Dem großen Aufwand die Ergebnisse folgen lassen

Clemens Fritz setzt sich beim 2:1-Bundesliga-Heimsieg im Dezember gegen Ashkan Dejagah durch.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Keine Zeit zum Durchatmen. Kaum drei Tage nach dem leidenschaftlich erkämpften Punkt gegen den FC Bayern wartet am Mittwoch, 04.03.2009, um 19 Uhr bereits der nächste Wegweiser auf Werder Bremen. Im Viertelfinale des DFB-Pokals gastieren die Grün-Weißen beim VfL Wolfsburg. „Es gibt keinen Grund, irgendeinen Wettbewerb hervorzuheben. Es ist die nächste Partie und deshalb ist es auch die wichtigste“, unterstreicht Cheftrainer Thomas Schaaf.

 

Bei Grafite stehen mittlerweile 14 Bundesliga-Tore in der aktuellen Spielzeit auf dem Konto.

Noch zwei Schritte bis Berlin

 

Elf quälenden Punkten rennt sein Team im „täglichen Geschäft“, der Bundesliga, hinter den internationalen Plätzen hinterher. Es gab schon angenehmere Tabellensituationen zu meistern. Deshalb bringt es der 49-Jährige gleichsam treffend auf den Punkt, wenn er bemerkt, dass man „im Pokal mit weniger Spielen eher zu einem Titel kommen kann als in einem anderen Wettbewerb.“ Und nebenbei auch zu einem gültigen Ticket für Europa. Nur noch zwei Schritte sind bis Berlin zu meistern. Der erste davon führt nach Niedersachsen.

 

Nun sind diverse Statistiken zu nicht viel mehr zu gebrauchen, als gebrochen zu werden. Dennoch ist Wolfsburg das Team der Stunde. Mit vier Siegen und einem Unentschieden führen sie die imaginäre Rückrundentabelle an. Werder grüßt hier mit der Roten Laterne in der Hand und zwei Pünktchen im Säckel. Thomas Schaafs Anerkennung geht weit über Rechenspielereien hinaus. „Der VfL hat in dieser Saison insgesamt hervorragend gespielt“, honoriert er und fügt an: „Sie sind im Angriff gut besetzt. Dzeko, Grafite, Dejagah, Misimovic und Gentner suchen immer wieder die Offensive. Aber sie haben auch eine sehr disziplinierte Defensive. Das alles zeichnet sie bisher aus.“

 

Felix Magath zog bereits mit Werder 1999 ins Pokalfinale ein.

„Grafite ist wieder da!“

 

Zuletzt bekam das bekanntlich der HSV zu spüren. Woran ein Mann gewaltigen Anteil hatte, der noch am 13. Februar (2009!) am Meniskus operiert worden war, sich 15 Tage in der Reha quälte und - als sei er nie weg gewesen - Sonntagabend zwei Tore zum 3:1-Sieg beisteuerte, bevor er sich ab Minute 48 schonen durfte. „Grafite ist wieder da!“, klärte Edin Dzeko später diejenigen Beobachter auf, die immer noch verwundert über den unerwarteten Coup von Trainer Felix Magath dreinblickten. Der untermauerte: „Grafite ist ein Spieler, der gegen den Schmerz angeht.“ Torhüter André Lenz mahnte trotz des gegenwärtigen Laufs zugleich nach Schlusspfiff: „Wir dürfen jetzt nicht anfangen zu träumen, sondern müssen uns auf die kommenden Aufgaben konzentrieren.“ Die nächste dieser Aufgaben heißt Werder Bremen.

 

Das lang vermisste Selbstvertrauen wiedergefunden

 

Hier trugen deren zwei Spiele dazu bei, das lang vermisste Selbstvertrauen wieder zu finden: Das Husarenstück in San Siro und die bereits erwähnte Energieleistung gegen den amtierenden Double-Gewinner.

 

Sebastian Boenisch im Kopfballduell mit Edin Dzeko, Grafites nicht minder treffsicherem Sturmpartner. (11 Saisontore)

Diese „sind mit großem Aufwand betrieben worden und wir mussten zusehen, etwas Erfolgreiches hinzulegen. Das ist uns in Mailand gelungen. Und sicherlich auch gegen Bayern München – leider nicht vom Ergebnis her“, resümiert Thomas Schaaf und fordert zu Recht mehr: „Wir müssen zusehen, dass wir jetzt die Ergebnisse folgen lassen“

 

In der anstehenden KO-Runde kann die Heimatmosphäre im Weser-Stadion dabei nicht helfen. Aus unerklärlichen Gründen macht der DFB-Pokal seit geraumer Zeit - bis auf wenige Ausnahmen - einen weiten Bogen um Bremen. Unsere Großeltern werden sich erinnern, dass am 31. Oktober 2007 der MSV Duisburg mal 4:0 bezwungen werden konnte. Und fast genau zwei Jahre davor übrigens mal der VfL Wolfsburg (7:6 für Werder n.E.). Das war eines von bisher drei Pokal-Aufeinandertreffen in den vergangenen zehn Jahren. 2003 siegten die Grün-Weißen 3:1 nach Verlängerung und 1999 zogen sie dank Marco Bode und Frank Rost, der kurz vor Schluss einen Elfmeter parierte, nach einem 1:0 in Wolfsburg ins DFB-Pokalfinale ein. Werders Trainer damals hieß Felix Magath.

 

 

von Maximilian Hendel