Last-Minute-Gegentor: Bitteres 2:2 in Gladbach

Werder hatte sich die Führung nach 90 Minuten verdient, Jurica Vranjes hatte das 2:1 erzielt. Allein, das Spiel dauerte noch vier Minuten länger...
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat nach drei Bundesliga-Niederlagen in Folge wieder einen Punkt geholt. Die Grün-Weißen erreichten am 23. Spieltag bei Borussia Mönchengladbach ein 2:2 (1:1). Pierre Wome brachte die Werderaner mit einem fantastischen Weitschuss in den linken Giebel in Führung (11.), die Michael Delura schnell egalisieren konnte (17.). Jurica Vranjes traf in der 84. Minute mit einem Flachschuss ebenfalls aus der Distanz zum 2:1, ehe Nando Rafael in der vierten Minute der Nachspielzeit noch den glücklichen Gladbacher Ausgleich erzielte.

 

Drei Tage nach dem Weiterkommen im Uefa-Cup gegen Ajax Amsterdam änderte Cheftrainer Thomas Schaaf seine Startelf auf einer Position. Für Petri Pasanen rückte Peter Niemeyer auf den rechten Verteidiger-Posten. In seinem ersten Werder-Spiel von Beginn an zeigte der 23-Jährige bereits einige gute Ansätze, wurde aber von seinem Kollegen Pierre Wome auf der linken Seite noch deutlich übertroffen.

 

Starker Wome – nicht nur beim 1:0

 

Als ständige Anspielstation kurbelte der bullige Kameruner über den linken Flügel immer wieder die Offensive der Grün-Weißen an und war gleich am ersten Bremer Angriff nach wenigen Sekunden beteiligt. Wome spielte einen tollen Pass auf Tim Borowski, der in den Strafraum zu Miro Klose weitergab, doch Gladbachs Keeper Kasey Keller war einen Tick vor dem Werder-Torjäger am Ball.

 

Auf Gladbacher Seite war Peer Kluge sehr auffällig, der nach sechs Minuten den ersten Torschuss der Gastgeber abfeuerte. Naldo fing den Ball ab und beförderte ihn aus der Gefahrenzone. Eine Minute später wurde es brenzliger für Werder. Nach einer Ecke schlug Wome die Kugel zunächst ’raus, doch Kluge und Gohouri brachten sie per Kopfballstafette postwendend zurück und setzten Nando Rafael ein, der sofort mit rechts abzog und das Tor nur knapp verfehlte.

 

Pierre Wome schoss die Grün-Weißen mit einem fulminanten Linksschuss früh in Führung.

Doch Werder schlug in einem abwechslungsreichen und schnellen Spiel zurück. Miro Klose gab den Ball von der rechten Seite flach in die Mitte herein, wo Keller mit der Faust vor Almeidas Kopf rettete (8.). Drei Minuten später war der US-Boy jedoch machtlos. Pierre Wome wurde 30 Meter vor dem Tor nicht angegriffen und setzte zu einem grandiosen Weitschuss an, der noch leicht abgefälscht links in der Mitte einschlug – das 0:1.

 

Niemeyer verpasst schnelles zweites Tor

 

Viel Zeit zum Jubeln nahmen sich die Grün-Weißen aber nicht, sondern drängten direkt auf den nächsten Treffer. So setzte sich Daniel Jensen nach Wome-Zuspiel an der Strafraumgrenze stark durch, scheiterte jedoch an Keller. Nach der darauffolgenden Ecke von Diego kam Peter Niemeyer zum Kopfball, doch abermals bewahrte ein toller Reflex von Keller die Gladbacher vor dem 0:2.

 

Stattdessen nutzte die Borussia einen Konter gegen die noch aufgerückte Werder-Abwehr zum Ausgleich. Ein Traumpass von Peer Kluge landete genau im Lauf von Michael Delura, der Tim Wiese den Ball eiskalt durch die Beine schob – das 1:1 (17.).

 

Leider brachte der frühe Jubel kein Glück...

Danach hatte Werder weiterhin mehr von dem flotten Spiel, kam aber vor der Pause zu keinen weiteren Großchancen. Nach dem Seitenwechsel wurden die Gladbacher wesentlich mutiger, standen nun nicht mehr so tief wie zuvor, und entfachten ungeahnten Druck in der Offensive. Nando Rafael nach Flanke von Marcell Jansen (47.), Peer Kluge (49.), Michael Delura (51.) und Marcell Jansen (52.) erarbeiteten sich einige gute Möglichkeiten, die aber allesamt vergeben wurden.

 

Nach etwa zehn Minuten gelang es Werder endlich, für Entlastung zu sorgen. Inzwischen mit Aaron Hunt für den angeschlagenen Hugo Almeida, der nach einem schmerzhaften Kopfballduell mit Gohouri ausgewechselt werden musste, und Jurica Vranjes für Tim Borowski, schnürten die Grün-Weißen den Gegner nun zeitweise ein.

 

Es fehlte jedoch weitgehend die geistige und körperliche Spritzigkeit, um das Gladbacher Abwehr-Bollwerk zu knacken. Wenn mal etwas ging, dann meist über links mit Beteiligung von Pierre Wome. So landete in der 63. Minute eine gute Flanke des Kameruners auf dem Kopf von Klose, Keller klatschte zunächst ab und sicherte dann den Ball vor dem heranstürmenden Aaron Hunt.

 

Mertesacker bei Kopfballduell verletzt

 

Eine Schrecksekunde hatten die Grün-Weißen in der 77. Minute zu überstehen. Im Bremer Strafraum prallten Gohouri und Mertesacker mit den Köpfen zusammen und mussten beide minutenlang behandelt werden. Der blutende „Merte“ wurde schließlich mit der Trage vom Platz getragen, für ihn kam Petri Pasanen.

 

Musste wieder viel einstecken: Diego.

Vier Minuten später dann wieder Jubel. Die Gladbacher konnten einen Bremer Angriff nicht vollständig klären, und der Nutznießer hieß Jurica Vranjes. Der Kroate traf aus 25 Metern mit einem leicht abgefälschten Schuss ins linke Eck. Das Siegtor? Leider nicht.

 

Wegen der langen verletzungsbedingten Unterbrechung ordnete Schiedsrichter Dr. Fleischer eine Nachspielzeit von vier Minuten an. Eine Minute zu viel für Werder: Gohouri verlängerte einen Freistoß von Insua zu Rafael, der den Ball vom rechten Eck des Fünfmeterraums aus spitzem Winkel ins lange Eck beförderte – das 2:2. Werder hatte den bereits sicher geglaubten Sieg in buchstäblich letzter Minute aus der Hand gegeben und verpasste damit die Rückkehr auf den zweiten Tabellenplatz.

 

von Kevin Kohues