„Schwere Beine“ bezwingen Fortuna Köln souverän 3:1

Naldo setzt sich energisch gegen seinen Kölner Gegenspieler Mimbala durch. Der Innenverteidiger spielte die erste Halbzeit. (Bild: Nordphoto)
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Dritter Test - dritter Sieg. Gegen die traditionsreiche Fortuna aus Köln setzte sich Werder Bremen ungefährdet mit 3:1 durch. Vom regennassen Wetter in Norderney ließen sich 3500 Zuschauer auf dem Sportplatz an der Mühle nicht stören und sahen, wie der wiedergenesene Petri Pasanen bereits nach acht Minuten aus gut 22 Metern die Bremer Führung erzielte. Jurica Vranjes (25.) und ein Eigentor des Kölner Abwehrspielers Cedric Mimbala (56.) markierten die weiteren Tore für die Grün-Weißen. Den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer des gut dagegenhaltenden NRW-Ligisten (5. Spielklasse) erzielte Stürmer Marco Stasiulewski in der 29. Minute.

 

Spielmacher Diego.

„Ich habe ein ordentliches Spiel gesehen. Wir haben uns gut bewegt“, analysierte Cheftrainer Thomas Schaaf nach Spielende, obwohl „ein paar Tore mehr hätten fallen können. Die Chancen dazu waren da, aber wir haben sie entweder nicht genutzt oder das Tor stand im Weg.“ Dabei spielte Schaaf zum Beispiel auf zwei Aluminium-Treffer seiner Schützlinge an. Sebastian Boenisch pflichtete dem bei: „Streckenweise lief es ganz gut, obwohl ein, zwei Tore gefehlt haben. Aber hier geht es darum, Sachen aus dem Training zu probieren und den Fans etwas zu zeigen.“

 

Dank der Initiative www.deinfussballclub.de bestimmen mittlerweile 6.500 Mitglieder die Geschicke des Klubs aus der Kölner Südstadt. Einem Mitglied der Fortuna, Werders Schlussmann Tim Wiese, gönnte Cheftrainer Thomas Schaaf eine Verschnaufpause. Ebenso fehlten die Rekonvaleszenten Boubacar Sanogo (Erkrankt) und Hugo Almeida (Nach Oberschenkelzerrung) sowie Said Husejinovic mit Rückenproblemen auf dem Spielberichtsbogen. Dagegen setzte der erst zu Wochenbeginn wieder komplett ins Mannschaftstraining eingestiegene Petri Pasanen nach acht Minuten das erste Ausrufzeichen. Daniel Jensen hatte quergelegt und Pasanen, ohne mit den Wimpern zu zucken, den noch leicht abgefälschten Ball ansatzlos aus mehr als 20 Metern zur Führung ins linke untere Eck befördert. Zuvor besaß Martin Harnik bereits die erste gute Chance des Spiels.

 

Aber auch der Fünftligist hatte sich rasch akklimatisiert und war nicht gekommen, um nur den defensiven Spielzerstörer zu geben. So setze sich zuerst Abwehrspieler Cedric Mimbala auf der rechten Seite durch (10.), gab eine scharfe Hereingabe, doch die Werder-Innenverteidigung aus Naldo und Tosic blockte den einzigen Angreifer Marco Stasiulewski gekonnt ab. Dieser sollte alsbald noch öfter in Erscheinung treten.

 

Der zur Pause eingewechselte Marc Heider.

Vorher setzte der Bundesligist weiter die Akzente durch Ecken und Freistösse, oftmals begünstigt aufgrund einiger taktischer Fouls der Kölner, wodurch die angekurbelten Bremer Kombinationen meist im Keim erstickten. Unter anderem verpassten Naldo (11.) und Peter Niemeyer (09., 13.) um Haaresbreite Kopfballtreffer in Folge ruhender Bälle, die meist von Daniel Jensen und dem „Testspiel-Debütanten“ der aktuellen Vorbereitung Diego getreten wurden.

