2:1 gegen Emden – erst mit Mühe, dann mit Harnik

Martin Harnik gewinnt diesen Zweikampf im Test in Leer-Loga, wie er auch zwei entscheidende in der 2. Halbzeit für sich entschied. Seine Tore verhalfen Werder zum vierten Sieg im vierten Testspiel. (Bilder: NPH)
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Viertes Vorbereitungsspiel, vierter Sieg: Werder hat einen Härtetest auf der Rückreise vom Trainingslager auf Norderney bestanden und in Leer-Loga Drittligist Kickers Emden mit 2:1 (0:1) bezwungen. Die Kickers, die in einer Woche in die neue 3.Liga starten, gingen vor 9.307 Zuschauern schon in der 7. Minute in Führung. Enrico Neitzel überraschte Christian Vander mit einem sehenswerten Heber aus der Distanz. Werder tat sich im ersten Durchgang schwer, blühte aber auf, als man die Norderney-Mühen etwas aus den Beinen gelaufen hatte. Martin Harnik drehte mit zwei Toren das Spiel: in Minute 51 nach schöner Kombination über Mesut Özil, Aaron Hunt und Jurica Vranjes. Zehn Minuten später sorgte er mit einem trockenen Schuss aus 20 Metern für den Endstand.

 

"Überführungsetappe" zwischen beiden Trainingslagern

 

Enrico Neitzel freut sich nach seinem Heber-Tor mit Teamkollege Marcus Unger.

Cheftrainer Thomas Schaaf schonte auf der "Überführungsetappe" zwischen den beiden Trainingslagern auf Norderney und in Schruns unter anderem Petri Pasanen, Said Husejinovic sowie die beiden Stürmer Markus Rosenberg und Hugo Almeida. Angreiferkollege Martin Harnik hatte in der sechsten Minuten nach Vorlage von Daniel Jensen die erste Chance des Spiels, überwand aber nicht Torhüter Daniel Masuch. Im Gegenzug gelangte Emdens Stürmer Enrico Neitzel in scheinbar ungefährlicher Position an den Ball und lief ein paar Schritte ohne erkennenswerte Bemühungen in Richtung des von Christian Vander gehüteten Werder-Tores. Urplötzlich ein kurzer Blick nach oben, eine Ausholbewegung aus gut 40 Metern und es folgte ein immer länger werdender Heber, über die konsternierte Werder-Defensive samt Vander hinweg, der schlussendlich seinen Weg in die Maschen zum 0:1 aus Bremer Sicht fand.

 

Werder brauchte einige Zeit, um die eine Woche vor ihrem Saisonstart stehenden Ostfriesen in der Defensive zu fordern - die müden Muskeln des Teams von Thomas Schaaf mussten auf Betriebstemperatur kommen. Emden blieb weiter am Drücker. Ein sehenswerter Doppelpass von Rachid El Hammouchi und Marcus Unger überwand die rechte Abwehrseite, der Ball fiel Rudolf Zedi auf Höhe der Strafraumgrenze vor die Füße, Zedis satten Flachschuss lenkte Vander jedoch reaktionsschnell zur Ecke (13.). Trotz Emdener Überlegenheit verpasste es Aaron Hunt vier Minuten darauf nur knapp, per Kopf den Ball über die Linie zu drücken, nachdem Daniel Jensen einen Freistoss von halbrechts gefühlvoll in den Strafraum beförderte und Frank Baumann, ebenfalls per Kopf, quergelegt hatte.

 

Emden bringt 1:0-Führung in die Pause

 

Sebastian Prödl verpasst bei diesem Kopball nur um Zentimeter das Tor.

Die um einiges frischeren Emder profitierten jedoch das ein oder andere Mal auch von Werders Ballverlusten im Spielaufbau und überbrückten ihrerseits zügig und klug das Mittelfeld. So geschehen in der 21. Minute, als Nils Pfingsten Tom Moosmeyer bediente und der Vander aus 18 Metern zum Fliegen zwang. Eine weitere Standardsituation brachte die nächste Möglichkeit des Champions-League-Teilnehmers, da Torhüter Masuch in Folge einer Özil-Ecke in seinem Fünfmeter-Terrain orientierungslos umherirrte und Sebastian Prödls Kopfball das Gehäuse nur um Zentimeter verfehlte (23.). Gut zehn Minuten später bediente Jensen nach vorherigem Zuspiel von Prödl Martin Harnik, dessen Rückpass jedoch im letzten Moment von einem Verteidiger entschärft wurde. Werder übernahm mehr und mehr das Zepter, Emden lauerte auf Konter.

 

Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff war Kickers-Akteur Andy Nägelein allerdings kurz von Sinnen, spielte eine behäbigen Rückpass genau in die Füße von Aaron Hunt, doch Keeper Masuch war geistesgegenwärtig aus seinem Tor geeilt und eskortierte geschickt verteidigend Hunt zur Grundlinie, der keine passende Lücke fand. Die Führung behielt der Außenseiter bis in die Pause hinein.

 

Harniks Doppelpack für das Selbstvertrauen

 

Fünf Wechsel hatte Thomas Schaaf zum Wiederbeginn getätigt, darunter Tim Wiese für Christian Vander, der in der zweiten Hälfte weitgehend beschäftigungslos bleiben sollte. Die schönste Stafette des Spiels brachte Werder in der 51. Minute den Ausgleich. Özil und Hunt überwanden im Direktspiel bis in den Strafraum hinein drei Gegenspieler, Hunts Rückpass konnte Jurica Vranjes eigentlich schon selbst unterbringen, schob aber uneigennützig noch eine Station weiter auf den direkt gegen die Laufrichtung von Masuch einschiebenden Martin Harnik. Es dauerte zehn Minuten, ehe Harnik ein weiteres Mal unbedrängt das Leder auf dem Fuß hatte, kein Emdener eine etwaige Verteidigungsbewegung ansetzte und der österreichische Nationalspieler trocken aus 20 Metern verwandelte. Ein Doppelpack für das Selbstvertrauen.

 

Sebastian Boenisch im Zweikampf mit Neitzel.

Jurica Vranjes und Marc Heider verzogen in der Folgezeit weitere zwei Mal knapp aus guter Schussposition. Die letzten Minuten samt einer Woche Norderney in den Beinen erforderten Überwindung. Sebastian Boenisch machte es vor. Im langen Sprint auf der rechten Bahn bekam er einen Doppelpass von Jurica Vranjes bis auf die Grundlinie serviert und seine ihm über den Schlappen gerutschte Flanke segelte bedrohlich nach der Torlinie, aber Masuch klärte aufmerksam über die Latte.

 

Eine große Möglichkeit zum Ausgleich besaß Kickers Emden in Person des eingewechselten Thomas Klasen dann doch noch. Er lief alleine auf Tim Wiese zu, überspielte den Werder-Torhüter, der Winkel für Klasen wurde jedoch immer spitzer und der mit den letzten Kraftreserven zur Hilfe gespurtete Boenisch blockt den Einschussbereiten im letzten Moment ab. Dass Marc Heider einen Ball kurz vor Ultimo noch knapp am Winkel vorbeizog, bekamen hunderte "kleiner" Fans gar nicht mehr mit, denn sie warteten nur auf den Schlusspfiff, um auf der Jagd nach Autogrammen in Scharen den Rasen zu stürmen.

 

aus Leer berichtet Maximilian Hendel