Starke erste Halbzeit als Basis für Sieg gegen Hertha

Werder-Jubel und Hertha-Frust: Gegensätzliche Befindlichkeiten bei Per Mertesacker, Naldo, Torsten Frings und Herthas Arne Friedrich
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat am 15. Bundesliga-Spieltag mit einem 3:1 (3:1) gegen Hertha BSC Berlin zumindest vorerst die Tabellenspitze übernommen. Vor 40.100 Zuschauern im Weser-Stadion erzielten Diego per Handelfmeter (24.) und Miroslav Klose (32./40.) die Treffer für die Grün-Weißen. Josip Simunic hatte zwischenzeitlich für die Herthaner ausgeglichen (25.), die erstmals nach fünf Partien ohne Niederlage wieder als Verlierer den Platz verließen.

 

Thomas Schaaf hatte die Formation, die am vergangenen Wochenende Arminia Bielefeld souverän bezwungen hatte, nur geringfügig verändert. Diego hatte seine Gelbsperre abgesessen und kehrte in die Startelf zurück. Tim Borowski machte den Posten hinter den Spitzen für ihn frei und wechselte auf die halblinke Mittelfeldposition. Christian Schulz musste daher zunächst mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen.

 

Zwei herausragende Protagonisten des 3:1: Die Torschützen Diego und Klose herzen sich.

Gleich voll drin in der Partie

 

Werder war gleich mit dem Anpfiff von Schiedsrichter Herbert Fandel auf dem Rasenrechteck sehr präsent. Schon nach zwei Minuten setzte Diego einen Fallrückzieher nur knapp über die Latte des Berliner Tores. Eine scharfe Hereingabe von Pierre Wome zwang Hertha-Schlussmann Christian Fiedler vor dem heraneilenden Hugo Almeida zum Nachfassen (4.). Per Mertesacker und Tim Borowski verfehlten dann mit einem Drehschuss von der Strafraumgrenze (9.) respektive einem Kopfball nach Ecke von Torsten Frings (13.) das Gehäuse der Gäste nur knapp. Nachdem Fiedler bei einem feinen Außenrist-Steilpass von Daniel Jensen auf Klose noch die Bremer Führung verhindert hatte (18.), war er in der nächsten Szene machtlos.

 

Simunic hatte ein energisches Solo von Clemens Fritz mit seinem rechten Arm gestoppt. Den fälligen Handelfmeter versenkte Diego zum 1:0 neben dem linken Pfosten im Netz der Herthaner (24.). Die Hauptstädter, die bis dahin aufgrund Werders engagierter und aggressiver Vorstellung über Ansätze eines eigenen Offensivspiels nicht hinausgekommen waren, schlugen postwendend zurück. Im Anschluss an eine Freistoßflanke Gilbertos vom rechten Flügel kam Srdjan Lakic mit dem Kopf an den Ball. Im Fünfmeterraum schlug Klose über die Kugel, so dass Simunic aus wenigen Metern zum 1:1 abstauben konnte (25.).

 

Werder war mit Kopfbällen sehr gefährlich, einer führte zum 2:1. Hier versucht sich ein bedrängter Tim Borowski.

Werders Torjäger machte seinen Fauxpas aber umgehend wett. Eine maßgenaue Hereingabe Womes köpfte er aus fünf Metern gegen den Lauf Fiedlers zum 2:1 ein (32.). Noch vor der Pause legte Klose das 3:1 nach. Berlins Kevin-Prince Boateng hatte Jensen den Ball an der Mittellinie in die Füße gespielt. Der Däne bediente Klose, der Simunic mit einer geschmeidigen Körpertäuschung aussteigen ließ und aus zehn Metern mit links den Pausenstand herstellte (40.). Durch sein zehntes Saisontor setzte sich der WM-Torschützenkönig zudem an die Spitze der Bundesliga-Torjägerliste.

 

Wiese nach der Pause gefordert

 

Daniel Jensen behauptet sich gegen Gilberto, das Werder-Mittelfeld überzeugte ein weiteres Mal auf ganzer Linie.

Nach dem Seitenwechsel fanden die Gäste zunehmend besser in die Partie. Lakic zwang Torhüter Tim Wiese zunächst mit einem 20-Meter-Flachschuss zu einer Faustabwehr (47.). Nachdem Naldo (50.) und Almeida (56.) mit Kopfbällen über den Querbalken Werders einzige Möglichkeiten der zweiten Spielhälfte vergeben hatten, drehten die Herthaner weiter auf. Ashkan Dejagah setzte den Ball aus 20 Metern haarscharf am rechten Pfosten vorbei (58.). Bei einem weiteren Schuss des Nachwuchsmannes aus acht Metern riss Wiese geistesgegenwärtig die Fäuste hoch (64.). Auch Boateng (65.) und der eingewechselte Sofian Chahed (71.) konnten gute Abschlussgelegenheiten nicht nutzen.

 

Als Simunic dann aus wenigen Metern per Kopf zum vermeintlichen 3:2 traf, entschied Fandel auf Abseits (72.). Das Bremer Offensivspiel war in den zweiten 45 Minuten von Ungenauigkeiten durchsetzt und daher nicht so zielstrebig wie vor der Pause. Da aber Wiese auch einen letzten Gewaltschuss Gilbertos aus spitzem Winkel parierte (86.), kam Werder letztlich nicht ernsthaft in die Gefahr eines Punktverlustes.

 

Von Martin van de Flierdt