Teil zwei der "Vier-Chancen-Tournee": Es geht bei Null los

Nach der Rechnung von HSV-Trainer Martin Jol führen die Hamburger im direkten Vergleich dieser Saison gegen Werder.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Der zweite Teil der "Vier-Chancen-Tournee" zwischen Werder und dem Hamburger SV verspricht dem Auftakt aus der Vorwoche in Nichts nachzustehen. Das konnte jeder Beobachter am Mittwochnachmittag aus den Statements zweier sehr engagierter Trainer heraushören. "Beide Teams haben in der Vorwoche eine hervorragende Partie gespielt und wir wissen, dass die Hamburger wieder ihre Chance suchen werden, sehr engagiert zur Sache gehen werden, um eine gute Ausgangssituation zu erkämpfen", warnt Thomas Schaaf und wurde von seinem HSV-Kollegen bestätigt: "Werder hat sich in der Vorwoche sehr gut verkauft, aber wir werden alles dafür tun, um nach Istanbul zu kommen. Wenn es morgen hier ein 0:1 oder ein 1:1 gibt, dann ist es ein Ergebnis mit dem wir sehr gut leben können", so Martin Jol, der überhaupt nichts davon hält, diese Serie von vier Nordderbys in kurzer Zeit miteinander zu verknüpfen. Der Sichtweise, dass Werder in der Vorwoche mit 1:0 im Prestige-Duell in Führung gegangen ist, hält er entgegen: "So wie ich das sehe, gab es bisher zwei Partien gegen die Bremer. In der Liga haben wir 2:1 gewonnen und in der Vorwoche stand es Unentschieden, bis das Elfmeterschießen entscheiden musste. Von einem möglichen Debakel sind wir also weit entfernt."

 

Nationalspieler Piotr Trochowski ist zum ersten, aber nicht zum letzten Mal in dieser Saison im Weser-Stadion zu Gast.

Unter besonderem Druck sieht er die Hamburger daher nicht. "Unter Druck standen wir am Wochenende gegen Dortmund, wir wollten unbedingt gewinnen und haben es nicht geschafft. Aber morgen ist das doch nicht der Fall. Wir dürfen in einem Halbfinale spielen, wir haben es schon sehr weit geschafft." Auch Thomas Schaaf sieht es so: "Die nächsten beiden Spiele sind doch mit sehr positiven Dingen besetzt. Wir sind froh, so weit gekommen zu sein und diese Herausforderung jetzt angehen zu dürfen. Dass wir letzte Woche gewonnen haben, ist ein Pfand, das wir besitzen, das uns aber morgen nichts nützt. Wir nehmen höchstens ein positives Gefühl mit aus der Partie. Und den großen Anreiz, ein weiteres Finale spielen zu dürfen."

 

Im "internationalen Duell" müssen beide Teams auf Leistungsträger verzichten. Bei den Hamburgern sind Mladen Petric (Risswunde am Schienbein) und Marcell Jansen (Rippenprellung) nicht mit angereist. In Werder-Reihen fehlen am Donnerstag Peter Niemeyer (muskuläre Probleme), Petri Pasanen (Zeh-Verletzung) Aaron Hunt (Verletzung des Syndesmosebands) und Daniel Jensen (Achillessehen-Verletzung). Im Abschlusstraining kam unglücklicherweise auch noch Christian Vander hinzu, der mit starken Schmerzen im Knie die Einheit abbrechen musste. "Er wird bis morgen genauer untersucht, aber der erste Eindruck war nicht so gut", so Schaaf, der eine längere Pause befürchtet. In den Kader rutschte U 23-Keeper Sebastian Mielitz. Dabei ist auch Kapitän Frank Baumann, der seine muskulären Probleme überstanden hat.

 

Per Mertesacker stellte sich nach dem Training den Fragen der internationalen Journalisten.

Nachteilig für das Nordderby könnte sich die lange Liste der wegen gelbsperre-gefährdeten Spieler bei den Werderanern auswirken. Gleich sechs aktive Leistungsträger wären für das Rückspiel zum Zuschauen verdammt, wenn sie erneut verwarnt werden: Frings, Fritz, Özil, Diego, Almeida und Rosenberg. Dennoch soll darauf keine Rücksicht genommen werden. "Ich denke nicht, dass das in den Köpfen drin ist. Das wird kein Hemmschuh sein. Es ist eher eine Aufforderung noch konzentrierter zu spielen, ohne klare Fouls das Spiel zu bestimmen", so Per Mertesacker. Und Thomas Schaaf bestätigt: "Die gelben Karten werden für uns morgen keine Rolle spielen. Die Spieler werden mit dem Zweikampfverhalten an die Aufgabe herangehen, das vom Spiel verlangt wird. Es wird auf der anderen Seite auch keine Szenen geben, in der wir absichtlich besondere Konstellationen hervorrufen werden", betonte der Bremer Coach, dass sich keiner eine Verwarnung abholen wird, nur um ein mögliches Finale bestreiten zu können.

So weit will einfach noch keiner bei den Werderanern denken. "Für mich geht es morgen wieder bei Null los. Ich habe jetzt nur dieses Hinspiel vor Augen", bekräftigt Mertesacker.

 

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph und Christoph Muxfeldt