Kein Glück im Abschluss: Werder unterliegt Hertha BSC

Verbissener Zweikampf: Ismael (l.) gegen Torschütze Marcelinho
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der deutsche Meister Werder Bremen bleibt in der Bundesliga weiter auf Zick-Zack-Kurs. Am 29. Spieltag kassierten die Grün-Weißen beim 0:1 gegen den direkten Konkurrenten Hertha BSC Berlin ihre zweite Heimniederlage hintereinander. Marcelinhos Treffer in der 30. Minute entschied das Verfolger-Duell, in dem die Bremer zwar spielbestimmend waren, vor dem gegnerischen Tor aber die nötige Entschlossenheit vermissen ließen. Der Haupstadt-Klub, der in der Tabelle mit Werder nach Punkten gleichzog, verdiente sich die drei Zähler aufgrund seiner an diesem Nachmittag reiferen Spielanlage.

 

Cheftrainer Thomas Schaaf veränderte sein Team gegenüber dem 2:1-Erfolg im Nordderby auf drei Positionen. Der zuletzt gesperrte Ismael kam für Pasanen in die Mannschaft, Schulz ersetzte auf der linken Seite Magnin und Valdez nahm für den verletzten Klose den Platz neben Klasnic ein.

 

Werder erwischte vor über 40.000 Zuschauern im Weser-Stadion den besseren Start. Bereits nach 60 Sekunden tauchte der deutsche Meister gefährlich vor dem Tor von Gäste-Keeper Fiedler auf. Ein Micoud-Eckball von der linken Seite sorgte für Verwirrung, da Borowski die Kugel per Absatzkick in den Fünfmeterraum beförderte. Dort allerdings stand kein weiterer grün-weißer Mitspieler, so dass der Berliner-Goalie klären konnte. Werder schien sich gerade "warm" zu spielen, als der Gast nach fünf Minuten erstmals sein gefürchtetes Konterspiel aufzog. Marcelinho kam nach einer flüssigen Kombination an der rechten Eckfahne an den Ball und ließ gleich zwei Abwehrspieler stehen. Rafael nahm den Pass des Brasilianers auf und versuchte den Beinschuss bei Andi Reinke. Der aber war aufmerksam und ließ sich nicht düpieren.

 

Werder-Angriff ohne Durchschlagskraft

 

In der Folgezeit entwickelte sich ein munteres Spielchen. Beide Teams suchten ihr Heil in der Offensive, wobei sich die Hausherren nach kurzer Verschnaufpause eine leichte optische Überlegenheit heraus spielten, was sich auch in der Anzahl der Torchancen widerspiegeln sollte: So prüfte Klasnic Fiedler mit einem strammen 14-Meter-Schuss (13.), und Jensens Drop-Kick aus 15 Metern ging knapp am Tor der Berliner vorbei (18.). Werder zwang dem Haupstadt-Klub in dieser Phase sein Spiel auf, attackierte früh und gewann auch die entscheidenden Zweikämpfe. Am 16-Meter-Raum der Gäste war aber meist Endstation: Gegen den dichtgestaffelten Defensiv-Verbund gab es kein Durchkommen für die beiden Stürmer Klasnic und Valdez, die sich immer wieder und gezwungenermaßen ins Mittelfeld zurückfallen ließen.

 

Die Bremer verpasste es – wie schon in den letzten Heimspielen – aus ihrem zeitweiligen spielerischen Übergewicht Kapital zu schlagen. Und so kam es wie es kommen musste. Nach exakt 30 Minuten folgte die entscheidende Szene des Nachmittags: Herthas Kapitän Arne Friedrich setzte mit einem langen Pass Marcelinho in Szene. Der Brasilianer profitierte bei seiner Balleroberung von einem Stellungsfehler Fahrenhorsts und zog auf der rechten Seite auf und davon. Der Topscorer der Liga drängte in den Strafraum und jagte das Leder aus zehn Metern unhaltbar für Andi Reinke in die Maschen. Werder erholte sich nur langsam vom überraschenden Führungstor der Hertha und hätte nur kurze Zeit später fast den zweiten Gegentreffer kassiert. Wieder war es ein Konter der Gäste, der die Abwehr in die nächste Verlegenheit stürzte. Dieses Mal war es Rafael, der auf rechts durchbrach und in der Mitte Marcelinho bediente. Andi Reinke, der den Schuss per Fußabwehr glänzend parierte, war es zu verdanken, dass es zur Pause beim 0:1 blieb.

