5:2 – Werder feiert historischen Sieg in München

Der Anfang eines historischen Tages: Markus Rosenberg bejubelt seinen ersten Treffer in der Allianz-Arena.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Sämtliche Superlative reichen nicht aus, um zu beschreiben, was sich am Nachmittag des 20. September in der Allianz-Arena zu München abgespielt hat. Schon nüchtern formuliert klingt es unglaublich, fast irreal: Werder Bremen triumphiert bei Bayern München mit 5:2. Für die Tore sorgten Markus Rosenberg (30., 68.), Naldo (45.), Mesut Özil (54.) und Claudio Pizarro (59.), der Ex-Bremer Tim Borowski markierte die beiden Ehrentreffer für Bayern (71., 85.).

 

Es sollte ein historisches Spiel werden, das die ersatzgeschwächten Werderaner mit einigen Änderungen begannen. Cheftrainer Thomas Schaaf musste die Ausfälle von Torsten Frings, Clemens Fritz, Daniel Jensen und Hugo Almeida verkraften. Dafür rückten Sebastian Prödl als Rechtsverteidiger, Frank Baumann als „Sechser“ und Jurica Vranjes als rechter Mittelfeldspieler ins Team.

 

Von Anfang an hochkonzentriert

 

Kapitän Frank Baumann, hier im Duell mit Luca Toni, sah früh die gelbe Karte und wurde zur Pause aus "Sicherheitsgründen" ausgewechselt.

Von einer Schwächung konnte später freilich nicht die Rede sein. Die Grün-Weißen begannen konzentriert und kamen schneller ins Spiel als die Bayern. Zur ersten Torchance kam es schon nach drei Minuten. Nach einem Freistoß von Diego segelte FCB-Torwart Michael Rensing am Ball vorbei, doch auch die Bremer Per Mertesacker und Markus Rosenberg verpassten. Die Bayern wurden nach anfänglich hoher Fehlerquote nach gut zehn Minuten ballsicherer und dominanter. Luca Toni besaß zwei Einschussmöglichkeiten, ließ aber Präzision beim Schuss (7.) und Druck beim Kopfball (13.) vermissen.

 

Der Offensivdrang der Gastgeber entpuppte sich etwas überraschend als Strohfeuer. Werder wirkte wacher, stand kompakter, störte die Münchner früh und zeigte lange vermissten Spielwitz. Während nach dem 0:0 gegen Famagusta in der Champions League sogar die Einstellung moniert worden war, stimmte gegen die Bayern einfach alles. Bestes Beispiel in der 18. Minute: Diego spielte einen klasse Pass in den Lauf von Pizarro, der auf der linken Seite an Demichelis vorbeizog und aus spitzem Winkel Rensing überlupfte – Pfosten!

 

Özil glänzt zweimal als Vorbereiter

 

Ein mindestens genauso feiner Pass von Özil leitete zwölf Minuten später die Bremer Führung ein. Der 19-Jährige bediente den zentral durchstartenden Rosenberg, der den Ball zwischen den FCB-Innenverteidigern van Buyten und Demichelis genau auf den Fuß bekam. Der Schwede blieb auch im Duell mit Rensing Sieger und verwandelte kaltschnäuzig per Flachschuss ins rechte untere Eck. Danach brandete eine zweite Angriffswelle der Bayern auf, die die Bremer Defensive erneut einige Minuten lang richtig herausforderte. Doch Naldo, der einmal mit kompromisslosen Einsatz gegen Luca Toni rettete, und seine Mitspieler gaben sich keine Blöße.

 

Mesut Özil, der hier Mark van Bommel stehen lässt, war in einer bärenstarken Bremer Mannschaft einer der Besten.

Auf der Gegenseite nutzten die Grün-Weißen eine Standardsituation zum zweiten Tor. Der herausragende Mesut Özil flankte mit Effet in den Strafraum, der Ball gelangte unberührt zu Rensing, der ihn vor die Füße von Naldo abwehrte. Der Brasilianer brauchte nur noch „danke“ zu sagen und abzustauben – 0:2 zur Pause.

 

Beide Trainer reagierten auf das Gesehene. Thomas Schaaf ersetzte den gelb-rot-gefährdeten Frank Baumann durch Aaron Hunt, Bayern-Coach Jürgen Klinsmann brachte Oddo und Borowski für van Buyten und Lell. Die Münchener zeigten sich kurzzeitig wachgerüttelt, schnupperten durch Toni zweimal am Anschlusstreffer, aber Per Mertesacker bereinigte die Situationen.

 

Die Bayern vorgeführt

 

Was sich dann auf der Gegenseite abspielte, ließ fast alle im Stadion nur ungläubig staunen. Der zweimalige Torvorbereiter Mesut Özil nahm halblinks auf Strafraumhöhe einen Querpass von Diego auf und ließ einfach mal „einen ab“. Das Resultat: ein Volltreffer in den linken Giebel, das 0:3. Und zugleich ein Tor, das die Bayern völlig zu demoralisieren schien.

 

Diego zeigte Mark van Bommel und den Bayern meist die Hacken.

Ab sofort glich die Partie einer Vorführung. Werder zauberte und wurde kaum mehr ernsthaft gestört. Rosenberg wirbelte nach Diego-Zuspiel in den Strafraum, bediente seinen Sturmpartner Pizarro. Der Peruaner nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich und düpierte Rensing aus wenigen Metern mit einem Beinschuss – 0:4. Und es kam noch schlimmer für die Bayern. Rensing zeigte sich bei einer Freistoßflanke von Diego an der Grenze des Fünfmeterraums unsicher, faustete in Richtung Rosenberg. Der ebenfalls glänzend aufgelegte Schwede hielt den Fuß hin und traf aus sieben Metern ins leere Tor.

 

Für die einen ein Fiasko, für die anderen ein Festtag

 

Nach jetzt 67 Minuten stand fest: die Bayern erlebten ein Fiasko, Werder einen Festtag. Da störte es kaum noch, dass ausgerechnet der eingewechselte Ex-Bremer Tim Borowski in der unaufgeregten Schlussphase noch zweimal erfolgreich war und das Ergebnis ein wenig aufhübschte.

 

Werder meldete sich nach durchwachsenem Saisonstart in einer Art und Weise zurück, die überzeugender nicht hätte sein können. Die nächsten Aufgaben lauten Erzgebirge Aue (am Dienstag im DFB-Pokal) und 1899 Hoffenheim (am Samstag in der Bundesliga).

 

von Kevin Kohues