FCN empfängt Werder: "Harry" fehlt und Heimkomplex droht

66-mal trug Angelos Charisteas in der Bundesliga die grün-weiße Raute. Ein Wiedersehen mit seinen Ex-Kollegen auf dem Platz bleibt ihm vorerst leider versagt, er fällt am Wochenende mit einer Bänderdehnung aus.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der Pokalsieger wartet. Und er hat etwas gut zu machen. Der 1.FC Nürnberg, auf den Werder am Samstag, 25.08.2007, 15:30 Uhr im easycredit-Stadion trifft, hat nicht nur beide Spiele in der letzten Saison gegen Werder verloren. Er ist mit einem 2:4 gegen Schalke im Ligapokal und einem 0:2 gegen Aufsteiger Karlsruhe am 1. Bundesliga-Spieltag auch enttäuschend in die Saison gestartet. Schon das letzte Heimspiel der vergangenen Spielzeit ging gegen den HSV mit 0:2 daneben. Die Mannschaft von Trainer Hans Meyer will dringend beweisen, dass sie keinen Heimkomplex ausbrütet.

 

Im November 2006 jubelte Torsten Frings in Nürnberg noch über sein einziges Saisontor. Am Samstag fehlt er seinem Team noch.

Letzte Saison: Enge Spiele, knappe Werder-Siege

 

Das Negativerlebnis KSC hat sie schon in Rostock wieder korrigiert. Beim zweiten Aufsteiger gewann man verdient mit 2:1 (2:0). Nun richtet sich alle Konzentration auf das Projekt "Heimsieg" und damit auf Werder. "Sie wollen natürlich nicht das zweite Heimspiel in Folge verlieren", weiß auch Werders Cheftrainer Thomas Schaaf, "sie werden versuchen, uns das Leben schwer zu machen." In den beiden letzten Spielen gelang das den "Clubberern" gut. Zwei wirklich enge Partien verloren sie gegen Werder jeweils sehr knapp. In der Hinrunde zeigten sich die Grün-Weißen unbeeindruckt vom druckvollen Nürnberger Spiel und den guten Chancen der Gastgeber und zogen durch prächtige Tore von Frings und Diego entscheidend davon (Endstand 1:2). Am 28. Spieltag im April brauchte es dann den Super-Joker Markus Rosenberg um die wehrhaften Franken zu besiegen – per Hacke schoss er kurz nach seiner Einwechslung das goldene Tor.

 

Rosenbergs Hackentor in der Rückrunde gegen den Club war eines der kuriosesten und schönsten Werder-Tore der Saison.

Es war Werders 24. Bundesliga-Sieg gegen Nürnberg im 50. Spiel (bei 13 Niederlagen), sieben davon konnten im alten Franken- bzw. neuen easycredit-Stadion gefeiert werden. "Da wartet ein schwerer Gegner auf uns", sagt Thomas Schaaf. "Es waren für uns bisher immer schwere Spiele in Nürnberg, auch wenn die Bilanz insgesamt positiv ist." Richtig: Den sieben Siegen im Frankenland stehen nämlich zehn Pleiten gegenüber, die elfte soll unbedingt vermieden werden. Dazu bedarf es der Rückbesinnung auf durchaus vorhandene gute Ansätze aus den letzten Spielen. Jüngstes Beispiel: "Wir müssen die positiven Dinge aus der 1. Halbzeit gegen die Bayern wieder aufnehmen und diese Eindrücke umsetzen", fordert Schaaf. Da hatte Werder mit Leidenschaft dagegen gehalten und wieder manche Kombination gezeigt.

 

Platz 6 und Pokalsieg – die tolle Club-Bilanz

 

Leidenschaft und Kombinationen – das ist Fußball, für den in der vergangenen Saison auch der Club stand. Nach einer ganz starken Runde stand er am Ende auf dem sechsten Platz, nahm die Glückwünsche für die beste Abwehr der Liga (wie Schalke nur 32 Gegentore) entgegen und bereitete sich auf das Pokalfinale vor. In Berlin verdarben die Franken dann dem VfB Stuttgart mit einem 3:2 nach Verlängerung das Double und holten den ersten Titel seit der letzten von neun Meisterschaften 1968. Trotz der Erfolge verließen einige Stützen im Sommer den Verein. Torwart Raphael Schäfer ging nach Stuttgart, Jan Polak nach Anderlecht, Markus Schroth zurück zu 1860 München. Auch Ivica Banovic (Freiburg) und

Riesenjubel in Berlin: Der FCN holte sich in einem tollen Finale den DFB-Pott, Kapitän Raphael Schäfer spielt mittlerweile in Stuttgart.

Vratislav Gresko (Leverkusen) trainieren nicht mehr unter Hans Meyer. Der Trainer und Sportdirektor Martin Bader holten teilweise namhaften Ersatz: Peer Kluge kam aus Gladbach, Zvjezdan Misimovic vom VfL Bochum, Jaromir Blazek von Sparta Prag beerbte Raphael Schäfer. Der prominenteste Neuzugang ist aber Europameister Angelos Charisteas, der vom Sommer 2002 bis zum Jahreswechsel 2004/05 bei Werder stürmte und nach einem Holland-Ausflug mit den Stationen Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam in die Bundesliga zurückkehrte.

 

18 Tore erzielte er für die Grün-Weißen in 66 Bundesligaspielen, für den Club klappte es schon in mehreren Testspielen und zweimal beim 6:0 bei Viktoria Hamburg in der 1. Pokalrunde. Seinem Ex-Club wird "Harry" aber nicht gefährlich, der EM-Finaltorschütze von 2004 zog sich in Rostock eine Bänderdehnung zu und fällt für die Partie gegen Bremen aus. Auch Javier Pinola, den eine Oberschenkelverhärtung plagt, steht nicht im Kader. Aufgrund dieser Ausfälle ist Thomas Schaaf noch nicht ganz sicher, "welche Mannschaft uns dort erwartet." Sicher ist aber mal eines: "Es wird ganz bestimmt keine einfache Partie." Zumal Boubacar Sanogo (Schaaf: "Auf ihn müssen wir wahrscheinlich verzichten") und Carlos Alberto jene Reihen zu gut gefüllt halten, die Leon Andreasen und der auf dem Weg der Besserung befindliche Clemens Fritz gerade gelichtet hatten.

 

von Enrico Bach