Toller Einstand: Doppelpack von Klose gegen Belgrad

Miroslav Klose
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Dass die Werder-Profis den Turniersieg beim Internationalen Fußballturnier im Zentralstadion Leipzig (IFiZ) nur denkbar unglücklich im Elfmeterschießen verpassten, störte eigentlich niemanden. Denn wieder einmal war man nach regulärer Spielzeit durch ein 2:2 gegen Finalgegner Roter Stern Belgrad ungeschlagen geblieben. Und darüber hinaus freuten sich alle mit ihrem neuen Mannschaftskollegen Miroslav Klose. Der hatte in der ersten Halbzeit mit einem Doppelpack in der 21. und 28. Minute dafür gesorgt, dass Werder nach einem 0:1-Rückstand in Führung ging und konnte damit einen Traumeinstand bei seinem Debüt im Werder-Trikot feiern.

 

Für Überraschung sorgte Cheftrainer Thomas Schaaf schon mit seiner Startaufstellung, in der er auf alle anwesenden EM-Fahrer zurückgriff. Das Sturmduo Klose/Klasnic feierte Premiere und Frank Baumann und Fabian Ernst ihre Rückkehr ins Mittelfeld. Nach zunächst verhaltenen Beginn erkämpfte sich Werder mit zunehmender Zeit mehr Spielanteile und sorgte mit der einen oder anderen gelungenen Kombination für Spaß am Zuschauen. Die wurde auch nicht getrübt als plötzlich Roter Stern Belgrad durch Marko Pantelic zwischenzeitlich in Fürhung ging. In der 17. Minute nutzte der Stürmer eine Unachtsamkeit der Bremer Deckung, die ihn kurz hinter der Strafraumgrenze nicht entscheidend angrieft und schlenzt den Ball mit dem Außenriss ins lange Toreck.

 

Doch Werder lässt sich nicht verunsichern, kombiniert weiter und kommt zum Erfolg. Zunächst stößt Johan Micoud mit dem Ball am Fuß in den gegnerischen Strafraum, bleibt jedoch beim Versuch den Keeper zu überwinden an diesem hängen. Den abprallenden Ball schnappt sich Miroslav Klose, lässt mit einer Körpertäuschung einen Gegenspieler aussteigen und jagt den Ball entschlossen in die Maschen. Für die Krönung seines ersten Einsatzes für Werder sorgte er sieben Minuten später selbst. Nach einer Ecke von Borowski kommt er aus vollem Lauf von der Strafraumgrenze und wuchtet den Ball mit dem Kopf ins lange Eck. Ein tolles Tor.

 

Einziger Wermutstropfen einer wirklich starken ersten Werder-Hälfte war jedoch das erneute Ausgleichstor. Nach einem Konter war die zurückeilende Werder-Abwehr noch nicht wieder richtig organisiert, so dass erneut Pantelic nach einer scharfen Flachpass von der rechten Seite aus vollem Lauf den Ball In Höhe des Elfmeterpunktes ins Tornetz bugsieren konnte. Borel war machtlos.

 

Die zweite Hälfte, die Thomas Schaaf auch wieder für zahlreiche Wechsel nutzte, fiel gegenüber dem wirklich ansehnlichen ersten Durchgang etwas ab. Dennoch war Werder die druckvollere Mannschaft. Doch die besten Möglichkeiten wurden von Klasnic (69.), ter Heide (70.) und Schulz (79.) vergeben.

 

In der anschließenden Glückslotterie „Elfmeterschießen“ bestachen alle Schützen durch große Sicherkeit. So war es Magnin, der durch den einzigen Fehlschuss vom Elfmeterpunkt zur „tragischen“ Figur wurde. Zunächst hatte Fahrenhorst die Bremer mit seinem Treffer in Führung gebracht, ehe Magnin zwar platziert nach links unten schoss, aber am Torhüter Banovic scheiterte. Die drei weitern Bremer Schützen, Schulz, Ismael und Borowski trafen. In den Reihen des Meisters aus Serbien und Montenegro konnten jedoch alle fünf Spieler die Kugel versenken, so dass Roter Stern Belgrad als erster Sieger des Internationalen Fußballturniers im Zentralstadion Leipzig vom Platz ging.

 

In den Statements nach dem Spiel war jedoch Miroslav Klose, der von den Medienvertretern zum „Besten Spieler des Spiels“ gewählt wurde, das beherrschende Thema. Der Nationalstürmer blieb jedoch bescheiden. „Die EM ist längst abgehakt, das konnte man heute noch mal sehen. Das war sicher ein ganz ordentlicher Einstand, aber viel wichtiger war, dass die Mannschaft funktioniert hat und nicht nur ein Einzelspieler. Sicher gilt es noch ein paar Abstimmungen zu verbessern, aber daran arbeiten wir in der Schweiz. Heute ging es darum, dass ich mich nach den ersten Trainingseinheiten, ein bisschen auf dem Platz in Bewegung komme. Ich muss versuchen mich ins System einzuordnen.“ Überschwengliches Lob von medienvertretern wies Klose zurück: „Man darf nicht vergessen, dass es heute ein Freundschaftsspiel war und der Gegner nicht so stark einzuschätzen ist. Sicher werden wir in dieser Saison auf bessere Teams treffen. Ich werde mich in wichtigeren Spielen erst noch beweisen müssen.“

 

Sehr zufrieden war auch die sportliche Leitung mit dem Stürmer. Cheftrainer Thomas Schaaf sagte: „Mich hat sein Einsatz sehr gefreut, weil er nicht nur zwei Tore gemacht hat, sondern immer anspielbereit, laufstark und sehr engagiert war.“ Klaus Allofs dazu: „Wir haben immer gesagt, dass wir total überzeugt von ihm sind und dass er irgendwann seine Tore machen wird. Dass es ihm jetzt gleich im ersten Spiel gelungen ist, ist natürlich erfreulich.“