Wir fahren wieder nach Berlin! 2:0 über den FC Augsburg

Philipp Bargfrede - hier im Duell mit dem Augsburger Andrew Sinkala - erreichte mit Werder Bremen das Pokalfinale
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen hat auch in dieser Saison wieder das „Außergewöhnliche“ (Thomas Schaaf) erreicht und ist nach einem verdienten 2:0 (1:0)-Heimsieg über Zweitligist FC Augsburg vor 31.645 Zuschauern im Weser-Stadion zum zweiten Mal in Folge ins DFB-Pokalfinale eingezogen. Marko Marin überwand in Folge eines herrlichen Doppelpasses mit Mesut Özil FCA-Schlussmann Simon Jentzsch überlegt zur Führung (30.). Die endgültige Entscheidung brachte Torjäger Claudio Pizarro sechs Minuten vor dem Ende. Werder hatte über den Großteil der Partie mehr Chancen und Spielanteile, musste jedoch zwei Mal besonders zittern, als Augsburgs Michael Thurk erst drei Minuten vor dem Pausenpfiff nur den Innenpfosten traf und in Minute 52 freistehend über den Kasten hob.

Eine flotte Anfangsphase mit konsequent dominanten Bremern

Torschützen unter sich: Marko Marin herzt Claudio Pizarro.

Sechs Umstellungen vollzog Cheftrainer Thomas Schaaf im Vergleich zur letzten Bundesliga-Partie. Die gegen Bochum anfangs noch geschonten Torsten Frings, Claudio Pizarro und Mesut Özil kehrten ebenso zurück wie Clemens Fritz, Per Mertesacker und Aaron Hunt. Ihnen hatte die kurze Verschnaufpause sichtlich gut getan. Keine 180 Sekunden waren gespielt, da legte Hunt zu Mesut Özil herüber, dessen scharfer Aufsetzer nur unweit am rechten Pfosten vorbeirauschte. Zwei Minuten darauf fand der Ball das erste Mal in den Bremer Strafraum, Thurk – mit dem Rücken zum Tor – legte klug auf Daniel Brinkmann in den Rückraum, der neun Meter vor dem Kasten rechtzeitig im letzten Moment an einem kontrollierten Abschluss gehindert wurde. In einer flotten Anfangsphase sollte dies vorerst das einzige offensive Zeichen der Gäste bleiben.

Werders Defensive verhinderte konsequent einen konstruktiven Spielaufbau des Zweitligisten, auch gefährliche Konter über deren quirrlige Spitzen kamen nicht zustande. Die Hausherren dominierten durchweg die eigene und gegnerische Hälfte. Die zweite Werder-Chance ging aus einem öffnenden Zuspiel Hunts auf Özil hervor, der scharf nach innen spielte, wo Pizarro im Fallen mit dem langen Bein zwar den Ball erreichte, ihn aber nicht im Tor unterbrachte (7.).

30 Minuten Geduld, ehe Marko Marin Publikum und Mannschaft erlöste

Augsburgs Torjäger Michael Thurk scheiterte aus guten Positionen zwei Mal knapp.

Kurz darauf zog Rechtsverteidiger Clemens Fritz erst unbedrängt nach innen, durfte aus 20 Metern ebenso unbedrängt mit dem linken Fuß abziehen, doch Simon Jentzsch lenkte die platzierte Kugel dank seiner langen Fingerspitzen aus der Ecke (9.). Auch die nächste gefährliche Offensiv-Aktion beschwor Defensiv-Könner Fritz hervor, der den von Pizarro zurück gelegten Ball aus vollem Lauf knapp über die Latte drosch (17.). Noch 13 Minuten musste sich der grün-weiße Anhang gedulden, ehe Marko Marin sie und seine Mannschaft erlöste – dabei verwertete er einen zuvor gespielten grandiosen Doppelpass mit Mesut Özil, zog im Strafraum nach außen und streichelte den Ball förmlich gegen die Laufrichtung des grätschenden Gegenspielers de Roeck und von Torwart Jentzsch über die Linie (30.). Wie aus dem Nichts jedoch blickten die Augsburger dem Ausgleich ins Auge. Michael Thurk - von El Akchaoui in die Tiefe geschickt - schob aus ganz spitzem Winkel an den Innenpfosten, der Ball trudelte quer die Linie entlang, bis Mertesacker in höchster Not klärte.

Thurk trifft den Innenpfosten und schaufelt drüber, Pizarro entscheidet das Spiel

Kapitän Torsten Frings - wie hier gegen Traore - räumte in der zentralen Defensive konjsequent ab

Direkt nach Wiederanpfiff knüpfte der FCA an dieses „Hallo Wach“ an. Die Flanke von Marcel Ndjeng entpuppte sich als Gefahrenherd im Fünfmeterraum, doch Tim Wiese reagierte trotz intensiver Irritation von Thurk schnell und hielt (47.). Fünf Minuten später wäre er wohl machtlos gewesen, jedoch fiel Michael Thurk frei aus sieben Meter Entfernung in Rücklage und schaufelte über die Latte. Klare Möglichkeiten dieser Art sollte die Bremer Defensive an diesem Abend nicht mehr zulassen. Die Grün-Weißen drängten nun ihrerseits vorn auf die Entscheidung. Mesut Özils Heber aus spitzem Winkel, der den Kasten verfehlte, brachte diese noch nicht herbei (71.). Auch nicht Hugo Almeida: Sein Schuss aus 14 Metern verzog knapp (80.). Dann endlich, sechs Minuten vor dem Abpfiff, war es einmal mehr Claudio Pizarro, der nach schnell ausgeführtem Freistoß von Torsten Frings für die finale Befreiung sorgte und Simon Jentzsch bezwang. Dass Marko Marin und Tim Borowski in den Schlussakkorden dieses Fußballabends aus jeweils guten Positionen ein höheres Ergebnis verpassten, war nicht mehr von Belang.

von Maximilian Hendel