Hohe Hürden säumen den noch langen Weg

Siegtorschütze Clemens Fritz und Marcel Schäfer im Duell beim Volkswagen SuperCup.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Was nutzt es, um Längen in die Zukunft zu blicken, gar irgendwelchen in der Jetztzeit noch so weit entfernten Träumereien anheim zu fallen, wenn am kommenden Samstag, 28.11.2009, 15.30 Uhr eine abermalig schwere Aufgabe im Weser-Stadion wartet? Der VfL Wolfsburg – seines Zeichens amtierender Meister – tritt an, Werder Bremens auf 20 Spiele angehäuften niederlagenlosen Serie ein Ende zu bereiten. Dennoch wecken die seit Ende August zum Teil beeindruckenden Auftritte der Grün-Weißen verständlicherweise Aufsehen und vor allem Begehrlichkeiten in der Öffentlichkeit.

 

Welche Wünsche werden in Erfüllung gehen?

 

Die Cheftrainer Thomas Schaaf und Armin Veh.

„Wir gehen nicht hinaus und posaunen, sondern wir werden gefragt und geben Antworten“, verdeutlichte Cheftrainer Thomas Schaaf in Einleitung zur persönlichen Aufklärung des unausweichlichen Wissensdurstes der Journalisten in der heutigen Pressekonferenz, wonach sich Werders Verantwortliche sehnen: „Natürlich möchten wir die Nummer eins sein“, gestand Schaaf ohne zu missachten, dass sich allein sieben andere Bundesliga-Mannschaften derzeit ebenfalls berechtigte Hoffnungen darauf machen dürfen. Wer möchte das nicht? Der 48-Jährige weiß: „Alle haben den Wunsch hier in Bremen. Es bleibt die Frage, ob alle Wünsche auch erfüllt werden können.“

 

Wünsche, wie etwa die Kontinuität beizubehalten, dass die Mannschaft die größtmögliche Substanz aus sich herausholen kann und natürlich so lange wie möglich im Stande ist, sich so weit oben zu platzieren. Oder gar Perfektion an den Tag zu legen, wie auch immer diese fußballerische Sphäre definiert werden kann? „Das werden wir nie erreichen“, unterstreicht Geschäftsführer Klaus Allofs und betonte: „Das heißt jedoch nicht, dass wir unzufrieden sind. Bisher hat die Mannschaft alle sehr gut umgesetzt. Die Entwicklung ist zufriedenstellend.“ Thomas Schaaf pflichtete ihm bei: „Wir sind auf einem guten Weg, absolvieren gute Spiele gepaart mit guten Ergebnissen.“

 

„Wir sind auf einem guten Weg“

 

Torsten Frings stemmt den ersten Titel der Saison 2009/10.

„Toll“ sei es, was sein Team derzeit anbiete, manchmal sogar „eindrucksvoll wie in Freiburg.“ Aber der Weg ist noch weit, die noch bevorstehenden Hürden auf jenem werden nicht niedriger. Bei aller Euphorie: „Unser Ansporn ist es, weiter diese Leistungen abzurufen, weiter die Ergebnisse zu zeigen. Anders ist es nicht möglich, ganz vorne zu stehen und zu bleiben“, erinnert der Cheftrainer. „Denn wir blicken nicht Monate voraus, sondern auf Wolfsburg - darauf müssen und werden wir uns konzentrieren“, bringt er es auf den Punkt. Gut vier Monate – in den Sommer 2009 – zurückzuschauen, sei jedoch kurz gestattet. Anno dazumal streckte Werders Kapitän Torsten Frings mit intensiv prüfendem Blick eine noch ungewohnte Sieger-Platte in den Wolfsburger Abendhimmel. Der Pokalsieger hatte zuvor dem anderen aktuellen Titelträger den inoffiziell wiederbelebten Volkswagen SuperCup abgerungen. Tore von Per Mertesacker und Clemens Fritz brachten einen 2:1-Sieg. Gewiss eine kleine Rehabilitation für die 1:5-Schlappe am letzten Spieltag der Vorsaison.

 

In der Gegenwart haben die Wolfsburger „erst gestern“ – in der Champions League – „wieder gezeigt, wozu sie fähig sind“, trotz einer absolut unglücklichen Niederlage bei ZSKA Moskau. Und egal, ob der zusätzlichen Wochenbelastung, die den Bremern diesmal erspart blieb, „werden sie auch am Wochenende so stark sein, dass wir eine Topleistung abrufen müssen“, erklärte Schaaf weiter.

 

Josué fehlt gelbgesperrt, die Offensive ist vollzählig

 

Kapitän Josué wird dem VfL gesperrt fehlen.

Unter Trainer Armin Veh und im Jahr eins nach Felix Magath sind alle Stützen des sensationellen Triumphes der Vorsaison dem Verein treu geblieben. Vor allem auf die brillante Offensive ist auch heuer Verlass. Bislang 19 von 25 Bundesliga-Toren gelang dem Quartett Misimovic, Neuzugang Martins, Dzeko und Grafite. Jedoch klingelte es bereits 23 Mal im eigenen Gehäuse.

 

Sich davon blenden zu lassen, wäre fahrlässig. Nur sieben Gegentore kassierten die Niedersachsen in Bundesliga-Auswärtsspielen, gewannen unter anderem in Hoffenheim und auf Schalke. Wolfsburg demonstrierte nebenbei in Europa Extraklasse bei Besiktas Istanbul, was einen 3:0-Sieg herausspringen ließ, aber auch beim großartigen Auftritt in Old Trafford gegen Manchester United (1:2). Allerdings muss Armin Veh auf den wichtigsten defensiven Strippenzieher verzichten. Kapitän Josué wird in Bremen aufgrund einer Gelbsperre fehlen, wohingegen im Angriff immerhin die Cremé de la Creme bereit steht. Übrigens – nach der 2:3-Heimniederlage gegen Nürnberg belegte der VfL gerade Rang acht der Bundesliga. Wie wenig Aussagekraft derartiges annehmen kann, das bewiesen die Wölfe im Vorjahr. Damals lagen sie zur Winterpause punktgleich hinter Werder nur auf Platz neun. Das Ende ist bekannt.

 

von Maximilian Hendel