Genug geredet - gegen Lazio sollen Taten folgen

Symbolisches Bild: Torsten Frings wollte vor dem Spiel gegen Lazio keine großen Reden schwingen. Er und seine Teamkollegen wollen Taten sprechen lassen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Drei Wochen hatten die Grün-Weißen Zeit, sich Gedanken zu machen. Drei Wochen nach der 1:3-Niederlage gegen Olympiacos Piräus, die alle so enttäuschte, wurde analysiert, gerechnet, Erinnerungen an die erfolgreiche Champions-League-Aufholjagd vor zwei Jahren hervorgekramt. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Werder-Profis sind es leid, Statements als Tabellenletzter der Gruppe C abzugeben. Am Mittwochabend im Spiel gegen Lazio Rom können sie endlich wieder aktiv eingreifen. Taten statt Worte sprechen lassen. "Wir brauchen nicht mehr drum herum reden. Morgen müssen wir gewinnen. So werden wir uns auch präsentieren. Wir setzen alles auf eine Karte und werden es auch schaffen", so Vize-Kapitän Torsten Frings deutlich. Auch Tim Borowski präsentierte nach dem Abschlusstraining die Entschlossenheit der Grün-Weißen. "Wir dürfen keine Rechnung aufstellen, was wir uns noch erlauben können und was nicht. Das Einzige was zählt, ist, dass wir morgen Abend drei Punkte einfahren."

 

Cheftrainer Thomas Schaaf gefällt die Einstellung seiner Mannschaft und unterstützt sie. "Natürlich hätte das Spiel in Madrid anders ausgehen können, wenn wir in Führung gegangen wären. Natürlich wäre nach dem Spielverlauf gegen Piräus mehr drin gewesen. Aber wir müssen darüber nicht mehr nachdenken, sondern punkten."

 

Dass es für die Bremer nicht einfach wird, wissen sie jedoch. Sie rechnen mit einer sehr defensiv eingestellten Römer Mannschaft. "Dafür sind italienische Teams ja bekannt. Sie werden hinten drin stehen und auf unsere Fehler warten", prophezeit Frings und fordert vom eigenen Team höchste Konzentration: "Wir dürfen nicht so viele dieser Fehler machen und müssen die Lücken bei den Römern finden."

 

Dass Werder dabei vom betagten 43 Jahre alten Keeper der Gäste profitieren könnte, glaubt Frings nicht. "Er wird nicht umsonst noch in der Champions League im Tor stehen. Wenn er kein guter Torwart wäre, würden sie nicht auf ihn setzen", so Frings, der auch bei diesem Thema keine große Worte verlieren wollte und sich lieber auf die eigene Leistung konzentrieren wollte. Von ihm wird immerhin einiges erwartet, denn gerade Cheftrainer Thomas Schaaf setzt voll auf den gerade wieder genesenen Nationalspieler. "Torsten ist unheimlich wichtig, er setzt im Spiel selbst Akzente und gibt anderen den nötigen Rückhalt. Nach der Verletzung merkt man ihm deutlich an, dass er immer mehr Sicherheit gewinnt und die Automatismen in seinem Spiel wieder einsetzen."

 

Personell kann der Trainer aber nicht nur mit Torsten Frings rechnen. Nach dem Abschlusstraining am Dienstag, an dem auch die angeschlagenen Clemens Fritz (Sprunggelenksprobleme) und Hugo Almeida (Magen-Darm-Probleme) teilnahmen, konnte er in der Champions League erstmals einen 18er-Kader berufen, in dem fast alle Nationalspieler der Grün-Weißen mitwirken können. Dazu gehören: Wiese, Vander, Pasanen, Naldo, Baumann, Vranjes, Fritz, Rosenberg, Diego, Tosic, Andreasen, Sanogo, Jensen, Frings, Almeida, Borowski, Mertesacker, Harnik.

 

Nicht viele Worte verlieren vor der Partie, das schien auch das Motto der Italiener 24 Stunden vor dem Spiel zu sein. Die Pressekonferenz vor dem Spiel dauerte nur wenige Minuten und brachte keine wirklich neuen Erkenntnisse. Einen Lacher hatte der italienische Trainer dennoch auf seiner Seite. Als er sich mit seinem deutschen Kollegen vergleichen sollte, sagte er zunächst voller Respekt: "Er hat sicher die größere internationale Erfahrung als ich." Dann fuhr er mit einem Lächeln fort: "Außerdem hat er bei Werder mehr Glück mit dem Verein oder er arbeitet einfach besser. Denn während er schon so lange dort ist, wurde ich immer gleich wieder entlassen."

 

von Michael Rudolph