Halbfinale! Werder gewinnt 5:2 in Wolfsburg

Wolfsburgs Christian Gentner in der Bremer Zange, gebildet aus Clemens Fritz und Daniel Jensen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Berlin ist ganz nah. Werder Bremen gewann verdientermaßen ein spannungsgeladenes Viertelfinale im DFB-Pokal mit 5:2 (2:2) beim Bundesliga-Kontrahenten VfL Wolfsburg und bestätigte imponierend den Aufwärtstrend der vergangenen Woche. Kaum hatten sich die Zuschauer auf ihren Plätzen eingefunden, waren sie Zeuge eines fulminanten Blitzstarts der Grün-Weißen geworden. Diego und Özil brachten die frühzeitige 2:0-Führung. Die Niedersachsen kämpften sich heran und kamen durch einen Dzeko-Doppelpack noch vor der Pause zum Ausgleich. Doch Werder schlug zurück: Erst verwandelte Diego den an ihm verursachten Foulelfmeter souverän (55.), eine Viertelstunde später entschied Claudio Pizarro die Partie.

Diego aus Wolfsburg konnte Diego aus Bremen nur per Foul stoppen. Auch beim folgenden Elfmeter war der Keeper machtlos.

Eine einseitige Partie? Mitnichten!

Da Naldos Rotsperre keine Auswirkungen auf den DFB-Pokal nach sich zieht, hatte Nico Pellatz die erfahrene Stamm-Viererkette der vorangegangen Partien vor sich. Dafür erhielten offensiv Daniel Jensen und Markus Rosenberg an Stelle von Tziolis und Almeida ihre Chance von Beginn an. Schiedsrichter Kinhöfers Anpfiff war kaum verklungen, da spielte Claudio Pizarro eine direkte Dropkick-Ablage in den Rückraum auf Diego, der sich blitzschnell um Landsmann Josué drehte und flach aus 15 Metern genau ins linke Eck des Wolfsburger Gehäuses vollendete (3.). Die bemerkenswerte Startphase aus Bremer Sicht krönte Mesut Özil mit dem 2:0 (7.); Wobei der Nationalspieler vorher von Diegos geschicktem Block gegen Simunek profitierte, den Freiraum über die linke Seite nutzte und Torhüter Benaglio aus spitzem Winkel überwand.

Sollte es etwa eine einseitige Partie werden? Mitnichten! Nur drei Minuten später bekam Marcel Schäfer auf der linken Außenbahn zu großen Freiraum und noch mehr Zeit für eine scharfe Eingabe in den Fünfmeter-Raum, wo Edin Dzeko genau in die Lücke zwischen Mertesacker und Naldo entwischte und den Ball aus zwei Metern unter den Balken nagelte. Dieses wahnsinnig hohe Tempo blieb der ersten Halbzeit durchweg erhalten. Werder - schier von den Altlasten des verpatzten Rückrundenstarts befreit - kombinierte flüssig. Gelenkt von Frings und Jensen und kultiviert mit der nötigen Kreativität von Diego und Özil zog die Mittelfeldraute Angriff um Angriff auf. In der 20. Minute verpasste Claudio Pizarro die Annahme eines Diego-Hebers um Zentimeter, wäre sonst allein vor Benaglio aufgetaucht. Sekunden darauf nutzte Mesut Özil eine Direkt-Stafette über Pasanen und Jensen auf links, suchte und fand über Wolfsburger Umwege Pizarro, der per Drehschuss aus bester Position verzog.

Edin Dzeko hatte hier gerade zum 1:2 verkürzt. Naldo mochte nicht hinsehen.

Werder verliert den Faden…

Den dritten Bremer Torjubel des Tages unterbrach ein Abseitspfiff. Der Freistoss des spielfreudigen Diegos aus spitzem Winkel flog scharf ins rechte Eck, da Pizarro den machtlosen Benaglio im Fünfer entscheidend irritierte und mit einem Löckchen verlängerte, dabei jedoch vom Linienrichter in unerlaubter Position ertappt wurde (25.). Zehn Minuten darauf entsandt abermals Werders brasilianischer Regisseur Kollege Özil in die Gasse, nur diesmal parierte Benaglio den fast aus identischer Position wie vor dem 2:0 abgegeben Schuss.

Urplötzlich jedoch verloren die Grün-Weißen den Faden ihres bis dahin furiosen Spiels. Zuerst wurden die Nachlässigkeiten nicht bestraft, obwohl Gentner nach Misimovic’ Pass über die Bremer Defensivköpfe hinweg allein vor Pellatz auftauchte, aber den Ball knapp über den Kasten schaufelte (40.). Die folgende Möglichkeit wussten die Wölfe dann zu nutzen. Pekarik flankte, Dzeko spielte Huckepack auf Mertesackers Schulter und überlupfte Pellatz per Kopf zum Ausgleich. Beinah wäre die eingebrochene Schluderei auch ein drittes Mal bestraft worden, doch Schäfers humorloser Hammer aus 18 Metern klatschte an den Pfosten.

Bremer Leitwolf Torsten Frings springt höher als "Wolf" Christian Gentner.

… und meldet sich eindrucksvoll zurück

Verständlicherweise konnten beide Mannschaften nach Wiederanpfiff die regelrechte Tempohetze der ersten Hälfte nicht konservieren, was der Intensität dieses Pokalfights jedoch nicht den geringsten Abbruch tat. Vor allem riss Werder das zuvor verloren gegangene Heft des Handelns wieder an sich, agierte kompakt und ohne Kompromisse hinten und schlug vorne eiskalt zurück. Pizarros Pass empfing Diego punktgenau, der war im Begriff, Benaglio zu umkurven, wobei der Schweizer Nationalkeeper im Rettungsanflug nur Bein statt Ball zu fassen bekam. Den fälligen Elfmeter ließ sich Bremens Nummer 10 nicht entgehen und verwandelte unhaltbar ins linke Eck (54.). Der VfL schien sichtbar geschockt und als Claudio Pizarro eine Viertelstunde nach der erneuten Führung das 4:2 gelang – dem vorausgegangen war Almeidas Kopfball-Ablage nach Diegos Freistoss-Flanke -, war die Entscheidung gefallen. Zwar verpasste Edin Dzeko eine Grafite-Eingabe noch einmal haarscharf (75.), aber weitere zwingende Wolfsburger Möglichkeiten ließ Werder nicht mehr zu. Dafür setzte nochmals Claudio Pizarro im Nachklang einer großen Almeida-Chance den Schlusspunkt zwei Minuten vor Abpfiff.


aus Wolfsburg berichtet Maximilian Hendel