Positive Signale setzen und das Echo ernten

Gemeinsam mit den Fans im Rücken wollen die Werder-Profis am Sonntag wieder jubeln und einen Heimsieg einfahren.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Überraschungsteams, die in der laufenden Spielzeit unerwartete Höhenflüge vollbringen, finden sich reichlich. Kurzzeitig schien es, als reihe sich auch der FC St. Pauli munter in diese Ansammlung mit ein. Doch den Ende September zwischenzeitlich sogar eroberten sechsten Tabellenplatz hat der Aufsteiger bereits eine ganze Weile aus den Augen verloren. Das verursachte erwartungsgemäß alles andere als ein Trauma.

 

Am Millerntor steht der Klassenerhalt an erster Stelle

 

Geschäftsführer Klaus Allofs und Cheftrainer Thomas Schaaf hoffen auf einen Heimsieg gegen St. Pauli.

Am Millerntor wissen sie ihre sportlichen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen: Der Klassenerhalt steht an erster Stelle! Eine absolut aufopferungsbereite Mannschaft steht Trainer Holger Stanislawski auf diesem langen Weg zur Verfügung. Der 14. Spieltag lässt nun am Sonntag, 28.11.2010, um 15.30 Uhr Werder Bremen und die Hamburger im ausverkauften Weser-Stadion aufeinandertreffen. Werders Cheftrainer Thomas Schaaf hat die bisherigen Etappen des Kontrahenten aus der kurzen Entfernung genauestens mitverfolgt und sagt: „Sie haben in den letzten Jahren eine gute Entwicklung genommen und aktuell schon ein Bild abgegeben, das man von ihnen so nicht erwartet hatte.“ Er meint damit insbesondere die fußballerischen Akzente, die dieses Team - neben dem bekannten unaufhörlichen Einsatzwillen - setzt.

 

„St. Pauli spielt insgesamt eine tolle Saison“, lobt Schaaf, nur „ist es immer die große Kunst, das schöne- auch mit dem erfolgreichen Spiel zu realisieren.“ Exemplarisch geriet dies nicht zuletzt etwa gegen VfL Wolfsburg - beim 1:1 am vergangenen Wochenende - etwas unglücklich ins Missverhältnis. Pauli war über lange Phasen mehr als ebenbürtig, drückte, kombinierte, besaß Chancen - aber sammelte letztendlich nicht den - möglichen - kompletten Ertrag ein. Auch deswegen warten die Braun-Weißen mittlerweile seit fünf Partien auf einen Sieg. Noch Anfang November merkte Angreifer

Torsten Frings im Duell mit Deniz Naki. Im DFB-Pokal 2009/10 besiegte Werder den damaligen Zweitiligisten FC St. Pauli mit 2:1.

Gerald Asamoah im Fachmagazin ‚kicker‘ warnend die Tücken des Alltags an, die auf diesem ausgeglichen hohem Bundesliga-Niveau einiges kosten können: „Es ist so, dass wir diese Galligkeit, ein Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, nicht mehr haben! Jeder lief nach dem guten Start rum und dachte, es geht schon irgendwie.“

 

Allofs: „Möglichst schnell aus diesem Tabellenbereich herauskommen“

 

Ein Weckruf, der verstanden scheint. Vor allem die Art und Weise des letzten Unentschiedens stimmt hoffnungsfroh - ebenso das Auftreten unter der Woche im Training. „Wir können optimal vorbereitet nach Bremen fahren können“, konstatierte Holger Stanislawski deshalb zufrieden und schloss mutig an: „Wir brauchen in Bremen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu warten, sondern werden versuchen, das Maximum zu holen." Dort, in Bremen, kehrten die Grün-Weißen gerade von einem 0:3 aus London zurück. „Wir sind nicht mehr in der Champions League dabei und laufen in der Bundesliga den Erwartungen hinterher“, fasste Geschäftsführer Klaus Allofs enttäuscht zusammen, „aber so etwas kann uns immer mal treffen, damit müssen wir leben“ und nun vielmehr „möglichst schnell aus diesem Bereich der Tabelle herauskommen.“

 

"Bremen braucht die Punkte unbedingt, wir wollen sie unbedingt" - St. Paulis Trainer Holger Stanislawski

Jegliche Fokussierung ist wieder ausnahmslos auf die Bundesliga gerichtet. Explizit „denken wir jetzt nur an St. Pauli und wollen dort alles richtig machen“, detaillierte Thomas Schaaf. Natürlich könnten dabei günstigere Vorzeichen herrschen - sei es auf dem Punktekonto oder im weiterhin dezimierten Kader. „Aber im Rahmen dieser Möglichkeiten kann man alles einbringen“, verlangt Klaus Allofs und blickt optimistisch voraus: „Wir werden das Beste daraus machen.“

 

Die Unterstützung der Fans ist keine Einbahnstraße

 

Holger Stanislawski jedenfalls sieht auf sich und die Seinen eine „fußballerisch sehr starke Mannschaft“ zukommen, „die natürlich mit einem gewissen Druck zu kämpfen hat. Bremen braucht die Punkte unbedingt, wir wollen sie unbedingt - so hat jeder seinen eigenen Rucksack zu tragen." Ganz alleine werden ihn die Werder-Profis nicht schultern müssen. Denn ihnen wiederum aktiv und eindrucksvoll zur Seite stehen die eigenen Anhänger. Ein großes Faustpfand - nicht zuletzt in unerfreulichen Tagen. Stellvertretend für die Mannschaft weiß Klaus Allofs: „Wir sind in London sensationell gut unterstützt worden - aber das ist keine Einbahnstraße. Wir müssen die richtigen Signale dafür setzen, dann wird ein dementsprechendes Echo von den Fans kommen.“

 

von Maximilian Hendel