Spielbericht: Werder unterliegt auf St. Pauli mit 1:3

Hoffnung für die Werder-Fans: Der 1:1-Ausgleichstreffer durch Johan Micoud.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder Bremen musste die Rückreise vom Pokal-Viertelfinal-Spiel beim FC St. Pauli mit einer Niederlage im Gepäck antreten. Die Grün-Weißen verloren bei katastrophalen Platzverhältnissen am Millerntor mit 1:3 (1:1) gegen den Regionalligisten aus Hamburg.

Werder startete mit Routinier Andreas Reinke zwischen den Pfosten, ließ auf den anderen Positionen die erwarteten Akteure ans Werk. Auf Seiten der Paulianer agierte erstmals nach acht Jahren wieder der Stürmer Jens Scharping, der zuvor bei Alemannia Aachen aktiv war.

Erst vier Stunden vor dem Anpfiff der Partie entschied Schiedsrichter Dr. Felix Brych, das Spiel bei den gegebenen Platzbedingungen stattfinden zu lassen. Doch man hatte das Gefühl, dass das DFB-Pokal-Viertelfinale eher etwas für ein Kuriositäten-Kabinett bot: Großer Unterhaltungswert beim Rutschen ohne Ball statt fußballerische Höhepunkte. Bereits in den ersten Minuten wurde deutlich, dass der Ball bei den Platzverhältnissen schwer unter Kontrolle zu bringen war, zu rutschig war der Boden. Daher versuchten vor allem die Kiezkicker sich durch hohe Bälle in die Spitze, Chancen zu erarbeiten. Bereits nach sechs Minuten stockte allen Werder-Fans der Atem, als der Ex-Bremer Timo Schultz frei vor Andreas Reinke zum Zuge kam, den Ball aber nicht rechtzeitig unter Kontrolle brachte und ein früher Führungstreffer verhindert werden konnte.

Mit Schmerzen verlässt der Werder-Profi den Platz am Millerntor.

Keine vier Minuten später, nach einer Flanke von rechts, waren Frank Fahrenhorst und Patrick Owomoyela machtlos, den freistehenden Michél Mazingu-Dinzey daran zu hindern, das Leder im langen Eck unterzubringen. St. Pauli sorgte durch das 1:0 (10.) für die nächste Überraschung im DFB-Pokal in der Saison 2005/06. Die Hamburger setzten die Grün-Weißen weiter unter Druck. Zielstrebige Paulianer gegen trotz allem kombinierende Werderaner hieß das Duell. Und obwohl die Spielanlage der Gastgeber erfolgsorientierter schien, wurden die Werderaner zunächst belohnt. Nach einer Traumkombination über den genesenen Tim Borowski und Miroslav Klose verwandelte der Franzose Johan Micoud in der 27. Minute zum 1:1-Anschlusstreffer.

Werder kam nun mehr und mehr in Fahrt. Doch kurz vor dem Seitenwechsel stockte allen Anhängern der Grün-Weißen erneut der Atem: Miroslav Klose ging nach einem Zweikampf im Strafraum zu Boden, wurde behandelt und musste wenig später das Feld auf Grund einer ausgekugelten Schulter verlassen. Für ihn kam Nelson Valdez, der kurz nach seiner Einwechslung die Möglichkeit auf den Führungstreffer hatte. Sein Kopfball wurde jedoch von Pauli-Torhüter Hollerieth im letzten Moment zur Ecke geklärt. Auch Tim Borowskis Distanzschuss aus 18 Metern kurz vorher prallte nur an der Latte ab.

Frisch aus der Kabine kommend versuchte Werder weiter das gewohnte Spiel aufzuziehen, scheiterte aber im Abschluss. Die Kiezkicker hingegen gaben in jeder Situation Vollgas, nutzten die Chance der schlechten Bodenverhältnisse gegen den Dritten der Bundesliga und kamen durch lange Bälle in den Strafraum immer wieder zu gefährlichen Situationen. Nach einer Ecke köpfte Nationalspieler Patrick Owomoyela auf der Linie stehend den Ball aus der Gefahrenzone, erreichte unglücklicherweise einen Pauli-Spieler, dessen Querschläger der freistehende Fabian Boll nutze, um den Ball in die Maschen zu köpfen (59.). Beflügelt vom Führungstreffer setzten die Braun-Weißen sechs Minuten später noch einen drauf: Wieder ist es der Ex-Bremer Timo Schultz, der vom stolpernden Mazingu unfreiwillig bedient wird. Torhüter Andreas Reinke, mit den Fingerspitzen noch am Ball, kann ihn letztendlich nur noch hinter sich aus dem Netz holen.

Johan Micoud war sichtlich enttäuscht über das katastrophale Ausscheiden im Viertelfinale.

Werder rappelte sich nach diesem Rückschlag noch einmal auf. Nelson Valdez legte auf den aufgerückten Torsten Frings ab. Der Ball passierte jedoch knapp neben dem rechten Außenpfosten das Tor. Wenig später ist es wieder der Paraguayer, der die nächste Großchance für die Grün-Weißen einleitete. Nelson Valdez wurde im Strafraum von Fabio Morena gefoult, woraufhin Schiedsrichter Dr. Felix Brych auf den Elfmeterpunkt zeigte. Paulis Torhüter Armin Hollerieth parierte aber den von Tim Borowski geschossenen Strafstoß und auch der zuvor gefoulte Nelson Valdez konnte im Nachschuss den Ball nicht im Tor versenken. Die Kiezkicker sorgten in den verbleibenden zwölf Minuten für ein kompaktes Auftreten und ließen den Bremern keinen Vorstoß zum Tor zu.

Mit dem 3:1-Erfolg schaffte der FC St. Pauli die nächste Pokal-Sensation. Nachdem sie bereits im Achtelfinale den Bundesligisten Hertha BSC aus dem Rennen schossen, musste nun auch das Team von Thomas Schaaf den Traum ans Pokalfinale 2006 in Berlin aufgeben.

von Juliane Schramm