Werder gegen Bochum: Gegen die Serie, für die Serie

Die Werder-Mannschaft total zufrieden - in Bochum konnte man sehen, wie das geht und wie schön das ist.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werders Cheftrainer Thomas Schaaf sagt zwar, dass "Statistik fälschen kann" und stellt mit Nachdruck klar, dass er auch auf die Bilanz seiner Mannschaft gegen den VfL Bochum wenig gibt. Aber was Werder gegen den Gegner von Samstag, 03.03.2007 (Anstoß 15.30 Uhr) bisher erreicht hat, ist schon aller Ehren wert. 37 von 59 Bundesliga-Spielen gegen den Revierklub hat Werder gewonnen, in den letzten 20 Jahren musste Werder in 41 Partien nur drei Mal alle Punkte abgeben. Vor allem im Weser-Stadion hat sich Grün-Weiß immer gern den Duellen mit dem VfL gestellt, denn bisher hat Bochum hier noch nie gewinnen können.

 

Weil man aber, so Thomas Schaaf weiter zum Thema Statistik, "auch mit 60 Prozent Ballbesitz 0:3 verlieren kann", hat er seine Mannschaft natürlich und gerade auch in dieser Woche dazu angehalten, "im Training energisch zu arbeiten". Energische Übungen sind kein Widerspruch zu den Chancen, die die nicht-englische Woche laut Schaaf bietet. Dass nämlich, so Schaaf, "auch mal etwas Anspannung heraus genommen werden konnte, dass man mehr Zeit hat, sich um die Behandlungen der verletzten Spieler zu kümmern und Dinge ausführlicher anzusprechen." "Energisch" kommt von Energie – Energie, die Werder in dieser Woche tanken wollte und musste, um den Trend der letzten Partien zu stoppen und den Blick wieder nach oben richten zu können.

 

Geht weite Wege – gern auch jubelnd: Bochums Torjäger Theofanis Gekas.

Das bloße Aufladen der Akkus reicht da nicht aus, Werder muss auch zurück zu seinem Stil finden. Diesen hatte Thomas Schaaf beim letzten Spiel in Mönchengladbach schon aufblitzen sehen und am Samstag soll er noch heller leuchten: "Wie in weiten Teilen der zweiten Halbzeit in Gladbach wollen wir auch gegen Bochum nicht passiv sein, sondern aktiv und bestimmend, zusätzlich noch mit dem nötigen Druck zum Abschluss." Dabei soll freilich nicht die Verteidigung des eigenen Tores vergessen werden, was Schaaf am Donnerstag noch einmal anmahnte: "Unser Defensivverhalten war zuletzt nicht ausreichend, da gibt es nichts zu beschönigen. Wir konnten uns genug wehren, haben da nicht genug geleistet."

 

Den Tabellen-Fünfzehnten erwartet Schaaf mit schnellem Konterfussball, der schon einige Bundesliga-Mannschaften in Schwierigkeiten gebracht habe: "Bochum spielt auswärts oft freier und stärker als zuhause". Immerhin elf seiner 24 Punkte hat der VfL in fremden Gefilden eingesammelt, in Hannover gewann das Team von Trainer Marcel Koller mit 2:0 und blieb zuletzt drei Mal in Folge in München, Cottbus (beide Spiele 0:0) und Bielefeld (3:1) auswärts ohne Niederlage. Schaaf hebt respektvoll den griechischen Stürmer Theofanis Gekas aus der Mannschaft hervor, der "sehr weite Wege geht", die ihn schon zehn Mal in dieser Saison jubelnd vom Tor weg geführt haben. Der zweitbeste Torschütze der Gäste wird am Samstag fehlen: Zvjezdan Misimovic hat beim 2:2 gegen Aachen am vergangenen Wochenende die fünfte gelbe Karte gesehen, noch ist unklar, wer ihn ersetzt. Kandidaten sind Tommy Bechmann, Joel Epalle und Ivo Ilicevic. Die Defensivkräfte Christoph Dabrowski, Benjamin Lense und Oliver Schröder trainierten in dieser Woche nur eingeschränkt, werden aber wohl zur Verfügung stehen.

 

Zaubertor: Im Hinspiel narrte Diego die gesamte Bochumer Abwehr mit einem unwiderstehlichen Solo.

Zurück zur Statistik: Im Hinspiel im rewirpowerSTADION in Bochum gelang Werder mit dem 6:0 der zweithöchste Auswärtssieg seiner Geschichte (6:0 auch gegen Stuttgarter Kickers und SC Freiburg). Vor allem eine grandiose zweite Halbzeit und Tore von Hunt, Schulz, Vranjes, Diego, Fritz und Naldo begeisterten mitten in Werders goldenem Oktober und bestätigten einmal mehr den Werder-Trend gegen Bochum. "Ich halte nicht viel von diesen Bilanzen", bleibt Thomas Schaaf unbeeindruckt, "Phasen, in denen es gut läuft, können sich auch schnell ändern." Das gilt allerdings auch für die nicht so guten Serien.

 

von Enrico Bach