6:1! Werder feiert Torfestival gegen Hannover

Der Anfang eines rauschenden Fußballfestes im Weser-Stadion: Hugo Almeida hat gerade das 1:0 erzielt und bedankt sich bei Naldo für die tolle Vorbereitung.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat seine Zuschauer im letzten Heimspiel der Saison 07/08 noch einmal so richtig verwöhnt. Die Grün-Weißen gewannen das Nordduell gegen am Ende bemitleidenswerte Gäste aus Hannover mit sage und schreibe 6:1. Die Torschützen: Hugo Almeida (14.), Naldo (27.), Tim Borowski (73.), Ivan Klasnic (80.), Markus Rosenberg (82.) und Aaron Hunt (87.). Szabolcs Huszti erzielte mit dem Schlusspfiff das Ehrentor für 96.

 

Letztes Heimspiel: Tim Borowski, hier im Zweikampf mit Jan Rosenthal, verabschiedete sich von den Werder-Fans mit einer starken Leistung und einem sehenswerten Tor.

Cheftrainer Thomas Schaaf schickte seine Mannschaft mit nur einer personellen Änderung ins Spiel. Torsten Frings übernahm nach abgelaufener Gelbsperre Position und Binde des gelb-rot-gesperrten Kapitäns Frank Baumann. Werder begann schwungvoll und offensiv. In der Anfangsphase setzte Diego zweimal Hugo Almeida auf der linken Angriffsseite ein, doch der Portugiese mochte die sich bietenden Freiräume zunächst noch nicht zu nutzen. Auch ein toller Freistoß von Torsten Frings, der vom rechten Strafraum „wie ein Strich“ ans linke Lattenkreuz knallte, brachte nach zwölf Minuten noch nicht die Führung.

 

Naldo narrt halb Hannover

 

Lange aber sollten sich die 42.100 Fans im ausverkauften Weser-Stadion nicht mehr gedulden müssen. Denn wenig später schnappte sich Naldo noch in der eigenen Hälfte den Ball und setzte zu einem unwiderstehlichen Sololauf an. Werders brasilianischer Innenverteidiger legte den Ball an mehreren Hannoveranern vorbei und übersprintete sie, lief plötzlich allein auf 96-Torwart Robert Enke zu. Doch anstatt selbst den Abschluss zu suchen, legte er uneigennützig quer zum nachgerückten Almeida, der mühelos einschob – 1:0 (14.)!

 

Auch in der Folge ließen die erstaunlich passiven Gäste die Bremer spielen und gewährten ihnen jede Menge Raum. Den Werder – vor allem in Person des blendend aufgelegten Naldo – zu nutzen wusste: Diego flankte einen Freistoß von der rechten Strafraumseite auf den Kopf des 1,98-m-Riesen, der am Fünfmeterraum völlig unbedrängt hochsteigen konnte und ins linke untere Eck einnetzte – 2:0 (27.).

 

Werder lässt Zügel schleifen

 

Mit der sicheren Führung im Rücken, ließ Werder die Zügel bis zur Halbzeit etwas schleifen. Hannover kam nun öfter vor das Bremer Tor und wurde zweimal sehr gefährlich – Benny Lauth per Seitfallzieher (35.) und Jiri Stajner per Kopf (42.) schrammten nur knapp am Anschlusstor vorbei.

 

Nach dem Seitenwechsel plätscherte das Spiel zunächst vor sich hin. Die Grün-Weißen hatten nun wieder alles unter Kontrolle und waren dem dritten Tor näher als Hannover dem 1:2. Doch Per Mertesacker scheiterte in der 53. Minute an seinem ehemaligen Mitspieler Robert Enke, und Hugo Almeidas artistische Vorlage konnte Diego nicht nutzen (64.).

 

„Boro“: Tor und stehende Ovationen zum Abschied

 

Wieder einmal der perfekte "Joker": Ivan Klasnic erzielte ein Tor selbst und bereitete ein weiteres mustergültig vor.

Dann aber der Auftritt des Tim Borowski: In seinem letzten Heimspiel für Werder machte sich der 28-Jährige selbst das schönste Abschiedsgeschenk, traf in der 73. Minute zum alles entscheidenden 3:0. Und ließ dabei noch einmal seine ganze Klasse aufblitzen: Nach einem Diego-Freistoß segelte die Kopfballabwehr der 96-Verteidiger in seine Richtung, „Boro“ visierte den Ball an und hämmerte ihn aus relativ spitzem Winkel volley ins lange obere Eck. Von den Fans mit stehenden Ovationen gefeiert, wurde er zwei Minuten später ausgewechselt.

 

Halbes Dutzend vollgemacht

 

Aus Hannoveraner Sicht wäre das Spiel an dieser Stelle wohl besser abgepfiffen worden. Denn was nun folgte, war einer der berühmten Bremer „Fußball-Räusche“. Der inzwischen für Almeida eingewechselte Ivan Klasnic köpfte einen verschossenen Elfmeter von Diego (Foul Lala an Diego) im Nachsetzen zum 4:0 ein (80.). Markus Rosenberg schloss einen Konter nach maßgerechter Vorlage von Klasnic mit dem 5:0 ab (82.). Und auch der ebenfalls eingewechselte Aaron Hunt durfte sich noch in die Torschützenliste eintragen: Nach mustergültigem Pass vom dritten „Joker“ Mesut Özil umkurvte der 21-Jährige Torwart Enke und schob locker zum 6:0 ein (87.). Dem Hannoveraner Ehrentor zum 1:6 ging ein zweiter Elfmeter voraus (Foul Frings an Stajner). Wiese hielt den Schuss von Huszti, war aber bei dessen Kopfball im Nachsetzen machtlos.

 

von Kevin Kohues