 

Werders brasilianischer Mittelfeld-Regisseur selbst brauchte einige Zeit, um in die Partie zu finden. Der Aktivposten war noch zumeist Nebenmann Daniel Jensen und Peter Niemeyer beanspruchte offensiv wie defensiv die absolute Lufthoheit für sich. Je länger die Halbzeit dauerte, kam Diego aber mehr in die Partie, spielte gute Pässe, wurde gesucht, oft gefunden und noch öfter von mehreren Gegenspielern

„begleitet“. Nur ein kleiner Vorgeschmack auf die neue Saison. Eine Flanke Diegos (25.) köpfte ein Verteidiger unglücklich in den Rückraum, wo Jurica Vranjes bereits anvisierte und genau von der Strafraumgrenze aus abzog. Der unplatzierte, aber glitschige Ball glitt Torwart und Ex-Bremer Christopher Möllering unter dem Bauch hindurch über die Linie – 2:0.

 

Nur vier Minuten darauf verloren die Grün-Weißen das Spielgerät jedoch leichtfertig in der Vorwärtsbewegung, Andreas Moog reagierte clever mit einem schnellen Querpass in den Rücken der aufgerückten Viererkette, wo jener Marco Stasiulewski plötzlich allein auftachte und abgeklärt den Anschlusstreffer besorgte. Das Spiel verflachte gegen Ende der ersten Halbzeit. Der intensive Trainingsaufwand mit bis zu vier Einheiten am Tag forderte den zu erwartenden Tribut. Das sollte der ausgiebig ausgetauschten Werder-Elf zu gleicher Zeit des zweiten Spielabschnittes nicht anders ergehen, was Sebastian Boenisch nach Spielende nur zu gut zu bestätigen wusste: „Wir hatten alle schwere Beine.“ Doch bevor der Komplett-Wechsel in der Pause vollzogen wurde, trat Jung-Stürmer Pascal Testroet zwei Mal in Erscheinung. Erst bereitete er Diegos satten Fernschuss vor (44.), dann nahm der 17-Jährige einen langen Ball von Jurica Vranjes mit dem Außenrist im Strafraum elegant an und kam zum Abschluss – beide Male parierte Möllering.

 

Sebastian Prödl im Zweikampf mit Kölns Podlas.

Nach Wiederanpfiff und elf „neuen“ Werder-Gesichtern hatten zuerst die Kölner die große Gelegenheit zum Ausgleich. David Podlas spielte in die Tiefe, Torschütze Stasiulewski nahm in vollem Lauf auf und schoss knapp drüber (54.). Schri Kremer hatte dem ungeachtet vorher auf Abseits entschieden. Im Gegenzug trat Angreifer Markus Rosenberg zum ersten Mal in Erscheinung, aber zielte nach Pass von Özil etwas zu hoch. Nur zwei Minuten später tänzelte Philipp Bargfrede ohne Gegenwehr auf der rechten Seite, präzisierte eine wunderschöne Flanke in den Fünfmeterraum und ein herrlicher Flugkopfballtreffer für Werder vollendete den Spielzug (56.) zum 3:1. Allerdings war das nicht Marc Heider gelungen - er stand nur Zentimeter entfernt, als Fortunas Cedric Mimbala der Rettungsversuch gründlich misslang. Wieder Bargfrede setzte in der 65.Minute den mit dem Rücken zum Tor postierten Markus Rosenberg in Szene, der sich während der Annahme wunderbar drehte, die Kugel schlussendlich aber aus kurzem Dienstweg an die Latte nagelte.

 

Nach 15 Minuten des Dahinplätscherns trafen die Grün-Weißen in Person von Marc Heider noch einmal Aluminium (82.), bevor Mesut Özil, der vorher elegant zwei Gegenspieler aussteigen ließ, ein letztes Mal an Möllering scheiterte (89.). Sebastian Boenisch ging „zufrieden zurück ins Hotel, auch wenn wir wissen, dass bei uns sicherlich noch mehr geht.“ Nach einiger Aufbauarbeit in Folge einer auskurierten Knieverletzung absolvierte Markus Rosenberg, der später bei WERDER.TV noch sein erstes Interview auf Deutsch geben sollte, die persönlich erste Testpartie. „Es ist schön, wieder mit den Kollegen auf dem Platz zu stehen und ich freue mich, dass ich gleich wieder zum Einsatz gekommen bin“, sagte der Schwede und sehnte sich schon nach dem Wochenende: „Wir freuen uns auf Sonntag, wenn wir das Trainingslager überstanden haben.“

 

 

von Maximilian Hendel und Michael Rudolph