Werder viel zu harmlos – enttäuschendes 1:2 bei Lazio

Da passiert's: Über den Innenpfosten findet der Ball gleich den Weg ins Tor, Werder gerät durch Tommaso Rocchi mit 0:1 in Rückstand, Tim Wiese ist geschlagen.
Profis
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Werder ist in seiner Champions-League-Gruppe C wieder ins Hintertreffen geraten. Der Grund: eine völlig enttäuschende Leistung bei Lazio Rom, die mit einer verdienten 1:2 (0:0)-Niederlage quittiert wurde. Tommaso Rocchi schoss sein Team in der 57. Minute per Foulelfmeter-Abstauber in Führung und erhöhte elf Minuten später gar auf 2:0; Werders Abwehr hatte ihn bei einem Konter aus den Augen verloren. Diego gelang mit einem weiteren Foulelfmeter in der 88. Minute zwar noch der Anschluss, die Römer brachten den Sieg aber trotz gelb-roter Karte für Sanchez Cribari recht ungefährdet über die Zeit. In der 5. Minute der Nachspielzeit flog auch noch Diego mit Gelb-Rot vom Platz.

Lazios Chancen-Stakkato zu Beginn

Werders Cheftrainer Thomas Schaaf änderte die 1:0-Erfolgself vom Rostock-Spiel nur auf einer Position, Clemens Fritz kehrte in die Startelf zurück, Dusko Tošiæ nahm dafür auf der Bank Platz. Fritz

Typisches Bild: Werder zaghaft und mit Mühe, Lazio mit Kraft und Willen.

und seine drei Verteidiger-Kollegen erlebten schon in der 1. Minute zwei Torschüsse der Gastgeber, beide strichen aber am Tor vorbei. Überhaupt ging Lazio sehr agil und aggressiv in dieses Spiel und setzte Werder nachhaltig unter Druck. Rocchi tauchte genauso frei vor Tim Wiese auf (6.) wie kurz darauf Guglielmo Stendardo (11.), Stürmer Rocchi schoss zu eigensinnig daneben, Verteidiger Stendardo köpfte unbedrängt genau auf Tim Wiese.

Diesen Rhythmus großer Möglichkeiten konnte das bis dato in dieser Champions-League-Saison sieglose Lazio fast in der kompletten ersten Halbzeit aufrecht erhalten. In der 13. Minute rettete Tim Wiese sehenswert gegen Luciano Zauri, der es aus 20 Metern mit der Innenseite versucht hatte. Nach 19 Minuten durfte sich der emsige Mourad Meghni freistehend aus 16 Metern versuchen, schoss aber drüber. Und nur zwei Minuten später brachte einmal mehr ein aus dem Mittelfeld geschlagener Flugball die Werder-Abwehr durcheinander, Makinwa zielte zu zentral und scheiterte an Wiese.

Vorn keine Kombinationen, hinten keine Souveränität

Was hatte Werder diesem Stakkato entgegenzusetzen? Nichts. Hugo Almeida kam nach fünf Minuten einmal zu einem harmlosen Kopfball, sonst

Hugo Almeida mit gewonnenem Kopfball gegen Valon Behrami – der Portugiese war der auffälligste Werderaner.

verpuffte das Offensivspiel viel zu oft in Flanken aus dem Halbfeld, die keine Abnehmer fanden. Selbst als sich die Grün-Weißen nach einer halben Stunde etwas befreien konnten, fand ein Kombinationsspiel nicht statt. Auch in der Defensive (ab der 32. Minute ohne den mit Verdacht auf Nasenbeinbruch ausgewechselten Frank Baumann) ließ Werder alle sonst gewohnte Souveränität vermissen. Per Mertesacker im allerletzten Moment mit der Fußspitze (36.) und Petri Pasanen auf der Torlinie (40.) verhinderten die Führung durch Tommaso Rocchi. Nur mit viel Glück kam Werder ohne Gegentor in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel konnten die Bremer die Laziali erstmals wirklich gefährden. Almeida flankte weit auf Borowski, der per Kopf an die Strafraumgrenze zurücklegte, Diegos Direktschuss verfehlte den Kasten aber knapp (50.). Dann rückte Schiedsrichter Ivan Bebek in seinem ersten Champions-League-Einsatz in den Mittelpunkt: Erst zeigte er Lazios Verteidiger de Silvestri nur Gelb für ein Foul am einschussbereiten Rosenberg (52.) – genauso unverständlich wie eine Handvoll nicht mit Verwarnungen geahndeter harter Fouls an Diego und der ausbleibende Pfiff bei einem Ellbogeneinsatz im Kopfballduell gegen Hugo Almeida in Minute

Eine von zu vielen unfairen und zu milde geahndeten Attacken gegen Diego.

66. Der darauf folgende Angriff brachte Lazio einen Elfmeter, weil Naldo Meghni leicht, aber ausreichend, foulte. Tommaso Rocchi trat zum Strafstoß an, seinen Schuss konnte Tim Wiese zwar mit den Beinen aufhalten, doch Rocchi reagierte schnell und stocherte die Kugel im Nachsetzen ins Netz.

Werder-Chancen Mangelware, Lazio mit der Entscheidung

Werder konnte zwar mit einigen kleineren Möglichkeiten antworten, aber einzig Naldos üppiger Freistoßhieb aus 20 Metern nötigte Marco Ballotta im Lazio-Tor zu einer Parade (65.). Stattdessen stand es plötzlich 0:2: Meghni versetzte in der eigenen Hälfte drei Werderaner und schlug den nächsten weiten Ball vor den Strafraum, wo Rocchi den viel zu spät reagierenden Naldo überlief und den Ball allein vor Wiese ins Tor chippte (68.). Lazio verlegte sich danach aufs Verteidigen, von Werder nach wie vor selten gefährdet. Rosenbergs Direktabnahme (81.) und Almeidas strammer Schuss (84.) stellten Ballotta vor keine größeren Schwierigkeiten. Er sollte aber doch noch Probleme bekommen, nachdem Sanchez Cribari den aufgerückten Per Mertesacker im Sechzehner umgerissen hatte und dafür mit Strafstoß und gelb-roter Karte sanktioniert worden war. Diego handelte sich nach Provokation durch Stendardo kurz vor der Ausführung Gelb ein, drosch die Kugel dann aber hoch in die linke Ecke zum Anschlusstreffer (88.). Auch fünf Minuten Nachspielzeit förderten aber keine Chancen für Werder mehr zutage, die Römer brachten die Führung dank viel Zeitschindens nach Hause. Bitter für Werder: Diego verlieh seiner Unzufriedenheit über den Spielverlauf und den fehlenden Schutz durch den Schiedsrichter in der 95. Minute mit einem Tritt gegen eine Werbebande Ausdruck – der unerbittliche Ivan Bebek schickte ihn dafür mit der Ampelkarte vom Feld.

von Enrico Bach