Pech Stephanie Goddard den Abstauber verwandeln konnte (75.). Viel mehr passierte nicht mehr.

Prominentes Lob für Werders Projekt

 

"Wir haben uns gefreut, hier zu spielen. Es war eine schöne Atmosphäre, die Fans hier haben das gut angenommen und wurden mit dem sehenswerten Tor auch belohnt", lobte FCR-Trainerin Martina Voss. Wie der 1.FCR-Vorsitzende Guido Lutz ("Wir sehen uns in vier, fünf Jahren in der Bundesliga wieder…!") hält auch sie viel von Werders Frauenfußball-Projekt: "Werder gibt ein gutes Beispiel ab, da hier auf Kontinuität und eine intelligente Nachwuchsarbeit gesetzt wird und nicht mal eben ein paar Geldscheine in die Hand genommen werden."

 

Da man in Bremen vor dem Spiel die krasse Außenseiterrolle angenommen hatte, war man des Spielverlaufs nicht grimmig. "Das war nationale und internationale Spitze, die sich heute hier präsentiert hat", sagte Chadia Freyhat, "da braucht man nicht böse sein." Trainerin Birte Brüggemann brachte die Gemütslage nach dem finalen DFB-Pokal-Erlebnis auf diese Formel: "Ich habe erwartet, dass es hoch, aber befürchtet, dass es höher wird." Es sei ein Spiel gewesen, das man positiv mitnehmen könne. "Gerade die 1 im Ergebnis finde ich ganz schön und dass wir selbstbewusst genug waren, ab und zu zu versuchen mitzuspielen."

 

Beim nächsten Regionalliga-Spiel am kommenden Sonntag, 26.10.2008, bei SuS Simmel wird es wieder Werder sein, dass spielerisch den Taktstock zu schwingen hat.

 

von Enrico Bach

 

 

 

Werder Bremen: Martens (46. Intemann) – Schröder, L. Möhlmann, Holsten, Votava – Hohagen (61. Krämer), Kersting, König (78. Aulich), Hamann, Freyhat – Uyar; auf der Bank: Mauckisch, Haar, Päs, Beling

 

FCR Duisburg: Bellinghoven – Prießen, Hauer, Hegering, Schröder – Martini, Fuss, Laudehr (46. Kiesel), Grings (46. Goddard) – Hartmann, Bresonik (58. van Bonn); auf der Bank: Längert, Oster

 

Tore: 0:1 Grings (2.), 0:2 Laudehr (12.), 0:3 Fuss (15.), 0:4 Schröder (17.), 0:5 und 0:6 Hartmann (27. und 35.), 0:7 Bresonik (53.), 0:8 Kiesel (56.), 0:9 Fuss (58.), 1:9 König (63.), 1:10 Goddard (75.)

 

gelbe Karten: keine

 

Schiedsrichterin: Kathrin Meingast (Hamburg)

 

Platz 12 am Weserstadion: 800 Zuschauer