Werder will nicht Zeuge des ersten HSV-Sieges werden

Werden sich am Samstag nicht auf dem Feld begegnen: Patrick Owomoyela und Ex-HSVer Daniel van Buyten beim vorletzten Nordderby in Kropp.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Für Thomas Schaaf geht es am Samstag, am 5. Bundesliga-Spieltag, trotz der großen Rivalität mit dem HSV nur um "normale" drei Punkte. "Wir stehen noch am Anfang der Saison und die Tabelle zeigt, dass noch nichts entschieden ist. Wir müssen unsere Ziele auch bei einer Niederlage nicht revidieren." Schaaf weiß genau, dass die drei Zähler ganz schwer aus Hamburg zu entführen sind. "Besonders in einem Nordderby werden Emotionen frei gesetzt, man muss nicht erst dreißig Minuten warten, bevor es zur Sache geht. Die besondere Stimmung ist direkt mit dem Anpfiff da." Beide Nordlichter der Bundesliga wollen in dieser Atmosphäre ihre Situation verbessern. Denn mit dem bisher Erreichten ist vor der 85. Auflage des Bundesliga-Klassikers an Elbe und Weser niemand glücklich.

 

Der HSV hat im vergangenen Jahr, nach zwei 8. Plätzen in den vorangegangenen Spielzeiten, die Champions-League-Qualifikation erreicht. Brisant: Dass es überhaupt zu dieser Zitterpartie gegen den spanischen Vertreter CA Osasuna kam, lag auch an den Grün-Weißen, die in einem packenden Duell den Hamburgern am letzten Spieltag der Vorsaison noch die Vize-Meisterschaft streitig machten. Dieses Saisonfinale in der AOL-Arena war an Dramatik kaum zu überbieten: Klasnic' Führung, Hamburger Chancen, Barbarez’ Ausgleich, Ailtons ausgelassene tausendprozentige Torchance, Kloses Supertor und Borowskis Elfmeter-Fauxpas. Beide Fanlager erinnern sich gut daran.

 

Nur wenige Monate später trafen sich die beiden in der AOL-Arena wieder.

Das HSV-Team, das am Samstag die Werderaner herausfordern wird, sieht jedoch deutlich anders aus, als noch im Mai. Die Abgänge von Daniel van Buyten (nach München), Sergej Barbarez (Leverkusen), Khalid Boulahrouz (Chelsea), Stefan Beinlich (Rostock), Naohiro Takahara (Frankfurt) und Ailton (Roter Stern Belgrad) wurden durch die Neuverpflichtungen Vincent Kompany (vom RSC Anderlecht), Joris Mathijsen (AZ Alkmaar), Juan Pablo Sorin (FC Villareal), Boubacar Sanogo (1.FC Kaiserslautern), Besart Berisha (AC Horens), Paolo Guerrero (FC Bayern) und Danijel Ljuboja (VfB Stuttgart) aufgefangen.

 

Gerade vor den neuen Stürmern warnt Thomas Schaaf: "Wir dürfen den Angriff des HSV nicht zur Entfaltung kommen lassen." Der Bremer Coach würde ungern Zeuge des ersten Bundesliga-Saison-Sieges der Hamburger sein. Bisher erreichten die Elbe-Kicker ein Unentschieden gegen Bielefeld (1:1), Cottbus (2:2) und Hertha BSC (1:1) sowie eine 0:1-Niederlage in Dortmund. Dazu war für Hamburg in der ersten Runde des DFB-Pokals Schluss, die Stuttgarter Kickers gewannen 4:3 nach Verlängerung. Und auch in der Champions League konnten sie beim 0:2 gegen Arsenal London wenig Selbstvertrauen sammeln.

 

Obwohl auch Werder zuletzt vier Niederlagen am Stück kassierte, sieht Thomas Schaaf wenig Parallelen zum HSV-Auftakt. „Wir haben unterschiedliche Voraussetzungen. Unter anderem haben wir zwei Spiele gewonnen und hatten schon ein Erfolgserlebnis.“ Klar ist aber auch: „Ein Sieg würde uns gut tun.“ Wozu, wie Schaaf sagt, seine Mannschaft ihr Spiel verbessern müsse.

 

Bitter für die Bremer, dass sie jetzt mit Verletzungspech konfrontiert werden. Torsten Frings (Knieprobleme), Ivan Klasnic (Sprunggelenksverletzung), Daniel Jensen (Adduktorenprobleme), Petri Pasanen (Knieprobleme), Miroslav Klose (Fußprellung) und Per Mertesacker (Fersen-OP) müssen noch um ihren Einsatz bangen.

 

Allofs HSV-Kollege Dietmar Beiersdorfer beklagt aber ebenfalls prominente Fragezeichen: Der Argentinier Sorin trainierte nach einer Wadenverletzung am Donnerstag das erste Mal mit der Mannschaft. Timothee Atouba bekam Mitte der Woche seine Leistenprobleme etwas besser in den Griff, sein Einsatz ist offen. Sicher nicht dabei sein wird Rafael van der Vaart. Er leidet weiter an einer eingerissenen Sehne im Oberschenkel. Auch Colin Benjamin und Guy Demel sitzen nur auf der Tribüne. Beide sind rot-gesperrt.

 

von Enrico Bach