A-Junioren im Pech - 10 Minuten fehlen zur Überraschung

Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 80 Minuten... wäre dies der Fall, dann hätten die A-Junioren des SV Werder Bremen mit einer bravourösen Leistung die große Überraschung geschafft. Da es bekanntlich aber doch über 90 Minuten geht, musste die Mannschaft von Trainer Thomas Wolter eine 2:0-Führung doch noch aus der Hand geben. 2:2 hieß es am Ende – das Aus im Kampf um die Deutsche Meisterschaft für den SV Werder.

 

Wer hätte das gedacht – nach der 2:4-Hinspiel-Niederlage gegen den FC Schalke 04 setzte kaum noch jemand einen Cent auf die Grün-Weißen. Thomas Wolter jedoch hatte immer an seine Jungs geglaubt. Und die spielten vor 2.000 Zuschauern in der Glückauf-Kampfbahn in Gelsenkirchen ganz frech auf. Bereits in der 10. Minute klingelte es zum ersten Mal im Gehäuse der Gastgeber. Marius Flatken brachte den SV Werder durch einen Kopfball aus spitzem Winkel mit 1:0 in Führung. Nur sechs Minuten später schaffte Marco Stier sogar das 2:0. Wolter war begeistert vom Auftritt seiner Mannschaft: "Im ersten Durchgang haben wir so gespielt, wie ich es mir vorstelle. Das war wirklich klasse", lobte der Coach. Auch nach dem 2:0 bestimmten die Gäste von der Weser die Partie, ließen kaum Torchancen des haushohen Favoriten zu. "Wir hatten den Gegner kalt erwischt. Die Schalker waren vom Kopf her schon vor dem Anpfiff eine Runde weiter", erklärte Wolter. "Das war unsere Chance, und die haben wir zu Beginn auch hervorragend genutzt."

 

In der zweiten Halbzeit bot sich zunächst ein unverändertes Bild. Torchancen gab es zunächst nur für den SV Werder. Und hätte Schalkes Torhüter Volkan Ünlü bei einem Kopfball von Werder-Stürmer Nelson Haedo-Valdez in der 57. Minute nicht so ausgezeichnet reagiert, ein 3:0 wäre sicher die endgültige Entscheidung gewesen. So aber mussten die Gäste ihrem hohen Tempo Tribut zollen. "Uns hat in der Endphase einfach die Kraft gefehlt", begründete Wolter den Einbruch seiner Schützlinge. "Die lange Verletztenliste und die anstrengende Saison haben ihre Spuren hinterlassen." So kamen die Schalker mit ihrer ersten richtigen Torchance zum 1:2-Anschlusstreffer. Fabian Lamotte versenkte einen Freistoß aus 20 Metern Entfernung. Wolter versuchte daraufhin alles und brachte mit Sebastian Ferulli für Marius Flatken noch einen neuen Stürmer. "Die Spieler haben wirklich eine tolle Moral bewiesen", lobte der Ex-Profi. "Auch nach dem bitteren Gegentor haben wir uns nicht aufgegeben und weiter unsere Chance gesucht." Doch ein weiterer Treffer blieb dem SV Werder versagt. Stattdessen schaffte Nadir Düzgün für die Gastgeber in der Schlussminute noch den 2:2-Ausgleich und sorgte damit endgültig für den Halbfinaleinzug der Schalker.

 

"Die Enttäuschung ist natürlich gerade nach diesem tollen Auftritt riesengro", gab Wolter nach dem Abpfiff zu. "Da ärgert man sich auch noch einmal über das verlorene Hinspiel." Erst kurz vor dem Ende hatten die Werderaner im ersten Spiel noch das 2:4 kassiert. Dennoch: "Meine Jungs haben gesehen, dass im Fußball alles möglich ist. Wir sind mit der für uns fast aussichtslosen Situation prima umgegangen und haben in dieser Saison trotz des Ausscheidens viel erreicht", zog Wolter eine positive Bilanz. Nach einem Abschlussabend am Freitag wird sich Wolter von seinen A-Junioren verabschieden und alle Konzentration seiner neuen Aufgabe als Trainer der Regionalliga-Amateure widmen. Nachfolger von Wolter wird in der kommenden Saison Dieter Eilts.

 

Martin Lange