Werder erarbeitet sich blendende Ausgangssituation

Ein Bild fürs Lehrbuch: Naldo köpft unter Bedrängnis nach einer Ecke aufs Ajax-Tor. So entstand auch das vorentscheidende 2:0
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder hat sich im Uefa-Cup-Hinspiel der Runde der letzten 32 gegen Ajax Amsterdam eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel geschaffen. Vor 38.150 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion setzten sich die Grün-Weißen gegen den 29-maligen niederländischen Meister mit 3:0 (0:0) durch. Per Mertesacker (48.), Naldo (54.) und Torsten Frings (71.) sorgten mit ihren Treffern für den Bremer Erfolg. Ajax hatte nach dem Platzverweis von Olaf Lindenbergh (24.) zu zehnt spielen müssen.

 

Thomas Schaaf hatte mit einer Ausnahme der Formation das Vertrauen geschenkt, die am Samstag dem VfB Stuttgart unterlegen gewesen war. Für Tim Borowski, dessen geschwollenes Grundgelenk des großen Zehs keinen Einlass zuließ, kam Jurica Vranjes von Beginn an zum Zuge. Er agierte auf der zentralen Position vor der Abwehr. Frings rückte vor auf die halbrechte Position in der Mittelfeldraute. Daniel Jensen wechselte auf halblinks.

 

Naldos Freistoß prallt an den Pfosten

 

Werder hätte die Begegnung um ein Haar mit einem frühen Führungstor begonnen. Nach einem Foul an Vranjes setzte Naldo den fälligen Freistoß aus 24 Metern wuchtig an den linken Pfosten. Der Abpraller war für Miroslav Klose schwer zu nehmen, daher wurde der Nachschuss eine leichte Beute von Ajax-Torhüter Maarten Stekelenburg (4.). Die Grün-Weißen waren in der Anfangsphase hoch konzentriert und kamen daher zu weiteren guten Möglichkeiten. Jensen scheiterte mit einem Flachschuss aus acht Metern an Stekelenburg (5.). Ein Kopfball von Aaron Hunt nach Freistoßflanke von Frings (8.) und ein Distanzschuss des letzteren (14.) verfehlten das Tor der Gäste knapp.

 

Entscheidender Nachteil für Ajax: der frühe Platzverweis für Lindenbergh.

Amsterdam setzte dem Bremer Druck Härte entgegen. Mittelfeldspieler Lindenbergh fand dabei allerdings nicht das rechte Maß. Nachdem er für ein Foul an Clemens Fritz von Schiedsrichter Lucilio Cardoso Cortez Batista aus Portugal die gelbe Karte gesehen hatte (21.), brachte er kurz darauf Frings an der rechten Strafraumkante zu Fall und wurde mit Gelb-Rot bedacht (24.). Im Anschluss an den folgenden Freistoß von Frings rettete Gabri am Fünfmeterraum artistisch vor Hunt zur Ecke (25.).

 

In Überzahl tat sich Werder bis zur Pause schwerer. Ajax stand nun tief in der eigenen Hälfte und machte die Räume eng. Ein Luftloch von Donald sieben Meter vor Werder-Schlussmann Tim Wiese (38.) blieb die einzige ansatzweise gefährliche Szene der Niederländer vor dem Seitenwechsel, während Werder einer Halbzeitführung bei einem Klose-Kopfball (41.) nahe kam.

 

Der Bann ist gebrochen - Per Mertesacker vollendet wuchtig zum 1:0 für Werder.

Frings bereitet zwei Treffer mit Ecken vor

 

Das Führungstor sollte kurz nach Wiederanpfiff fallen. Einen Distanzschuss Diegos hatte Stekelenburg noch parieren können (47.). Doch dann missglückte ihm die Abwehr einer Frings-Ecke. Mertesacker nutzte dies und schoss aus zehn Metern zum 1:0 ein (48.). Werder setzte nach. Im Anschluss an eine weitere Ecke von Frings von der rechten Seite war Naldo mit dem Kopf zur Stelle. Vurnon Anitas Rettungsaktion geschah nach Ansicht des Schiedsrichtergespanns erst hinter der Torlinie. Es stand 2:0 (54.).

 

Nur zwei Minuten später verfehlte Naldo mit einem erneuten Kopfball das Ajax-Gehäuse nur um einen halben Meter (56.). Die Gäste riskierten nun mehr und hätten beinahe verkürzt. Doch Hedwiges Maduro brachte den Ball aus sechs Metern nicht an Wiese vorbei (59.). Nachdem Hunt einen Volleyschuss aus spitzem Winkel knapp verzogen hatte (63.), erhöhte Werder auf 3:0. Klose hatte den Ball bei einem Konter mit Übersicht in den Lauf von Frings gepasst, der aus 14 Metern flach einschoss. Die Rettungsaktion von Johnny Heitinga kam zu spät (71.).

 

Im Abschluss selbst zwar glücklos, aber wieder enorm wertvoll als Vorbereiter und Kopfballriese: Miroslav Klose.

Zwar verhinderte Wiese mit einer zweiten Klasseparade bei einem Fernschuss von Wesley Sneijder das durchaus mögliche Ehrentor der Ajaciden (86.). Doch diese konnten von Glück sagen, in der Schlussphase nicht noch deutlicher unter die Räder gekommen zu sein. Diego, der erst Außennetz (76.) und dann Latte (80.) traf, hätte ebenso erhöhen können wie der eingewechselte Hugo Almeida. Zunächst prallte ein Kopfball des Portugiesen an den rechten Außenpfosten (84.), dann fand er bei weiteren Großchancen per Kopf (89.) und Flachschuss (90.+2) in Stekelenburg seinen Meister.

 

Von Martin van de Flierdt