Käpt'n Baumann: "Bochum ein undankbarer Gegner"

Gegen Bochum wieder am Ball: Frank Baumann
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Nicht einmal 72 Stunden liegen für Werder zwischen dem letzten Spiel in der Champions League und der nächsten Begegnung in der Bundesliga. "Die Enttäuschung über das unglücklich verloren gegangene Lyon-Spiel ist spätestens am Freitag aus den Köpfen meiner Jungs raus", sagt Cheftrainer Thomas Schaaf. Gut so, schließlich bietet sich bereits einen Tag später am Sonnabend, 26.02.2005, um 15.30 Uhr im Kräftemessen mit dem VfL Bochum die Chance auf Wiedergutmachung.

 

Ihre Sache gut gemacht haben die Bremer eigentlich auch schon gegen Olympique Lyon. Werder war die – statistisch bewiesen – feldüberlegende Mannschaft. Was fehlte, war die letzte Konsequenz in der Chancenverwertung. Von einer möglichen Trotzreaktion seines Teams gegen den VfL Bochum will Thomas Schaaf insofern auch gar nichts wissen: "So etwas bräuchten wir doch nur, wenn wir schlecht gespielt hätten. In der Bundesliga sind wir auf einem guten Weg und den wollen wir am Samstag fortsetzen."

 

Werder weiter ohne Ivan Klasnic

 

Klaus Allofs blickt dem Aufeinandertreffen mit den Bochumern ebenfalls mit Optimismus entgegen. Werders Sportdirektor gewinnt der zu hoch ausgefallenen Niederlage in der Champions League gerade auch im Bezug auf die kommenden schwierigen Aufgaben sogar etwas Positives ab: "Wir werden aus den Erfahrungen, die wir gegen Lyon gemacht haben, lernen. Ich bin sicher, dass wir es schon gegen den VfL besser machen werden." Verzichten muss der Coach der Bremer im Duell mit den Westdeutschen allerdings weiter auf Ivan Klasnic. Der Stürmer, der schon am Mittwoch wegen eines kurzfristig erlittenen Faserrisses in der Wade passen musste, steht Thomas Schaaf definitiv nicht zur Verfügung. Mit dem wieder genesenen Frank Fahrenhorst und der Rückkehr von Kapitän Frank Baumann stehen dafür wieder mehr Alternativen in der Defensive zur Verfügung.

 

Der VfL Bochum steht in der Bundesliga schon seit Wochen auf einem Abstiegsplatz. Der Rückstand auf Rang 15 beträgt nach dem jüngsten Erfolgserlebnis (3:1-Sieg über den SC Freiburg) aber nur noch vier Zähler. "Dieser Erfolg wird dem VfL Auftrieb geben. In ihrer brenzligen Situation brauchen sie jeden Punkt, um zu überleben", hebt Thomas Schaaf noch einmal die Bedeutung des letzten Sieges der Bochumer gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf hervor.

 

Kapitän Frank Baumann rechnet mit kämpferischen Bochumern

 

Die Mannschaft von Trainer Peter Neururer hat sich in der Rückrunde spielerisch verbessert und betreibt in jeder Partie einen großen läuferischen Aufwand. Dass der Klub in der Tabelle dennoch keinen entscheidenden Boden gutmachen konnte, hat vielschichtige Gründe: Nach der Qualifikation für den Uefa-Cup fiel es allen Beteiligten schwer, sich frühzeitig auf den Abstiegskampf einzustellen. Spielerisch gesehen mangelte es vor allem in der fehlenden Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor. Zudem sorgten fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen für unnötige Punktverluste. Zu allem Überfluss fehlt dem VfL in dieser schwierigen Phase mit Rein van Duinhoven der zuvor so souveräne Rückhalt. Der Goalie fällt auch gegen Werder wegen chronischer Achillessehnen-Probleme aus.

 

Trotz aller Sorgen eines Teams, das sich im Abstiegskampf befindet, rechnet Werders Coach Thomas Schaaf am Samstag mit einem starken Gegner: "Sie haben gute Einzelspiele in ihren Reihen. Ich denke da nur an die beiden Offensiv-Kräfte auf den Außenpositionen Bechmann und Trojan sowie Keilstürmer Lokvenc. Alle drei werden immer wieder gut vom zentralen Mittelfeldspieler Misimovic in Szene gesetzt." Auch Kapitän Frank Baumann warnt vor den Bochumern, die man seiner Ansicht nach keineswegs unterschätzen darf: "Wenn es auf die Zielgerade der Saison geht, dann ist es immer noch ein Stückchen undankbarer, gegen einen Abstiegskandidaten zu spielen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand und werden alles geben."

 

Thomas Schaaf gibt die Marschroute, wie man gegen einen solchen unangenehmen Kontrahenten spielen muss, vor: "Wir wollen nah an den Gegenspielern dran sein. Das müssen wir besser machen als gegen Olympique Lyon. Wenn wir dann noch mit der nötigen Aggressivität und Bestimmtheit zu Werke gehen, sollte es mit einem Erfolgserlebnis klappen."

 

Klaus Bellstedt