Angreifen: „Das ist ihr Spiel, das machen sie sehr gerne“

Michael Thurk (l.) führt mit Abstand die Torschützenliste der 2. Bundesliga an, Kollege Dominik Reinhardt freut es.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Nur noch ein Schritt bis Berlin. Zum 20. Mal steht Werder Bremen im Halbfinale des DFB-Pokals, das am Dienstag, 23.03.2010, um 20.30 Uhr im Weser-Stadion angepfiffen wird. Das ist „alles andere als Normalität“, erinnerte Geschäftsführer Klaus Allofs eindrücklich. Nun empfängt der amtierende Titelträger Zweitligist FC Augsburg, der sich anschickt, die bislang beste Saison seiner Vereinsgeschichte zu krönen.

 

Simon Jentzsch ist der absolute Rückhalt im Tor des FCA.

Der Klub: Lange Zeit verlebte der FC Augsburg ein Schattendasein zwischen all den großen Konkurrenten im Freistaat wie dem FC Bayern, dem 1. FC Nürnberg oder 1860 München. Trotz so berühmter Söhne wie Bernd Schuster und Helmut Haller, die, wie auch Karl-Heinz Riedle, Werders bester Torschütze der Meister-Saison 1987/88, Raimond Aumann, Armin Veh oder Hallers Neffe Christian Hochstätter, hier ihre Karrieren begannen. Sie alle mussten jedoch von außen mit ansehen, wie ihr Heimatverein mehr als 20 Jahre lang in der Drittklassigkeit versank, 2000 nach einem Lizenzentzug sogar kurzzeitig in der Bayernliga. Darauf stieg der Unternehmer Walther Seinsch als Vorstand-Vorsitzender ein, weckte neue Lebensgeister. Der konsolidierte Verein kehrte 2006 in die 2. Bundesliga zurück.

 

Der Trainer: Jos Luhukay, der Borussia Mönchengladbach 2008 souverän den Wiederaufstieg in die Bundesliga ermöglichte, ist gemeinsam mit Geschäftsführer Andreas Rettig für den aktuellen Höhenflug verantwortlich. Letzte Woche verlängerten beide ihre Verträge bis 2012. Innerhalb kürzester Zeit nach seinem Amtsantritt im vergangenen April formte der 46-jährige Niederländer eine absolute Zweitliga-Spitzenmannschaft, die aktuell am ganz großen Coup werkelt: Aufstieg in die Bundesliga und Pokalfinale. Übrigens wurde Marko Marin im März 2007 von Luhukay zum ersten Mal in seiner Karriere auf einen Bundesliga-Rasen geschickt.

 

Erfolgs-Duo: Trainer Jos Kuhukay (l.) und Geschäftsführer Andreas Rettig.

Der Kader: „Sie bieten eine hohe Qualität für die 2. Liga“, unterstreicht Werders Cheftrainer Thomas Schaaf treffend. Vor allem in der Offensive. 54 Tore gelangen Luhukays Mannschaft in 27 Spielen, allein 21 davon steuerte Angreifer Michael Thurk bei. Ihm wurde in der Winterpause Nando Rafael zur Seite gestellt (7 Sp./4 T.). Auf der Außenbahn wirbelt der erst 21-Jährige und unfassbar schnelle französische Blitz Ibrahima Traore, der in 24 Einsätzen sechs Tore und zehn Assists beisteuerte. Marcel Ndjeng, Daniel Brinkmann und Andrew Sinkala rackern im Mittelfeld. Vor dem in Topform agierenden Torhüter Simon Jentzsch bilden Uwe Möhrle, Dominik Reinhardt und Youssef El Akchaoui eine gefestigte Defensivreihe, um deren freien Platz sich de Roeck, Hegeler und Buck bewerben. Thomas Schaaf stellte das Hauptaugenmerk des FCA in den Fokus. „Angreifen, das ist ihr Spiel, das machen sie sehr gerne mit ihren beweglichen Leuten“, erläuterte er und fügte an: „Aber sie treffen auch auf einen Gegner, der nicht unbedingt hinten drin steht.“

 

Der Weg ins Halbfinale: … - natürlich das erste der Vereinsgeschichte - führte über ein schwer erkämpftes 2:1 in Ingolstadt zum Auftakt sowie nacheinander drei Heimsiege jeweils ohne Gegentor gegen den SC Freiburg (1:0), den MSV Duisburg und zuletzt im Viertelfinale den 1. FC Köln (2:0).

 

Äußerst schnell, äußerst wendig, äußerst trickreich: Ibrahima Traore.

Die aktuelle Saison: Pünktlich mit dem Umzug in die neugebaute „Impuls-Arena“ (30.660 Plätze) im Sommer 2009 reitet der FC Augsburg auf einer bislang ungekannten Erfolgswelle in Liga und Pokal. Nur vier Mal in 27 Punktspielen blieb das Team um Kapitän Uwe Möhrle punktlos. Die Generalprobe (3:1 gegen RW Ahlen) glückte. Aller Voraussicht nach werden Kaiserslautern, St. Pauli und der FCA die beiden Aufsteiger und den Relegations-Teilnehmer unter sich ausmachen. Und alle drei mussten/müssen im laufenden Pokal-Wettbewerb gegen Werder Bremen antreten.

 

Die aktuelle Gemütslage: Ohne Zweifel, die Partie besitzt absolut den „Charakter eines Endspiels“, hob Geschäftsführer Klaus Allofs hervor. Werder will die Wiederholung des „Außergewöhnlichen“ (Schaaf), Augsburg das Zuckerbrot neben dem möglichen Aufstieg. Aus Augsburgs Geschäftsführer Andreas Rettig sprach nach dem Ahlen-Erfolg die volle Zuversicht: „Wer so fightet, hat auch in Bremen eine Chance. Ich bin überzeugt, dass wir nach Berlin fahren.“ Torjäger Michael Thurk sagte dem ‚Kicker‘ vorsichtig optimistisch: „Wir wissen, was wir können, aber auch, was für ein Kaliber wir vor der Brust haben. Wir brauchen einen Tag, an dem uns alles gelingt.“

 

von Maximilian Hendel