Nürnberg: Auch ohne Marek Mintal ein starker Gegner

"Sympathien für Nürnberg, das Herz schlägt für Werder" – Kapitän Frank Baumann will die Grün-Weißen zum Erfolg gegen seinen Ex-Club führen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg beendet für Werder Bremen am Samstag, 15.10.2005, um 15.30 Uhr die zweiwöchige Bundesliga-Pause. Mit dem 'Club' stellt sich der derzeit 15. der Tabelle im Weser-Stadion vor. Das Team von Trainer Wolfgang Wolf kommt mit der Empfehlung eines 2:1-Sieges gegen den 1. FC Köln nach Bremen – dem ersten Erfolg dieser Spielzeit. „Die Nürnberger brauchten dieses Erfolgserlebnis, um nach dem turbulenten Saisonstart etwas zur Ruhe zu kommen“, beurteilt Werder-Cheftrainer Thomas Schaaf die Situation beim nächsten Gegner. „Sie hatten schon zuvor starke Spiele abgeliefert, konnten sich für die gute Leistung aber nicht immer Punkten belohnen.“ Erst einen Zähler verbuchten die Franken in ihren bisher vier Auswärtspartien – beim VfL Wolfsburg gelang ein 1:1.

 

Schaaf erwartet „eine gute Mannschaft, die versuchen wird, in der Defensive sicher zu stehen, um dann ihr gefährliches Konterspiel aufzuziehen“. Vor der Viererkette räumten im defensiven Mittelfeld zuletzt der tschechische Nationalspieler Jan Polak und der Schweizer Mario Cantaluppi ab und bildeten so einen starken Abwehrblock. Ob Torhüter Raphael Schäfer seiner Hintermannschaft den nötigen Rückhalt geben kann, ist noch ungewiss. Nürnbergs Nummer eins laboriert an einer leichten Adduktorenzerrung. Trainer Wolf ist jedoch zuversichtlich: „Zu 98,5 % spielt er.“ Sollte der Keeper ausfallen, wird voraussichtlich Philipp Tschauner den Kasten hüten. Für den 19-Jährigen wäre es der erste Bundesliga-Einsatz.

 

Nürnbergs Angreifer Stefan Kießling in toller Form

 

Verzichten muss 'Club'-Trainer Wolfgang Wolf definitiv auf Andreas Wolf (Muskelfaserriss im Oberschenkel), Bartos Bosacki (Oberschenkelprellung), Javier Pinola (Knöchelverletzung) und den Torschützenkönig der Vorsaison Marek Mintal, der wegen seines Mittelfußbruches noch längere Zeit ausfallen wird. Doch auch ohne den Torjäger kann Nürnberg eine starke Offensive aufbieten. „Vor allem Stefan Kießling hat zuletzt sehr auffällig gespielt“, weiß Thomas Schaaf. Der 21-jährige Angreifer erzielte nicht nur beide Treffer zum 2:1 gegen Köln, sondern traf Anfang September auch für die U21-Nationalmannschaft im wichtigen Spiel gegen England. Drei der bisher sechs Saisontore gingen auf Kießlings Konto. Neben ihm spielt mit Routinier Markus Schroth „ein sehr agiler Angreifer“, so Schaaf, „der sich 90 Minuten lang für das Team aufopfert und weite Wege geht“. Ob auch Markus Daun die Chance auf einen Einsatz bekommt, steht noch nicht fest. Den ehemaligen Werderaner plagt wie Torhüter Schäfer eine Adduktorenzerrung.

 

Wolfgang Wolf weiß, dass sein Team an der Weser „eine heikle Aufgabe“ erwartet. „Werder ist eine der spielstärksten Mannschaften der Liga“, findet der Coach, der mit Unbehagen an die klare Niederlage der vergangenen Saison denkt: „Damals hat unser Auftritt in Bremen überhaupt nicht gepasst. Mit dem 1:4 haben wir dafür die Quittung bekommen.“ Der letzte Sieg des FCN im Weser-Stadion liegt bereits mehr als sieben Jahre zurück.

 

Effiziente Chancenverwertung als Schlüssel zum Erfolg

 

Unterschätzen wird Werder den Gegner dennoch nicht. „Wir müssen von Beginn an Druck ausüben, die Nürnberger zu Fehlern zwingen und dürfen sie nicht frei aufspielen lassen“, fordert Trainer Schaaf. „Außerdem müssen wir die Chancen, die sich bieten, konsequent nutzen.“ Fehlen werden den Grün-Weißen dabei Petri Pasanen, dessen Folgen des Schädeltraumas noch nicht vollständig ausgeheilt sind, Ümit Davala (Sehnenanriss im Hüftbereich), Jelle van Damme (Leistenoperation), Aaron Hunt (Muskelfaserriss im Oberschenkel) und Tim Wiese (Reha nach Kreuzbandriss). Dennoch ist nicht nur für Kapitän Frank Baumann klar: „Wir sind am Samstag Favorit.“ Für seinen Ex-Club hat der geborene Franke „noch viele Sympathien, aber mein Herz schlägt schon seit langem für Werder“. Mit einem Sieg und den damit verbundenen drei Punkten würde der momentane Tabellendritte nicht nur den Platz in der Spitzengruppe der Bundesliga untermauern. „Ein Erfolg würde uns auch für die schwere Champions-League-Aufgabe am Dienstag in Udine jede Menge Selbstvertrauen geben“, ist Baumann überzeugt.

 

von Martin Lange