 

Am Ende vier grün-weiße Stürmer auf dem Platz

 

Der Pausentee tat den Norddeutschen gut. Sie übernahmen nach Wiederanpfiff wieder die Initiative und legten sofort den Vorwärtsgang ein. Echte Torchancen blieben aber Mangelware. Hertha BSC setzte seine Kontertaktik auch im zweiten Abschnitt fort und blieb dabei kreuzgefährlich. Einen Schuss von der rechten Strafraumecke von Marcelinho konnte Reinke parieren (52.), Rafaels Heber von der Strafraumgrenze landete neben dem Tor (54.). Auf der Gegenseite sorgten die Einwechselungen von Lisztes und Hunt für deutlich mehr Belebung im Angriffsspiel der Grün-Weißen. Der wiedergenesene Ungar setzte in der 58. Minute ein erstes persönliches Ausrufezeichen als er seinem energischen Antritt einen strammen Rechtsschuss aus 16-Metern folgen ließ. Fiedler zeigte sich dabei allerdings auf dem Posten und konnte abwehren. Den Abpraller setzte Ivan Klasnic über das Tor.

 

Die Berliner zogen sich in der letzten halben Stunde noch mehr in die eigene Hälfte zurück, was allerdings auch an der Spielweise der Hausherren lag, die jetzt eine Art Powerplay aufzuziehen versuchten. Die spielerische Linie ging dabei allerdings mehr und mehr verloren, so dass sich weitere Chancen eher zuverlässig ergaben. So wie nach einer Micoud-Ecke, als der Ball nach einem Klärungsversuch vor die Füße von Daniel Jensen sprang. Der Däne fasste sich ein Herz und zog mit vollem Risiko aus 20 Metern ab, aber wieder war es der gutaufgelegte Fiedler, der in höchster Not retten konnte (65.). In der Schlussviertelstunde erhöhte Thomas Schaaf noch einmal das Risiko und brachte mit Mohamed Zidan sogar noch einen vierten Stürmer. Aller Mut zur bedingungslosen Offensive wurde am Ende nicht belohnt. Mehr als zwei Halbchancen durch Zidan (77.) sowie Klasnic (79.) ließ die äußerst sattelfeste und zudem immens kopfballstarke Berliner-Verteidigung nicht mehr zu. So blieb es bis zum Schluss beim für die Hertha etwas schmeichelhaften, aber keineswegs unverdienten 1:0-Auwärtssieg.

 

Klaus Bellstedt

 

Werder Bremen: Reinke - Stalteri, Ismael, Fahrenhorst (73. Fahrenhorst), Schulz (55. Hunt) - Ernst, Jensen, Borowski (46. Lisztes), Micoud - Valdez, Klasnic

 

Hertha BSC: Fiedler - A. Friedrich, Simunic, van Burik, Fathi - N. Kovac, T. Marx, Bastürk (68. Dardai), Gilberto - Marcelinho (80. Neuendorf) - Rafael (70. Wichniarek)

 

Tore: 0:1 Marcelinho (30.)

Gelbe Karten: A. Friedrich (Hertha BSC Berlin)

 

Schiedsrichter: Wack, Dr. (Biberach)

Weser-Stadion: 40.453 Zuschauer

 

Torschüsse: 19 : 9

Ecken: 11 : 2

Flanken 31: 5

Ballkontakte: 62% : 38%

Gewonnene Zweikämpfe: 50% : 50%

Fouls: 18 : 20

Abseits: 3 : 5 (alles aus Werder-Sicht)

 

Die meisten Torschüsse: Klasnic (Werder) 5 x – Marcelinho (Hertha BSC Berlin) 4 x

 

Die meisten Torschussvorlagen: Jensen (Werder) 5 x – Marcelinho, Rafael (beide Hertha BSC Berlin) je 2 x

 

Die meisten Ballkontakte: Stalteri (Werder) 95 x – Fathi (Hertha BSC Berlin) 64 x

 

Die Zweikampfstärksten: Ismael (Werder) 80 % - Simunic (Hertha BSC Berlin) 79%.

 

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