Lange Verteidiger gegen die „kleinsten Stürmer Europas“

Werder hat beides zu bieten: Große Kerle in der Innenverteidigung und kleine Stürmer wie Marko Marin.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Drei Themen beschäftigen die Fußball-Fans in Valencia 24 Stunden vor dem Duell mit dem Vorjahresfinalisten Werder Bremen. Wie können ihre kleinen Angreifer, ein Reporter sprach von „den kleinsten Stürmern Europas“, gegen die großen Kerle aus Werders Innenverteidigung bestehen? Warum gibt ihr Trainer völlig überraschend am Tag vor dem wichtigen Duell gegen die Deutschen einen Tag trainingsfrei? Und kann es Valencia schaffen, Revanche für die Niederlage von vor fünf Jahren zu nehmen, die damals das Vorrunden-Aus in der Champions League bedeutete?

 

Die Trainer der beiden Kontrahenten nahmen die Diskussionspunkte gelassen auf und beantworteten so kurz vor der Partie alle Fragen. Valencia-Trainer Unai Emery verteidigte zunächst einmal seine Maßnahme, seinen Spielern eine Tag frei zu geben. „Wir haben sehr viele körperlich angeschlagene Spieler und mussten zuletzt in zwei Ligaspielen in Unterzahl kämpfen. Deswegen fehlt uns ein wenig die Kraft. Die Mannschaft wäre nicht besser geworden, wenn wir heute noch mal trainiert hätten.“

Die Grün-Weißen beim Abschlusstraining fotografiert von den steilen Tribünen des Mestalla-Stadions.

Für Trainerkollege Thomas Schaaf kommt die Entscheidung gar nicht so überraschend, er zeigte Verständnis, glaubt aber nicht daran, dass es entscheidend sein wird. „Natürlich haben beide Teams große Anstrengungen in den vergangenen Wochen hintersich gebracht, aber mein Kollege musste noch am Montagabend spielen, so dass er in dieser kurzen Zwischenphase nicht unbedingt noch trainieren muss. Ich bin sicher, dass Valencia mit voller Kraft aufs Feld gehen wird und dass es keine Frage der Kraftresevern sein wird, wer dieses Duell für sich entscheidet.“

 

Bei der Frage nach dem Größenvergleich zwischen Werders Defensive und den spanischen Stürmern, musste der Coach etwas schmunzeln. „Mal abwarten, ob es überhaupt so weit kommt, ob wir unsere langen Kerle aufstellen oder ob Valencia wirklich nur auf kleine Stürmer setzt. Wir müssen so oder so sehr konzentriert sein.“ Das glaubt auch Emery, der Werders Hünen die Partie so schwer wie möglich machen wird. „Was uns wirklich beschäftigt ist die Stärke des Gegners bei hohen Bällen. Bei Standardsituationen, bei jeder Ecke, jedem Freistoß sind sie sehr angriffslustig. Damit haben sie schon mit vielen verschiedenen Spielern viele Tore geschossen. Wir müssen alles daran setzen, die besten Optionen zu wählen, um das einzudämmen.“ Valencia-Profi David Silva fügte an: „Wir wissen, dass sie körperlich sehr stark sind, werden aber versuchen unser Spiel zu spielen. Das muss einfach so schnell sein, dass die Spieler mit größerer Statur, es nicht leicht haben werden.“ Per Mertesacker hat die Zeichen richtig verstanden und hofft auf Unterstützung seiner Mannschaft. „Ich hoffe nicht, dass ich allzu oft allein gegen David Villa verteidigen muss. Er ist einer der gefährlichsten Spitzen der Spanier, aber da gibt es noch ein paar andere richtig gute Angreifer in ihren Reihen. Wir müssen das als Mannschaft auffangen“, so der Nationalspieler.

 

David Silva und Unai Emery bei der internationalen Pressekonferenz.

Dass es auf jeden Fall ein sportlicher Leckerbissen werden soll ohne die Hektik, die vor fünf jahren im Spiel war, daran glauben alle Akteure. Thomas Schaaf gibt zu bedenken: „Ach, zählen sie doch mal zusammen. Fünf Jahre ist eine sehr lange Zeit im Fußball. Bei Valencia spielen vielleicht noch drei Profis mit, die damals dabei waren und bei uns ebenfalls drei. Und in jeder Mannschaft stehen 25 bis 30 Spieler. Allein deswegen wird das keine große Rolle spielen.“ Per Mertesacker lieferte mit seiner Einstellung den Beweis für diese These. „Ich war damals nicht dabei, ich weiß, dass es etwas hitzig war, aber niemand hat mir irgendetwas detailliertes von damals erzählt. Es scheint also nicht so spannend gewesen zu sein.“ David Silva antwortete ähnlich: „Ich war damals auch nicht dabei und weiß, dass es bei uns kein Thema ist. Wir werden uns mit der Gegenwart beschäftigen. Das ist interessant genug.“ Unai Emery ergänzte: „Wenn man das Wort Revanche in den Mund nehmen will, dann nur, wenn man von einer sportlichen Revanche spricht. Denn eines ist natürlich auch klar. Wir haben damals verloren und das soll nicht wieder passieren. Wir wollen die sportliche Revanche.“

 

 

aus Valencia berichtet Michael Rudolph