1:2 gegen Frankfurt – der Titeltraum ist vorbei

Chance verpasst: Naldo hat hier gegen Benjamin Köhler das Nachsehen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der Traum von der fünften Deutschen Meisterschaft ist geplatzt. Werder Bremen muss nach einer 1:2-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt am 33. Bundesliga-Spieltag sämtliche verbliebenen Hoffnungen auf den Titelgewinn begraben.

Werder geriet durch ein Kontertor von Ioannis Amanatidis nach 13 Minuten in Rückstand. Aaron Hunt glich nach Doppelpass mit Markus Rosenberg in der 34. Minute aus. Doch nach der Pause sorgte ein Eigentor von Naldo trotz deutlicher Feld-Überlegenheit der Grün-Weißen für die Entscheidung zugunsten der Frankfurter (69.).

 

Bei Werder kehrten die zuletzt gelbgesperrten Naldo und Aaron Hunt in die Innenverteidigung bzw. das linke Mittelfeld zurück, dafür mussten Patrick Owomoyela und Christian Schulz auf der Bank Platz nehmen.

 

Druckvoller Beginn

 

Die Bremer legten gegen tief stehende Frankfurter engagiert und druckvoll los. Schon der erste Angriff nach wenigen Sekunden hatte es in sich. Hunt setzte sich auf der linken Seite gegen zwei Gegenspieler durch und bediente den am linken Strafraumeck postierten Diego, dessen Schuss unter Bedrängnis über das Tor segelte. Die Eintracht stand in den Anfangsminuten häufig mit elf Spielern in der eigenen Hälfte, machte die Räume eng und ließ weitere Bremer Vorstöße abprallen. Auch mit Mitteln, die hart an der Grenze des Erlaubten waren: Huggels Rempler gegen Diego (2.) und Vasoskis Trikotzerren gegen Markus Rosenberg (8.) hätte mancher Schiedsrichter für elfmeterwürdig befunden – die Pfeife von Dr. Markus Merk aber blieb in beiden Situationen stumm.

 

Schock nach 13 Minuten

 

Einen ebenso unstrittigen wie unliebsamen Pfiff hörten die 42.100 Zuschauer im ausverkauften Weser-Stadion hingegen in der 13. Minute – der Außenseiter ging überraschend in Führung. Die Entstehung: Ochs schickte Amanatidis mit einem langen Ball auf die Reise Richtung Werder-Tor. Gegenspieler Petri Pasanen war ungünstig postiert und konnte den Griechen nicht mehr einholen. Allein vor Tim Wiese blieb Amanatidis cool und lupfte den Ball aus halbrechter Position gefühlvoll über den Torwart hinweg ins lange Eck – 0:1.

 

Naldo will den Rückstand verhindern, befördert aber den Ball und sich selbst ins Tor.

Ein Schock für alle Werder-Fans, doch die elf Grün-Weißen auf dem Rasen versuchten sofort zurückzuschlagen. Miro Klose traf direkt nach Wiederanpfiff aus spitzem Winkel allerdings nur das Außennetz, anstatt die besser postierten Hunt oder Diego in der Strafraummitte zu bedienen. Die Bremer machten weiterhin das Spiel, doch die besseren Chancen hatte Frankfurt. Köhler verfehlte mit einem Kunstschuss aus weiter Entfernung nur knapp das leere Tor, nachdem Tim Wiese zuvor in höchster Not außerhalb des Strafraums mit dem Kopf vor Amanatidis klären musste (20.). Acht Minuten später touchierte ein Distanzschuss von Streit die Oberkante die Latte.

 

Hunt sorgt für Hoffnung

 

Dem Glück auf der einen Seite folgte wenig später der Jubel auf der anderen Seite. Hunt belohnte die Werderaner nach schönem Doppelpass mit Rosenberg für ihr aufwändiges, engagiertes Spiel mit dem 1:1 – die Titel-Hoffnung erhielt neue Nahrung (34.). Und sie wäre noch weiter gewachsen, hätte Diego eine hervorragende Kombination mit Womé und Rosenberg in der 38. Minute mit dem Führungstor abgeschlossen. Der Brasilianer hatte Torwart Nikolov schon überwunden, doch ein Eintracht-Verteidiger bekam noch vor der Linie den Kopf dazwischen und klärte zur Ecke.

 

So blieb es zur Pause beim Unentschieden, das Werder im Titelrennen alle Möglichkeiten offen ließ. Denn die Konkurrenz aus Schalke und Stuttgart lag in Dortmund (0:1) und Bochum (1:2) sogar zurück. Es war die ultimative Chance, das Blatt im Meisterkampf noch zu wenden. Natürlich war dies jedem Werderaner bewusst – entsprechend entschlossen und druckvoll begannen die Schaaf-Schützlinge die zweite Hälfte.

 

Naldos Eigentor besiegelt das Aus

 

Doch es fehlten augenscheinlich sowohl die Leichtigkeit als auch die Ideen, aus der zweifellos drückenden Feld-Überlegenheit heraus auch Torchancen zu produzieren. Die Bremer Aktionen blieben zu durchsichtig und nicht zwingend genug, um Frankfurt ernsthaft in Gefahr zu bringen. Daran änderten auch zwei Wechsel – Daniel Jensen und Hugo Almeida kamen für Pasanen und Rosenberg – nichts.

 

Frankfurt bejubelt den Sieg. Clemens Fritz und Per Mertesacker schauen enttäuscht zu.

Bei der Eintracht passte dagegen alles. Hinten ließ die Funkel-Elf nichts zu, nach vorne konterte sie immer wieder gefährlich. Und einer dieser Gegenstöße führte zum Sieg: Fink nutzte eine Flanke von Streit, umspielte Wiese und legte den Ball von der Grundlinie zurück vors Tor, wo Naldo den Ball zwar vor dem einschussbereiten Takahara erwischte, ihn aber nur noch über die eigene Torlinie drücken konnte.

 

Damit war nicht nur Werders fünfte Heimniederlage besiegelt, sondern auch das endgültige Aus im Titelrennen. Denn das stürmische, aber völlig uneffektive Anrennen in der Schlussphase brachte nichts mehr ein. Während die Frankfurter sich nach dem Schlusspfiff in die Arme fielen und den nun sicheren Klassenerhalt feierten, war auf Bremer Seite Ernüchterung angesagt. Die Saison 2006/2007 wird trotz vieler unvergesslicher Spiele, Tore und Siege titellos enden.

 

Am letzten Spieltag in Wolfsburg besitzen die Grün-Weißen lediglich noch eine kleine Chance auf Platz zwei, da der Rückstand auf Schalke 04 (0:2 in Dortmund) weiterhin zwei Punkte beträgt. Der VfB Stuttgart (3:2 in Bochum) hat seinen Vorsprung auf die Bremer dagegen auf vier Zähler ausgebaut und ist von ihnen nicht mehr einzuholen. Schade, Werder!

 

von Kevin Kohues